Cover Brodde

Auf der An- bzw. Abreise zur Fashion Week habe ich Zeit gefunden, ein lange auf dem Regal wartendes Buch zu lesen. Knapp 250 Seiten lang bekommt man den vollen ökologischen Impact von Frau Brodde, den wir der Umwelt durch unsere Kleidung so bieten. Die Autorin weiß, worüber sie schreibt. Jahrelang arbeitete sie bei Greenpeace, genauer als Redakteurin des Magazins und führt einen Blog, der sich nicht nur mit grüner Mode befasst. Zwangsläufig hat sie viele Reisen in Billiglohnländer unternommen und kennt unsere schmutzige Wäsche.

Frau Brodde hält es kurz und handelt trotzdem alle wichtigen Aspekte ab: Marketinganekdoten über Greenwashing der Mode- und Textilindustrie, Beispiele aus der deutschen Designerszene, die sich am ökologischen Fußabdruck orientiert oder dreckige Massenwarenproduzenten bekommen fundiert ihr Fett weg. Klimaeinflüsse durch die Produktion und moderne Sklavenarbeit werden angesprochen und wie Pestizide lokal ökologischen Kreisläufe schaden. Frau Brodde erläutert zudem die besseren Rohstoffalternativen wie z.B. GOTS zertifizierte Baumwolle und andere Naturfasern, berührt durch die Textilfarben REACH und plädiert, für mich eine Überraschung, für bestimmte Kunstfasern. Das halte ich nur für eine Übergangslösung, aber für sinnvoll, denn Kunstfasern haben wir reichlich zur Verfügung, und wie wir sie wieder sauber aus unseren Kreisläufen bekommen, wissen wir in der Anwendung noch nicht bzw. es fehlen Methoden und Gelder, abgesehen vom politischen Willen. Am Ende eines jeden Kapitels von „Saubere Sachen“ gibt es eine kleine Anleitung für eine sauberere Welt bzw. wie offensivere Charaktere die Welt verbessern können. Didaktisch sehr wertvoll poppt am Ende des Buches ein Servicekapitel auf, wie wir wieder mit einfacheren und oft kostengünstigeren Handlungsalternativen leben können oder gefundene Nadelöhre für hedonistische Enthaltsamkeit oder Entschleunigung aufweiten könnten. Jede Menge Links ökobewusster Hersteller bzw. Ratgeber zum Thema Mode sind im Anhang aufgeführt, außerdem ein paar interessante Geschäfte in Deutschland, die zum Einkaufen provozieren. Obwohl das Buch von 2009 ist, habe ich viele Fragestellungen und Problematiken auf der Ethical Fashion Show und dem Green Showroom wieder erkannt, möchte aber bei aller möglichen Kritik wie die Autorin auch und viele andere auf den Reformcharakter der ökologischen Umwälzungen hinweisen. Alles geht leider nur Schritt für Schritt und es passiert eine Menge. Ungeduldig werde ich dessen ungeachtet und habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich Ausstellern die Prozessabläufe und problematischen Inhaltsstoffe aus dem Garn kaue. Aber ich möchte natürlich wissen, was funktioniert schon und was nicht. Einige gehen es offensiv an, was mir persönlich lieber ist, andere drucksen herum und weisen tatsächlich darauf hin, dass sie nur Händler, Verkäufer bzw. Marketingleute sind. Mir ist das manchmal peinlich. Dennoch sind die meisten aufgeschlossen und offen für Kritik. Ich finde das Buch von Frau Brodde sehr gut, denn sie durchleuchtet die Branche vertikal und horizontal, schreibt über Start-ups sowie Global Player und ist konstruktiv dabei. Deshalb hoffe ich, dass bald noch mehr Leute Bücher wie dieses von Kirsten Brodde lesen und entsprechend handeln. Wobei ich davon ausgehe, dass die Herren der Schöpfung sich von den Ladys einiges abschauen. Frauen haben nämlich von Natur aus kognitiv eine höhere Detailauflösung und sind somit der Realität gegenüber oft breiter aufgestellt ;). Also kaufen oder ausleihen, wenn die Gelegenheit besteht. „Saubere Sachen“ kostet neu ca. 17 Euro.

Bild: PR/Ludwig Buchverlag


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