Mittagspause an der route national 7

Eukalyptusbäume in Madagaskar, hier bei Ambalavao sind leider üblich.

Anleitung zum Unglücklichsein in Madagaskar: Man holze massiv die Wälder ab, dadurch wird weniger Wasser lokal gespeichert, die Grundwasserspiegel sinken. Dann nehme man Baumarten, die nicht zur natürlichen Vegetation gehören und pflanze sie beschönigend für welchen postulierten Nutzen auch immer an. Auf dem Bild sieht man in der Nähe von Ambalavao (beim Andringitra-Massiv), warum Madagaskar früher der rote Kontinent (hohe Ferritgehalte im Boden) genannt wurde, denn hier ist die Vegetation degradiert und der Boden erodiert. Die Flüsse führen durch die Erosion fast nur braunrotes Wasser, was natürlich die Möglichkeiten vieler Klarwasserlebewesen limitiert und Wasserverschmutzung ist inklusive ohne natürliche Filterung.Einige Eukalyptus-Arten aus Australien (siehe Foto) wachsen sehr schnell und werden in Südamerika zur Papierherstellung in Riesenplantagen wie auch hier einfach in die Natur gezwängt. Das Problem, sie ziehen mit anderen, vor allem zu hohen Raten, Wasser aus dem Boden. Folge ist ein weiteres Absenken der Grundwasserspiegel, abgesehen davon, dass fast alle anderen Organismen in Madagaskar mit dem Eukalyptus nichts anfangen können. Dann werden nach zwei, drei Generationen Eukalyptus die Grundwasserspiegel soweit abgesunken sein, dass auch diese Neophyten kein Wasser mehr erreichen. Eine brauchbare, schützende und filternde Vegetation für Schadstoffe oder Erosion wird sich dann nur über sehr lange Zeiträume wieder bilden. Auch die Mikrofauna und -flora des Bodens wird langfristig zerstört. Vorher werden ein paar ganz Schlaue vorschlagen wie in Nordafrika unter Gaddafi oder auch in Europa, die Aquifer, unter dem Grundwasser liegen Gesteinschichten, die zum Teil riesige fossile Süßwasserreservoirs enthalten, anzuzapfen. Das Problem ist, wenn die leer sind, was dann? Abgesehen davon, dass niemand weiß, wie diese Aquifer stabilisierend auf biologische, hydrologische, pedologische bzw. geologische oder gar klimatische Prozesse wirken.

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Aveda veranstaltet jedes Jahr weltweit den Earth Month mit dem 6 km langen „walk for water“ zum Spenden sammeln in verschiedenen Städten. 6 km sind die durchschnittliche Strecke, die Menschen in Entwicklungsländern laufen müssen, um an sauberes Wasser zu gelangen. Letztes Jahr habe ich in Berlin teilgenommen, am 23.04.2012 hier in Hamburg. In diesem Jahr gehen die Spenden an Viva con Agua. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung in Entwicklungsländern mit sauberem Wasser zu versorgen. Mittlerweile haben gut 100.000 Menschen davon profitiert. Generell finde ich das Engagement gut und habe interessante Menschen kennen lernen dürfen. Zum Beispiel Michael Braungart, dem Mitbegründer des „Cradle to Cradle“ – Konzeptes und Mona Ohlendorf, eine auf Nachhaltigkeit setzende Modedesignerin, oder Silvia Tekielak, der PR-Frau von Aveda. Einige Aveda-Produkte sind durch die von Braungart gegründete Environmental Protection Encouragement Agency Internationale Umweltforschung GmbH, kurz EPEA, zertifiziert, das betrifft Inhaltstoffe und Verpackung. Dabei werden Platin, Gold, Silber und Bronze je nachdem wie stark nachhaltige Kriterien in der gesamten Produktionskette berücksichtigt werden, vergeben. Damit hilft man Wasserverschmutzung zu vermeiden.

Viva con Agua und Herr Braungart verfolgen den Ansatz, dass Helfen und nachhaltiges Leben Spass machen sollen, damit das schlechte Gewissen keine Spaßbremse wird und in Resignation endet. Das ist ein nützlicher und pragmatischer Ansatz.

