Vor „Kurzem“ erreichte mich folgende Mitteilung von Greenpeace: Hamburg, 26. April 2013. Auf der schwäbischen Alb hat Planet energy den Bau der bisher höchsten Windräder der Unternehmensgeschichte begonnen. Bis zur Flügelspitze ist so ein Windrad mit rund 200 Metern höher als der Kölner Dom und diese Giganten der Moderne treiben die Stromausbeute in neue Dimensionen. Will ich ein Windrad oder brauchen wir so etwas wie Windplantagen? Brauche ich grüne technologische Gigantomanie, die mit dem konventionellen Großmanierismus konkurriert? Nach dem Motto, unser ist grün und länger als Eurer, außerdem kann man ihn weithin sehen?

Nein. So Alb in Zukunft wieder für Albtraum stehe? Jenseits dies Orts voll Zorn und Tränen ragt auf der Alb der Schattenwelt mit gigantischen Flügeln, die die Seele beunruhigen und den Verstand flüchten lassen? Wozu braucht man Windräder auf der schwäbischen Alb? Damit auch Landschaften weithin fürs Auge unruhig wirken? Ich komme aus Mecklenburg/Vorpommern. Die Landschaft um mein Elternhaus ist mittlerweile von zwei Seiten mit Windgeneratoren bestückt. Mein Onkel hat mal gesagt, wozu soll ich in den Urlaub verreisen, wenn ich auf die mecklenburgische Landschaft sehe, dann erhole ich mich von alleine. Aber wenn ich jetzt durch MV fahre, kommt es mir manchmal so vor, als wenn ich mich in einem verkappten unterirdischen Industriepark befinde, indem gleich die Dreibeiner auftauchen und die Morlocks aus ihren Höhlen kommen. Ihr merkt schon, das Windrad als Windkraftanlage nervt mein Wohlbefinden. Und die Leute müssen nun in den Urlaub verreisen. Vielleicht ist das ja eine Weltverschwörung, damit die Leute aus den landschaftlich schönen und psychologisch erholsamen Gebieten die Globalisierung ankurbeln und verreisen. Vor ca. 7 Jahren hatte ich ultrakurzen Kontakt zu einem Windrad-Ingenieur von der Plambeck Neue Energien AG. Der sagte mir zynisch, die sind so blöd und lassen sich die ganze Landschaft zustellen. Die freuen sich, dass überhaupt mal was passiert. Er war halt ein Arschloch, hatte zu meinem Leidwesen jedoch einen potenziellen und eindeutig subjektiven Zeugen dabei und es war einfach zu hell im Raum.

Probleme gibt es beim Windradbau genug. Ob nun Dieselaggregate Windkraftanlagen in der Nordsee antreiben, damit diese nicht einrosten, solange kein Stromkabel zur Küste verlegt ist oder Vögel aufhören in der Nähe von Windgeneratoren zu nisten bzw. von einem Flügel eines Windrades erwischt werden oder die Bewegungsmuster sich verändern. Plötzlich können nun doch psychische Schäden bei Anwohnern auftreten und Horste von geschützten Vögeln werden schon mal geplündert, damit ein Hindernis für die Genehmigung der Windkraftanlagen entfällt. Kann aber auch sein, das mehr Rendite anfällt. Man stehle die Eier, verkaufe sie an kranke Sammler und investiere das Geld in Windkraftanlagen. Oder die Windausbeute wird schön gerechnet und Bauern ernten lieber Wind als bodenständige Nahrungsmittel. Wenige profitieren wiedermal statt aller und es werden Kahlflächen im Wald geschaffen, nach dem Motto, was nicht passt, wird passend gemacht, damit das Windrad auch reinpasst. Abgesehen von vielen seltsamen Standortanalysen, die so manche Kommune vom Windglück durch das Windrad träumen lassen und von einer Sanierung der desolaten Finanzen. Wieder nur eine Ursache verfehlter Landes- und Bundespolitik „strukturschwache“ Gegenden zu stärken. Aber dafür werden ja ordentlich Windgeneratoren Offshore aufgestellt, als Windrad, dass Wind macht, für wen auch immer.

Standorte wie Autobahnen oder alte Industrieparks werden nicht hinreichend berücksichtigt, obwohl dort kaum Menschen leben und die Aussicht so oder so im Ar… ist. Und es ist natürlich so, dass die Windausbeute für eine Analyse auch längerfristig gestestet werden müsste, bevor man ein Windrad reinstellt, aber wie soll das günstig funktionieren? Lieber wird direkt investiert oder man lässt investieren, damit die Pacht des Geländes endlich die maroden Bilanzen verbessert. Angst, dass man sich auf Jahre die Aussicht verschandelt und eine Geräuschkulisse einhandelt kommt nicht immer auf. Schließlich kann man sich ja Ohrenstöpsel kaufen und sich in eine andere Richtung drehen, um Ausschau zu halten, nach dem Windertrag.

Glaubt jemand allen Ernstes, dass 200 m hohe Windgeneratoren keinen Einfluss auf die Wanderbewegungen von Tieren haben? Dass der Lärm gesund ist? In Städten versucht man ja auch nicht den Lärm zu reduzieren, sonst wären ja die Sportwagen und Motorräder verboten, die sich nachts imaginäre Rennen in Hamburg liefern. Pennt die ASU oder der TÜV da? Die Leute meiden in der Freizeit ja auch kaum den Lärm. Es ist mithin kein Unterschied, ob man auf Windräder, Gebäude und Strommasten schaut statt auf grüne Landschaften, so monoton die Kulturen darauf auch sind. Oder wieso fahren die Leute ins Grüne, um sich zu erholen? Ich frage mich ernsthaft, wie blöd die Leute sind. Lärm ist gesund, habe ich neulich bei einem Verkaufsgespräch für Hörgeräte erfahren.

