In letzter Zeit habe ich mich wieder viel mit Biodiversität und der Wirtschaft beschäftigt. Da wir ja so erfolgreich als Spezies prosperieren, durch massive Reduktion zahlreicher anderer in der Evolution bisher erfolgreiche Spezies, kommen mir natürlich immer wieder Fragen zur rechtlichen Stellung von Lebewesen. Vor Kurzem in einem Thread habe ich mich dann auch als Troll verhalten und Vegetarier geärgert mit dem Postulat, dass wir Pflanzen verstärkt Stress aussetzen, also die Pflanzen sich in unserer städtischen Umgebung durchsetzen, die besonders gut mit diesem Stress fertig werden.

Was wäre, so meine Frage an die Administratorin, die den Thread generierte, wenn diese Pflanzen auf dem Balkon, die Bäume auf der Straße und der kleine Garten unten von Omma Vergissmeinnicht exzessiv Abwehrhormone allein und untereinander austauschen und sich gegenseitig zu neuen Höchstleistungen treiben, ob nun intraspezifisch und interspezifisch, um zu überleben im urbanen Dschungel. Hilft das unseren Allergien auf die Sprünge, zusammen mit den Umweltgiften, die wir in die Umgebung pumpen?

Leider kam dann nur der Glaube eines Vegetariers. Ich wurde auch nicht entfernt, aber die Argumentation glitt dann ins Religiöse ab, sinngemäß: ich lasse mir mein Engagement nicht kaputtreden und ich war nicht mehr interessiert. Obwohl es Neurobiologen gibt, die Religiosität als elementar für unser Dasein betrachten, z.B. nehmen wir Axiome eines beliebigen Regelwerks als gegeben hin, um auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen. Was uns natürlich zu der wichtigen Frage führt, auf was für eine ökologische Logik können wir hoffen. Abgesehen davon esse ich auch nur wenig Fleisch und das beste Argument ist einfach eine Reduktion der Trophiestufen in der Nahrungskette. Denn je weniger Fleisch man ist, desto weniger Flächen, Wasser, Antibiotika usw. verbrauchen wir. Thermodynamisch kann man sich nicht mehr herausreden. Informationstheoretisch auch nicht, bekanntlich ist gewonnene Information Änderung der Entropie. Aber wir sind auch Omnivoren und Monokulturen sind auch keine Lösung.

Wenn wir Biodiversität auf aktueller rechtlicher Ebene betrachten, möchten wir sicher einzelne Arten, Artengemeinschaften, Biotope, also die Habitate, in denen die Artengemeinschaften wirken, unter Schutz stellen. Okay, wir vielleicht nicht, aber ich schon. Was ist aber, wenn wir Primaten Menschenrechte einräumen, mit fortschreitender Forschung, dann Mammalia, also Säugetiere inkludieren, mit fortschreitender Forschung, dann Vögel. Mit fortschreitender Forschung und genutzter Neurotechnologie 4-dimensionale Räume begreifen können oder ökologische Mandelbrotmengen finden und dabei die Botenstoffe zwischen Arten kausal in ökologischen Netzwerken verknüpfen und infolge Wirkungsquerschnitte über verschiedene Fragestellungen erstellen können, die uns bisher verborgen bleiben.

Werden wir dann ganze Lebensgemeinschaften als kognitiv anerkennen und damit unter dem Eindruck nur Teil eines Informations- und Materienetzes zu sein, zurückkehren aus den doch primitiv verknüpften virtuellen Räumen unserer und künftiger Zeit und uns nur noch mit Teilrechten gegenüber anderen Lebensformen ausstatten. Vielleicht ähnlich der Gaja-Hypopthese von James Lovelock, bekannter durch Lynn Margulis. Denn eine Backendprogrammierung wie die in den Genen verankerte Evolution bekommen wir niemals hin.