Im Vergleich zu anderen Marken von Estee Lauder ist Aveda ökologisch nachhaltiger aufgestellt, auch wenn erst wenige Artikel zertifiziert wurden. Denn natürlich ist der Zertifizierungsprozess aufwendiger und kostspieliger, da Forschung für ökologischere Ausgangsstoffe und Produkte komplexer ist bzw. die Konkurrenz durch gewöhnliche Produkte zu stark. Je mehr Umweltaspekte man in die Produktentwicklung einbezieht, desto teurer ist das Produkt, da sehr qualifizierte Informationsaufbereitung für den gesamten Prozess notwendig wird. Besonders, wenn wie beim „Cradle to Cradle“ Konzept, die Rückführung in natürliche oder technisch geschlossene Stoffkreisläufe federführend ist. Die Veranstaltung hat mich veranlasst, das Thema Wasser wieder aufzugreifen. Denn Wasserverschmutzung ist keineswegs nur ein Problem der Entwicklungsländer.

wasser agua water

Wasser wird als Ursprung des Lebens gesehen. Es gibt kaum Stoffwechselvorgänge, die ohne das Medium Wasser auskommen. Wasser spielt bei allen ökologischen Elementarprozessen eine entscheidende Rolle. Über 70% der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Der menschliche Körper hat einen Wasser-Anteil von mehr als 70%. Kurz, Wasser ist elementar für uns, Wasserverschmutzung mit zunehmender Aktivität durch den Menschen konsequenterweise auch.

Ein Sauerstoffatom und 2 Wasserstoffatome sind ein Wassermolekül. Dieses Molekül hat sehr interessante Eigenschaften. Aber es geht nicht um die Eigenschaften von einem Wassermolekül, die sicher notwendig sind, sondern um Emergenz. Auch wenn die Wasserverschmutzung auf molekularer Ebene am nachhaltigsten wirkt. Erst sehr viele Wassermoleküle zusammen lassen Eigenschaften auftreten, wie wir sie normal wahrnehmen, z.B. Oberflächenspannung. Alles was wir sehen sind emergente Phänomene, auch wir.

Emergenz ist das Auftreten nicht vorhersagbarer Eigenschaften, Strukturen oder Entitäten von zusammengeführten Elementen einer Menge oder verschiedenen Mengen zu einem Ganzen. Evolution führt dabei über verschiedene, durch physikalische Beschränkungen geführte, Organisationsprozesse zu immer komplexeren Phänomen wie dem heutigen Zustand der Erde. Persönliche Dummheit und Gier führen zusammen mit kognitiv-kapazitiver Beschränkung des Einzelnen zu den emergenten, scheinbar nicht durch uns als Kollektiv lösbaren, komplexen Problemen. Kollektive Probleme erscheinen uns daher oft als nicht nachvollziehbar willkürlich, beruhen aber auf unseren Organisationsstrukturen. Denn unsere Infrastruktur beruht vornehmlich auf Kontext bezogenem und damit limitiertem Erfahrungswissen des Einzelnen, abgesehen von den uns ernährenden photohydroautotrophen Organismen. Jeder arbeitet mit Erfahrungswissen, deshalb sind Experten gefragter als Generalisten. Und da wir vorwiegend mit Erfahrungswissen arbeiten, unser Unwissen über unsere Umgebung ist immer größer, müssen emergente Eigenschaften und Strukturen von belastetem Wasser trans- und interdisziplinär aufgeklärt werden. Klar kann man sagen, ein paar werden die Verseuchung überleben, selbst wenn wir den ganzen Planeten bis auf Molekülebene kontaminieren, was derzeit auch tatsächlich passiert. Aber wie die Chancen stehen, dass Sie oder Ihre lieben Nachkommen dabei sein werden…? Ich weiß es nicht. Wasserverschmutzung sollte aber nicht zum Standard gehören. Und schick ist Wasserverschmutzung auch nicht. Warum Wasser so stark kontaminiert wird erfährt man in Teil 2.

Bilder: Greendelicious/Aveda


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