Wie entwickeln sich biologische Phänomene ohne menschlichen Einfluss? Kleinteilig und werden dann größer, wenn sie funktional sind im ökologischen Kontext. Wir stellen einfach mal ein paar große Systeme in die Landschaft und erwarten dann, dass sich der Rest anpasst, kollaterale Schäden all inclusive. Vielleicht sollten die Befürworter mal vier oder fünf Wochen in der Nähe von einem oder unter einem Windgenerator zelten und ihre Stresshormone auswerten lassen? Man kann ja nicht bestreiten, dass die Windkraft in bestimmten Regionen sinnvoll ist bzw. sinnvoll und gut integriert angewandt werden kann, aber muss man deswegen überall die Landschaft für eine kurzfristige und undurchdachte Subventionspolitik verschandeln?

Drehen und wenden kann man die Energieproblematik wie man will, aber Windgeneratoren bzw. überall ein Windrad hinzustellen, sind keine Lösung. Da braucht man gar nicht die hohen Pachten, verursacht durch falsche politische Voreinstellungen heranziehen. Erst wurde das EEG entschärft durch die falsche Behandlung der Zertifikate für die Emissionen und die Subventionen für die fossilen Energien werden totgeschwiegen, weil zu viele daran partizipieren finanziell. Hinzu kommt, dass findige Glücksritter, die mal mit Umweltschutz, Erhalt von Biosiversität oder Reduktion von Kohlendioxidemissionen mal gar nix am Hut haben. Warum ist das Windrad nun außerdem nicht die Ultima Ratio des EEG? Weil sie eben nicht ohne größere Probleme in die Landschaft integrierbar sind. Man stelle sich nur selbst die Frage, ob man über 100 m hohe Masten am Garten möchte und bei Wind rhythmische Geräusche, die sich nach Änderung der Windrichtung auch mal in der Tonhöhe ändern können. Die Politik hat da gründlich Mist gebaut und jetzt dürfen wir nach dem Wahlergebnis auf noch mehr hoffen. Als hätten wir nicht genug Probleme mit der Überdüngung.

Prinzipiell sind nur von der Sonne erzeugte Energien sinnvoll und damit meine ich Sonnenstrahlung und keine Druckgradientkräfte, die durch Massenausgleichsströme zwischen Hoch- und Tiefdruck aufkommen. Warum hat die Natur die Fotosynthese zur Energiegewinnung und als Lebensgrundlage geschaffen? Vermutlich, weil die Sonne ganz gut funktioniert. Ihre Strahlkraft nimmt zu. Warum hat die Evolution die Fotosynthese nicht als 200 m hohen Pfeiler aus Stahl geschaffen? Verquere Frage? Nein, denn wenn es sinnvoll wäre, zuerst große biologische Strukturen zu schaffen, hätte die Evolution dafür gesorgt. Bekanntlich waren zuerst Einzeller auf dem Planeten Erde vorhanden. Dann Vielzeller und die Natur (Ich benutze hier unorthodox Evolution mal synonym zum Begriff Natur.) hat viele Modelle ausprobiert. Bäume wachsen ja bekanntlich auch bis zu beträchtlichen Höhen heran. Ohne intelligentes Design haben sie sich mit den Boden- und hydrologischen Verhältnissen langfristig arrangiert, nutzen die Mineralien über die auf kleinem Raum ablaufende Fotosynthese in langjährigen Kreisläufen, ohne den Boden auszulaugen, geben sie zurück über abgeworfenes Material und sorgen so in Artenkollektiven für stabile, wenn auch schwankende Zyklen. Oft wird ja behauptet technische Wirkungsgrade seien höher als in biologischen Phänomenen.

Das mag auf den ersten Blick eines mittelgroßen raffgierigen Primaten so sein, aber die biologische Evolution internalisiert vollständig und langfristig, während wir einfach nur ceteris paribus bilanzieren, und wenn wir viel Glück haben funktioniert das sogar bei unseren anthropozentrisch-technologischen Vergleichen. Aber dem ist oft nicht einmal so. Die Gelehrten streiten, was in eine Ökobilanz gehört, dabei ist der Begriff Ökobilanz schon mal nicht integrativ prozessorientiert, obwohl es  verschiedene Arten der Ökobilanz gibt. Stoffstromanalysen helfen da oft aus, haben aber das Problem, dass sie im Moment trotzdem der Produktion weiteren Überflusses dienen. Außerdem wird es schwierig Informationen bezüglich der Vergangenheit in solche Berechnungen zu berücksichtigen, die Natur kann nicht anders. Leider müssen wir vorher länger nachdenken, um eine sinnvolle Entscheidung zu treffen. Jedoch entscheiden wir immer auf Basis des Treibstoffes unserer existenziellen Vergangenheit. Ein Schritt zurück und einfache Vergleiche von Ökosystemen zeigen uns wie eine optimierte Energieversorgung mit ästhetischem und funktionellem Anspruch aussieht und sich vor allem bewährt hat. Das Windrad hat seit Windmüllers Zeiten eigentlich ausgedient oder waaaaas? Obwohl die viel charmanter sind, die Windmühlen alter Zeiten

 


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