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Ankunft in Friedrichshafen am 15.08.2013

Seit etwas mehr als eine Woche bin ich wieder in Hamburg, nach 33 Tagen, über 25.000 Höhenmetern aufwärts zu Fuß und per Fahrrad. Mit dem Fahrrad habe ich weniger als gedacht zurückgelegt, so um die 600 km. Aber dafür bin ich auch im Bergwaldprojekt und auf der Alm am Wörndle Loch unterwegs gewesen. Technisch gesehen hätte ich gern immer jeden Abend etwas gepostet, dann wäre aber mein Gepäck umfangreicher gewesen und ich hätte noch eine Menge Zeugs wie Ersatzakku oder Solarladegerät kaufen müssen. Ortswechsel wären zusätzlich notwendig gewesen, um hinreichend Bandbreite für Uploads zu bekommen. Da ich aber etwas grüner unterwegs sein möchte, habe ich mich entschieden, im Nachhinein zu berichten.

Los ging es mit meinem Alpentrip nach Friedrichshafen am 15.08. in Hamburg mit der Deutschen Bahn. Gekostet hat mich die Fahrt dorthin 84,25 Euro, da ich relativ spät gebucht habe und mein Fahrrad nach langem Hin und Her doch dabei haben wollte. Schließlich muss man den Kauf eines MTB auch mal im Gebirge rechtfertigen und eines meiner Laster ist nunmal das Verfolgen des viel gescholtenen Profiradsportes. Also muss ich auch mal in den Bergen meine Kletterqualitäten auf dem Rad testen. Mein Rucksack war etwa 24 kg schwer. Ich war schlauer als letztes Jahr im Harz als ich viel zu lesen mit dabei hatte, und ca. 29 kg durch den Harzer Nationalpark auf den Brocken geschleppt habe. Ungewöhnliche Kombination haben ein paar Leute zu mir heuer gesagt. Entweder läuft man als Backpacker (Reiserucksacktourist) oder fährt als Tourist mit dem Reiserad durch die Lande.

In Friedrichshafen stand ich vor der Entscheidung, mit dem Nahverkehr weiterzufahren oder auf dem Rad nach Bregenz am Bodensee zu fahren. Da ich seit 04.42 Uhr im Zug gesessen hatte und etwas Energie loswerden wollte, zumal die Sonne schien, habe ich mich aufs Fahrrad gemüht mit dem Rucksack und bin nach Bregenz gefahren. Das ging relativ gut ohne größere Pausen. Denn fit in meinem Alpentrip bin ich gestartet, also hatten Rückenschmerzen vorerst keine Chance. Leider schreibt mein GPS die Daten weiter, hat aber durch den Providerwechsel an der Grenze zu Österreich auf der Karte aufgehört, den Alpentrip anzuzeigen.

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1. Etappe Friedrichshafen Bregenz, grenzüberschreitend versagen Provider und Technik.

Einmal habe ich einen Schlenker in eine Apfelplantage gemacht und mich vorwiegend durch Nachfragen orientiert. Der Bodensee ist jedoch von einem guten Radwegenetz umgeben und daher unproblematisch zu erkunden. Da ich mitten in der Saison unterwegs gewesen bin, ist der Weg am Ufer an der Ostseite des Sees ziemlich stark befahren worden. Schön wurde es erst in Bregenz an der Uferpromenade. Ich habe schnell den geplanten Campingplatz aufgesucht und mein Zelt aufgestellt. Der Campingplatz „Seecamping Bregenz“ ist mittelprächtig. Mir persönlich sind zu viele Wohnmobile und Wohnwagen unterwegs in den Alpen, auch auf dem dem Seecampingplatz war es so. Wenn man den Zeltplatz aber nur zum Schlafen nutzt, ist es in Ordnung. Die sanitären Anlagen sind okay, könnten aber öfter gereinigt werden. Für 15,50 Euro die Nacht darf ich das erwarten, für ein Einmannzelt und ein Fahrrad. Im Übrigen war ich überrascht von der Kreativität, die Zeltplatzinhaber an den Tag legen, um an Geld zu kommen. Da gibt es Umweltpauschalen, Strompauschalen, Kurtaxen und was mich auch gewundert hat, man rechnet die Person pro Nacht und dann noch einmal das Zelt pro Nacht. Ohne Mühe hätte ich auf einigen Zeltplätzen, das gilt nicht nur für Österreich, locker 25 Euro zahlen können, wenn ich nicht vorher recherchiert hätte. Jetzt habe ich vergessen zu fragen, ob man auch nur als Person mit dem Schlafsack dort zahlen darf. Wenn man dann noch für ein Auto oder ein Wohnmobil zahlen muss, kann man auch fast wieder ein Hotel buchen.