Ist dann eine Rechtsprechung möglich, die auf Harsanyis Gleichwahrscheinlichkeitsmodell beruht? Das Gleichwahrscheinlichkeitsmodell basiert auf der Prämisse, was wir uns als bewusste Menschen/Lebewesen für alle gültige Rechte geben, wenn wir nicht wüssten, was wir im nächsten Leben sind. Also unabhängig davon, wer wir oder andere uns Vorteile verschaffende Personen, etwa Eltern, Bekannte oder Verwandte, dann sind. Wir wissen auch nichts über unsere Gene. Eine soziale Tabula rasa der Möglichkeiten als Gedankenexperiment, ohne vererbte, nicht zum Körper gehörende Materie in Form von beispielsweise Immobilien oder Konten, nur die blanken Gene und eine hoffentlich halbwegs intakte Umwelt.

Klar ist das sehr abstrakt. Aber wenn man den Hinduismus, den Buddhismus oder animistische Religionen betrachtet, die den belebten Dingen um uns herum einen anderen Wert geben, zumindest ursprünglich, als wir hier in Europa und ohne die folgende Kolonialgeschichte im Rucksack. Würden wir dann für jeden Menschen oder jedes Säugetier die gleichen Rechte einräumen. Ist dann der Rechtsbegriff eine Einschränkung unserer Freiheit, nicht im Sinne von Rawl, der von einem theoretischen Veto eines einzelnen Menschen gegenüber der gesamten Weltbevölkerung ausgeht. Das ist schlicht und vereinfacht der American way of Life, liberaler und technologisch auf die Spitze gedacht sogar Gotteswahn, und leider ökologischer Unsinn zumindest auf der Erde, und eher historisch bedingte Nachwehen religiöser Ereiferer, die einen Gott brauchen, letztendlich sich selbst als Gott zu prophezeien. Das Individuum darf alles, wenn es sich durchsetzen kann. Was uns natürlich auf die aktuelle politische und/oder finanzielle Machtkumulation zurückführt und später in der Zukunft zurückzuführen ist. Und derzeit läuft es darauf zu.

Nach Harsanyi wären unsere Möglichkeiten dann wie folgt definiert: Da sein Gleichwahrscheinlichkeitsmodell von dem höchsten Durchschnittsnutzen für jeden Bürger ausgeht, würden wir mal bei den Bürgern dieser Erde bleiben und ich erweitere nicht auf andere Spezies. Denn wir können nicht wissen wie in anderen Lebewesen Wahrnehmungssprozesse selbstreferenziell ablaufen, egal, mit welchen kognitiven Fähigkeiten sie ausgestattet sind. Trotzdem möchte ich die Möglichkeit andeuten, dass sie auch nicht gegen evolutionär gleiche Chancen wären, denn warum sollten sie sich benachteiligen wollen. Nach Harsanyi könnte man ein CO2-Kontingent auf jeden Erdenbürger übertragen. Sagen wir er dürfte x Tonnen pro Jahr verbrauchen. Geld in der heutigen Form würde in Tonnenäquivalente übersetzt und überschüssiges Geld würde von den Menschen auf andere Lebewesen übertragen. Das ergäbe dann den gesamten Wert der anderen Lebewesen plus einem Wert Y, der Komplexität inkludiert. Und wäre der Status quo für die Zukunft, ein paar Anpassungen inbegriffen. Ich halte das Gleichwahrscheinlichkeitsmodell für eine sehr interessante Option eine realere und ökologischere Form der Demokratie zu begründen. Auch müssen die Werte nicht wie aktuell so beliebt liquidierbare sein.

Viele haben angeblich Angst vor der Ökodiktatur bzw. es wird uns weisgemacht, dass wir Angst davor haben müssten. Aber was passiert alternativ? Wir werden eine Diktatur haben, derjenigen, die wie jetzt schon, größtenteils machen, was sie wollen, ob nun mit anderen Menschen, Unternehmen oder Staaten, technologisch kontrolliert.  Und je größer der technische Fortschritt, umso mächtiger wird diese Schicht. Sind die ethischen Vorstellungen dieser so genannten Eliten, implementiert in unsere Rechtssysteme, keine Diktatur?


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