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Für einen Fahrradrucksack etwas zu schwer.

Mein pedalometrischer Einstand in Südtirol war durchwachsen. Abgesehen davon, dass ich das Vergnügen hatte, auf der Zugfahrt von Innsbruck nach Bozen einem Fahrradverrückten aus Wien zu begegnen, namentlich Martin, der vorhatte in 6 Tagen über 10.000 Höhenmeter runterzureißen, antwortete mir ein Busfahrer mit verspiegelter Sonnenbrille und festgeeistem Gesäß mitten im Sommer mit der Aussage auf meine Frage, dass er mein Fahrrad nicht mitnehmen kann. Den Hinweis mit dem Gepäckfach konterte er gelassen, dass das Fahrrad dort nicht hineinpasse. Vielleicht wollte er sich auch lieber mit der blonden, jungen Kollegin unterhalten, vielleicht …

… war das aber auch ungeschickt von ihm, denn ich hatte zwei Kollegen gefragt, ob es möglich ist, mein Fahrrad im Bus mitzunehmen, da ich ca. 24 kg Gepäck auf dem Rücken hatte. Die zwei anderen Busfahrer haben gesagt, kein Problem, im Gepäckteil würde es gehen, vielleicht müsse ich das Vorderrad rausnehmen. Er (Dienst am 24.08.2013 gegen 16.00) hatte schlicht keine Lust seinen Allerwertesten zu bewegen. Ich war sauer und habe mich dann aufs Rad geschwungen und bin die ca. 10 km nach Saltaus im Passeiertal mit dem dicken Rucksack gefahren. Da ich den Weg nicht kannte und auch etwas angesäuert war, bin ich verkehrt gefahren und habe die Straße Richtung Kuens und Riffian genommen, die nicht komfortabel wie der Radweg am Fluss Passer moderat ansteigt, sonder etwas steiler. Das sind vielleicht 350 oder 400 Höhenmeter, also eigentlich nichts Gewaltiges, aber mit dem Big Pack auf dem Rücken auch nicht komfortabel. Als ich dann am Zielort ankam, stand er mit seinem Bus auch dort, ich habe ihm dann freundlich per Mimik zu verstehen gegeben,was ich von ihm halte und gehofft, dass er Lippen lesen kann.

Okay, ich hatte also noch eine Bewegungseinheit bekommen und mich auch gefreut, wie fit ich bin und vielleicht 5,50 Euro gespart. Aber ehrlich gesagt verstehe ich diesen Mann nicht. Schließlich lebt Südtirol zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil vom Tourismus. Die Touristen fahren mit Bussen. Die Touristen zahlen ein Entgelt, um von A nach B zu gelangen, und erfreuen sich an der grandiosen Landschaft und an den sehr freundlichen Leuten in Südtirol. Vielleicht ging es ihm auch nicht so gut und er hatte einen Haufen Probleme, den er gerade etwas reduzieren wollte. Aber er hat ebenso wenig Danke gesagt.

Ich kann mich nicht erinnern jemandem Ähnlichem in Südtirol begegnet zu sein und ein Ereignis macht noch keine Statistik. Einem anderen Südtiroler, dem ich den Vorfall erzählte, meinte, die Busfahrer wären sehr speziell und von ihrer Tagesform abhängig. Woraufhin mir der Mafiavergleich einfiel, da die Busfahrer oft dunkle Sonnenbrillen tragen, sicher zu Recht gegen die Sonne. Auch könnte es sein, dass die Busfahrer Geld waschen und nicht so auf die Peanuts von den Touristen angewiesen sind. Dieser Vergleich ist natürlich genauso unsinnig wie die Bequemlichkeit des Busfahrers als Ausrede zu suchen, da er gut zu Fuß war und beide Arme frei bewegen konnte.  Also wäre es unproblematisch gewesen, mit mir einen Kompromiss zu finden.

Mir fiel aber ein anderes Problem auf, die meisten Busse sind eher ohne Möglichkeit ein Fahrrad zu transportieren, zumindest wenn der Busfahrer das Gepäckabteil nicht öffnet. So ist es schwierig mit dem Rad, wenn es denn kein Reiserad ist, von A nach B zu kommen. Da ich aber gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreise, ist es manchmal schwierig mit dem Rad und normalem Reisegepäck an bestimmte Zielorte zu gelangen.

Nun muss man dazu sagen, dass Südtirol sich alle Mühe gibt, dem Touristen Transportmöglichkeiten zu bieten. Ob nun per Nahverkehr mit Bus und Bahn oder mit Leihrädern, die man sich an Bahnstationen sowie bestimmten Plätzen ausleihen und woanders wieder abgeben kann. Es gibt die Mobilcard, die Bikemobil Card und die Museumobil Card, die man für 1, 3 oder 7 Tage erwerben kann. Darin enthalten sind mit Einschränkungen je nach Karte Regionalzüge in Südtirol, Nahverkehrsbusse, bestimmte Seilbahnen, Trambahn und Standseilbahn sowie z.B. bestimmte Postautoverbindungen in die Schweiz. Leider darf man die Leihräder nicht in Bus oder Bahn mitnehmen, was sich zumindest beim Busfahren auch von den Stell- bzw. Gepäckplätzen widerspiegelt.

