1974 warnten die Physikochemiker Mario J. Molina und Frank Sherwood Rowland davor, weiter schwer abbaubare FCKW in die Atmosphäre zu entlassen. Denn die Konzentration des Ozons nimmt katalysiert durch die FCKW ab. Das Ozonloch hatte niemand vorausgesehen. Zusammen mit Paul Crutzen gab es den Nobelpreis für Chemie 1995 für die Aufklärung des Mechanismus der Entstehung des Ozonlochs. Das Ozonloch liegt über der Antarktis und die Antarktis ist uns nicht wert geschützt zu werden, wie einige jüngst beschlossen haben.

1987 hatte die Staatengemeinschaft begriffen, dass etwas getan werden musste. Das Montrealer Protokoll wurde am 16. September 1987 von den Vertragsparteien des Wiener Übereinkommens zum Schutz der Ozonschicht angenommen. Am 1. Januar 1989 trat es in Kraft. Die Staaten bekennen sich dort zu ihrer Verpflichtung, „geeignete Maßnahmen zu treffen, um die menschliche Gesundheit und die Umwelt vor schädlichen Auswirkungen zu schützen, die durch menschliche Tätigkeiten, welche die Ozonschicht verändern, wahrscheinlich verändern, verursacht werden oder wahrscheinlich verursacht werden“.

Wahnsinn, wenn jedem Erdenbürger Melanome oder eine andere Form von Hautkrebs drohen, dann schaffen wir es tatsächlich unser Umweltrecht zu verbessern und strengen uns an, die Dummheiten der Vergangenheit zu vermeiden. Prinzipiell werden Halogenkohlenwasserstoffe im Abkommen behandelt. Die Staaten, die unterzeichnet haben, verpflichten sich zur Reduzierung und schließlich zur vollständigen Abschaffung der Emission von chlor- und bromhaltigen Chemikalien, die stratosphärisches Ozon zerstören. Das Problem, einige bleiben mehrere Tausend Jahre dort oben.

Das finde ich großartig. Die Ozonschicht schließt sich langsam wieder. Zumindest sagt uns das unser State of the Art. Negativ ist, dass die meisten Halogenkohlenwasserstoffe bzw. komplett teilhalogenierten FCKW erst ab 2025 nicht mehr produziert werden dürfen. Aber immerhin haben wir es geschafft unsere Kühlgeräte bzw. die betreffende Technologie so technisch zu verändern, dass immer weniger FCKW in die Atmosphäre gelangen. Mittlerweile hat man herausgefunden, dass auch Lachgas (Distickstoffoxid) zum Abbau von Ozon beiträgt. Lachgas entsteht in hohen Mengen dort, wo intensiv Landwirtschaft, vor allem mit hoher Überdüngung der Böden betrieben wird. Dann schaffen Stickstofffixierer es nicht mehr, den Stickstoff im Boden zu halten.

Das Montrealer Protokoll beruht auf dem Vorsorgeprinzip. Es ist ein zentraler Bestandteil der aktuellen Umweltpolitik und Gesundheitspolitik in Europa, nach dem Belastungen bzw. Schäden für die Umwelt bzw. die menschliche Gesundheit im Voraus vermieden oder weitestgehend verringert werden sollen. Und ein besonders wichtiger Zusatz für renitente Gegner, die gerne mal ökologische Probleme wegreden, „…trotz unvollständiger Wissensbasis“. Denn dass ist immer wieder das Argument in Debatten, ob es überhaupt erwiesen ist, dass bestimmte wirtschaftliche Aktivitäten der Umwelt schaden.

Erzeugen Bohrer Löcher? Kein Mensch wundert sich, wenn er den Daumen mit dem Hammer trifft, dass es schmerzt. Aber wenn wir Löcher in die Erde bohren für Fracking oder Geothermie oder zur Abfallentsorgung wundern sich alle, warum da Schäden auftreten können bzw. im Zuge der glorreichen Arbeit auftreten. Und derartige Technologien ignorieren oft das Vorsorgeprinzip.
Wenn nun Schäden auftreten, dann wird nach dem Verursacherprinzip vorgegangen. Der Verursacher hat die Schäden zu beseitigen. Wenn der Verursacher nicht mehr gefunden werden kann oder rechtlich nicht angreifbar ist, dann tritt das Gemeinlastprinzip in Kraft. Dann muss die Gesellschaft dafür aufkommen und natürlich die Umwelt bzw. Natur.