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Besser als der Campingplatz nebenan, Seecamping Bregenz,aber schön ist anders. Gartenzwerge habe ich keine gesehen.

Bregenz selbst ist vor allem am Abend und nachts charmant, vielleicht weil ich gerne in Sommernächten mit dem Rad unterwegs bin und die Stadt die taghellen hässlichen Details versteckt und/oder ich einfach abends zufriedener mit mir bin. Tagsüber findet man auch viele unschöne Stadtteile, die geschickt zu vermeiden sind, indem man den grünen Pfaden und Wanderwegen folgt oder im Uferbereich der touristischen Infrastruktur treu bleibt. Ich halte es in so einer Umgebung maximal 3 Tage aus, dann langweilt mich der ganze touristische Schick. Zu der Zeit gab es die Festspiele, die wohl in jeder größeren Stadt in landschaftlich reizvoller und verkehrstechnisch gut erschlossenen Gebieten üblich sind. Obwohl ich Mozart nicht abgeneigt bin und die dort aufgeführte „Zauberflöte“ ein schönes Stück ist, bin ich auf meinem Alpentrip am 17.08. nach Feldkirch, ebenfalls in Vorarlberg gelegen. Ich hatte keine Lust mit dem Rucksack noch mal 40 km zu radeln und bin mit der Bahn gefahren.

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Mozarts „Zauberflöte“ in Bregenz zu den Festspielen aufgeführt.

Feldkirch wirkt auf den ersten Blick nicht ganz so touristisch erschlossen wie Bregenz, hat eine hübsch hergerichtete Altstadt, die  inklusive Essen gut unterhalten kann. Mein Fokus liegt jedoch eher auf Bewegung während dem Alpentrip. Da im Schwimmbad am Zeltplatz eine Samstagnachmittagveranstaltung Entspannung für mich verunmöglichte, bin ich mit dem Rad nach Bludenz gefahren. Abgesehen von ein paar wirklich schönen Seen und einem Liebherr Werk mitten im Tal sind mir die vielen Maisfelder dort aufgefallen, wie auch schon um Bregenz. Bei Mais stößt mein grünes Horn sofort negative Töne aus, da Maisfelder biodiverse Wüsten darstellen. Leider begünstigen die Biogasanlagen Maisanbau, obwohl Resteverwertung wesentlich sinnvoller ist, während Mais viel Wasser und Dünger braucht. Durch die Subventionen entstehen mehr Biogasanlagen als durch die reine Resteverwertung anfallen würde bzw. unsere derzeitige Infrastruktur leisten kann, also finden sich auch schnell Bauern, die entsprechend Mais anbauen. In Österreich war es auch nicht so extrem wie in der Hessischen Rhön letztes Jahr, aber auffällig allemal.

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Mais ist ja seit Mitte letzten Jahrzehnts für Biogasanlagenbetreiber auf dem Vormarsch, leider auch hier. Hauptsächliche Argumente sind Energieunabhängigkeit und Subventionen.

Waldcamping Feldkirch ist etwas übertrieben, denn von einer Seite hat man ein Schwimmbad, von der anderen einen Fußballplatz bzw. Sportplätze und der Wald ist stark gelichtet. Aber ich fand ihn grüner als den in Bregenz. Der Campingplatz ist gut für Kinder geeignet und die Anlagen waren sehr gepflegt. Beim nächsten Mal werde ich trotzdem bevorzugt nach Zeltplätzen Ausschau halten, schließlich möchte ich Kontakt zur Natur und kein mobiles Wohnzimmer. Freundlicherweise bekam ich aber immer von Leuten mit Campingmobil meinen Akkustrom, da oft keine Steckdosen auf den Zeltplätzen zur Verfügung stehen, es denn man möchte auf den Sanitäranlagen verweilen oder die Moral der Mitmenschen testen. Andere Option sind wild zelten bzw. in Heuschuppen schlafen, wie es eine Dame aus der Schweiz macht, der ich auf einer Zugfahrt begegnete und die mit dem Fahrrad Richtung Italien reiste. Wo oder wie sie sich wäscht, auf ihrem Alpentrip, wäre allerdings meine Frage. Und ob die Bauern sie dafür lieben, eine andere. Von Feldkirch bin ich morgens mit der Bahn nach Schaan in Liechtenstein gefahren. Das dortige Projekt im Bergwald sollte mein erster Höhepunkt auf meinem Alpentrip werden.


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