Trotzdem ist Südtirol verkehrstechnisch gut erschlossen und problemlos mit dem Fahrrad bereisbar. Bei bestimmten Nebentälern sollte man sich allerdings vorher erkundigen, wie man mit dem Rad dorthin gelangt, wenn man die notwendigen Höhenmeter vermeiden oder die Straßen nicht befahren möchte. Nächstes Mal weiß ich zumindest Bescheid und besorge mir einen Reisegepäckanhänger und fahre eben mit dem Rad nach Südtirol und dort umher.

Denn auch die DB- bzw. die EC-Züge lassen an Kapazitäten zu wünschen übrig. Im EC gibt es pro Waggon zwei Stellplätze und die sind meist mit Gepäck zugestellt, von Reisenden, die zu faul oder zu gehandicapt ihre Packstücke auf die Gepäckablage über den Sitzen zu hieven. Vermeiden kann man das nur, indem man früh morgens oder spät abends fährt und möglichst nicht an Wochenenden oder Feiertagen. Frühbucher sind auch klar im Vorteil, ich gebe zu, ich war etwas spät dran bei meiner Buchung und habe mich spontan entschieden, nicht auf mein geliebtes Fahrrad zu verzichten.Am Besten ist es mindestens 3 Monate im Voraus zu buchen, dann klappt es problemlos. Wenn ich allerdings dann einen fast leeren Zug auf einem nicht unerheblichen Teil der Strecke von Feldkirch nach Innsbruck in Österreich sehe und nur zwei Fahrradstellplätze je Waggon, frage ich mich schon, ob die Auslastung mit Fahrgästen ohne Rad wirklich kostengünstiger ist. Zur Not mit Geduld kann man auch statt EC oder anderen Fernverkehrszüge zu nutzen mit Nahverkehrszügen reisen, die oft mehr Stellplätze für Fahrräder haben, zumindest in Österreich. Denn wer ein bisschen mehr radeln möchte, nimmt kein Leihrad, ob auf der Straße und schon gar nicht im Gelände. Wenn dann die Leute wieder mit dem Auto anreisen müssen, weil es eben nicht genug Fahrradstellplätze in den Zügen gibt, nutzt die beste Absicht nichts. Obwohl die meisten Menschen sicher mit einem Leihrad bestens bedient sind und keine sportlichen Ambitionen hegen. Aber vielleicht ist der Fahrradtransport ja auch nur mein persönliches Luxusproblem wie das Autofahren bei anderen auch;).

Alternativ habe ich noch folgende Transportmöglichkeiten gefunden, die Fahrräder samt Gepäck und Radfahrer an den gewünschten Startort bringen, z.B.:

taxi-fahrrad-transport

puschtrabus

www.radwegvinschgau.org

Die Preise bewegen in moderaten Spannen, leider ist nicht ganz Südtirol dadurch abgedeckt und als Soloradfahrer wird es so vielleicht teurer.

Wie in Hamburg stelle ich fest, dass die radelnden Leute auch in Südtirol zu bestimmten Zeiten aus den Nahverkehrszügen verbannt werden. Warum? Gerade diese Menschen entlasten den Straßenverkehr und werden dafür auch noch bestraft, indem sie ihre Eigenzeit noch stärker organisieren müssen und zeitlich sowie räumlich ausweichen sollen. Kein Autofahrer wird zeitlich für Straßen zu  Hauptverkehrszeiten begrenzt, aber Radfahrer? Aber ich kann und möchte auch nicht alles haben. Wo wäre da der Charme?

Diese Anbieter sind sicher eine Lösung, aber wenn man den Verkehr entlasten möchte, dann weiß ich nicht, ob ich zusätzlich Emissionen durch Kleintransporter in die Luft blasen möchte. Andererseits wird eine Zunahme an öffentlichen und privaten zugelassenen Anbietern wie Taxis, diverse Fahrradvehikel, E-Mobile, Busse usw., natürlich automatisch auch woanders erfolgen. Sobald man bestimmte Regionen oder Areale für den normalen Autoverkehr sperren würde, wie ich es mir immer für die Hamburger um die Binnenalster bzw. den Innenstadtkern wünsche. Das reduziert Lärm- und Staub- und Abgasemissionen, entschleunigt, schafft neue öffentliche Räume und Möglichkeiten, die nicht vom Verkehr blockiert sind und sogar neue Arbeitsplätze, die wegfallende kompensieren könnten. Und, wer ruhigen Pulses und entspannt einkauft verweilt vielleicht auch länger, um dem Einzelhandel mal ein Argument zu liefern. Dann kann eine gute Geschichte zum Produkt, in Ruhe erzählt, auch mal das Einkaufserlebnis und nicht den nur den Preis vermitteln. Die Immobilienqualität für Anwohner und die Arbeitsumfeldqualität für Werktätige steigen als Bonus obendrauf. Und fähige Menschen, die den Verkehr wieder an die Stadt und den normalen Gehrhythmus eines Durchschnittbürgers anpassen, sind mit Sicherheit als Dienstleister gefragt. Wenn man das Ganze auch für andere Stadtteile umsetzt, entlastet man sogar zu dicht belastete Punkte in der Infrastruktur und verteilt Lebensqualität über die gesamte Stadt Hamburg, auch ohne Gebirgswelt wie in Südtirol. Denn eines ist mir besonders aufgefallen in Meran, im Passeiertal, im Eisacktal und im Villnößtal, die Menschen sind dort ausgesprochen gut gelaunt, während ich hier in Hamburg im Alltag viele Griesgrämige sehe.


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