Nun wurde im Juli in Deutschland in Bremerhaven verhandelt, ob wir denn das Rossmeer, ein ca. 2,3 Millionen Quadratkilometer großes Gebiet in der Antarktis schützen wollen, davon 1,6 Millionen Quadratkilometer Totalschutz, was bedeutet, dass dort gar keine Nutzung stattfindet. Das wäre das größte marine Schutzgebiet der Erde. Schon Ende 2012 hat man darüber gestritten. Leider wie auch jetzt mit negativem Ergebnis. Russland, China und die Ukraine waren die stärksten Gegner für den Erfolg. Russland stellte die Berechtigung der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) zum Einrichten von Schutzgebieten infrage. Und die Beschlussfassung muss einstimmig sein. Das Rossmeer ist von Menschen relativ unbeeinflusst. Viele Ökosystemforscher halten es für eine erstklassige Referenz, um Phänomene ganzheitlich zu erforschen, abgesehen von der Schönheit, die auch ohne Nahrungsmittelgewinnung oder Rohstoffabbau für uns sehr hilfreich ist. Im Rossmeer sind intakte Funktionen der einzelnen Populationen von Biota in Artengemeinschaften mit hoher Interdependenz gut zu beobachten und analog bzw. angepasst kann man Schlüsse für schon verschmutzte oder stark geschädigte Gebiete ziehen, um diese wieder in einen halbwegs funktionalen Zustand zu versetzen oder um zu erkennen, wo wir vielleicht noch weniger nutzen dürfen.

Warum sträuben sich Staaten dagegen, das Rossmeer unter Naturschutz zu stellen? Komisch, schon 1959 wurde beschlossen die Antarktis nur für friedliche Forschungszwecke zu nutzen, militärische Übungen und Operationen sind ebenso untersagt wie der Abbau von Bodenschätzen. Die Antarktis ist seit 1991 für 50 Jahre von jeglicher ökonomischen Nutzung ausgenommen, der alte Vertrag lief dreißig Jahre, in Kraft getreten ist er 1961. 22 Jahre später, nach Abschluss des Folgevertrages fangen die Staaten an, sich um eventuelle Ressourcen in den angrenzenden Meeren zu streiten.

Der Kampf hat also begonnen, um die Ressourcen der Antarktis, abgesehen von der Waljagd, der Überfischung und der illegalen Fischerei im Südpolarmeer. Die geschätzten Vorkommen unter der durchschnittlich 1,7 km dicken Eisschicht in der Antarktis sind ca. 45 Mrd. Barrel Erdöl, ca. 115 Billionen m³ Erdgas, Titan, Chrom, Eisen, Kupfer, Kohle sowie die Edelmetalle Platin und Gold. Aha, der Wind weht also von daher und nicht auf irgendeinem Zweifel an der Berechtigung der Kommission. Aber das weiß eigentlich jeder.

Das Problem ist, erst brauchen wir eine massive Klimaerwärmung, die vielleicht den Eispanzer der Antarktis schmelzen lässt, was nicht sicher ist, damit wir an die Rohstoffe kommen, von denen wir uns abhängig gemacht haben, um die dadurch verursachten Probleme mit der gleichen Einstellung zu beseitigen? Wollen wir nicht massive Klimaänderungen durch uns zukünftig verhindern? Dann bohren wir uns durch einen 1700 m starken Eispanzer mit Kerosin und Freon, um die Bohrlöcher frei zu halten und kontaminieren nicht nur den Eispanzer, sondern durch den Abbau wahrscheinlich auch die ursprünglichsten subglazialen Seen und damit extremophile Ökosysteme der Erde unter dem Eis. Man hat nämlich bei Bohrungen, natürlich alle rein wissenschaftlich, deutliche Hinweise auf Lebensformen in den Seen gefunden. Das ist die ökologische Katze Schrödingers, vorerst, ein Bohrloch wurde 130 m über dem Wostok-See gestoppt, dem größten subglazialen See. Wir können manche, eigentlich die meisten biosphärischen Systeme nicht erforschen, ohne sie zu verschmutzen. Wenn wir uns mal als Schmutz sehen, mit all unseren Aktivitäten. Andererseits was wir nicht wissen, ist vielleicht nicht schützenswert? Wir wollen uns durch einen Eispanzer bohren, der sich permanent bewegt, und versuchen unter diesen Umständen die Ressourcen abzubauen? Um derartige Ressourcen kosteneffizient abzubauen, muss man Umweltschäden in Kauf nehmen.

Und wer sagt eigentlich, dass die Antarktis intakt nicht ein notwendiges Element zum Schutz unserer Atmosphäre darstellt? Bekanntlich liegt das Ozonloch über der Antarktis. Wie gesagt, das Vorsorgeprinzip gilt ohne Gewissheit.


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