Bildschirmfoto 2013-09-24 um 10.20.20

Die Passer in Meran, rechts das alte Kurhaus.

In der DDR hatten wir offiziell nie westdeutsches Fernsehen eingeschaltet. Brauchten wir auch nicht, denn gefühlt bestand ein Großteil meiner Kindheit, wenn ich denn fernsah, aus Kaiserin Sissi in diversen Folgen, ich weiß, es sind nur 3 Filme, die auch auf DDR I oder DDR II ausstrahlten und ihre Empfänger suchten. Diverse Omas und Tanten sahen diese Filme über Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern oder Kaiserin von Österreich nach der Heirat mit Franz Joseph I, sehr gerne. Als ich nun einen kurzen Aufenthalt in Meran zu genießen die Gelegenheit hatte, habe ich mein kindlich-ungeduldig gelangweiltes und lange erhaltenes Urteil über Sissi revidiert. Sissi hat nämlich Meran besucht, angeblich um Ruhe und Erholung zu finden, über die Gründe zu spekulieren und Interpretationen zu formulieren möchte ich dabei den Gewillten überlassen. Meran eignet sich jedoch vorzüglich für diverse Aktivitäten, um mental und körperlich zu regenerieren, ob nun lokal oder regional. Es gibt diverse Gärten und Grünanlagen, die zum Spaziergang aufrufen. Ob gemächlich am Fluss, mit vielen großen Bäumen wie Birken, die bei uns im Norden eher selten so groß wachsen oder zum bedachten Einkaufen im alten Zentrum von Maran wie die Ladiner sagen, bleibt einem natürlich Selbst überlassen.

Verschiedene Gebirgsgruppen laden dazu ein, z.B. die Texelgruppe im Norden und die Ortlergruppe im Westen. Wer möchte, kann auch Bozen als Relaisstation verwenden, um in die Dolomiten zu gelangen. Aber ist Meran viel zu schön, um nicht ein paar kontemplative Momente dort zu verbringen. Die Altstadt ist charmant und das Klima das ganze Jahr über milde, mit Grüßen vom Mediterraneum. Viele subtropische Pflanzen erfreuen sich wie die Besucher an den über 300 Sonnentagen im Jahr. In der Meraner Therme, in der ich 4 Stunden verbringen durfte, findet  sich Zeit zum Baden, Schwimmen und Wellness. Theo Kollmann, ein Masseur hat mich durchgeknetet, nach den Tagen im Passeiertal und dem Bergwaldprojekt war das ein Vergnügen. Er war der Fitteste um die 50-Jährige, dem ich je begegnet bin, und hat mir von seiner zwei Tage zuvor absolvierten 13 Stunden Tour zum Ortler erzählt. Tiziana Lalli hat mir das Konzept und die diversen Möglichkeiten, sich in der Therme verwöhnen zu lassen, erläutert. Von meinem nächsten Vorurteil, das nur im Winter, der Aufenthalt in einer Therme sinnvoll ist, habe ich mich in diesem Zuge auch verabschiedet. Sobald die Sonne nicht für die erforderlichen Temperaturen im Frühjahr und Sommer sorgt, um die Einheimischen ins Freie zu locken, gehen sie in die Meraner Therme. Mit dem über 50.000 Quadratmeter Thermenpark lädt die Meraner Therme zum Verweilen ein. Das Thermenhotel ist wie der ganze Thermenkomple von Matteo Thun, einem bekannten Südtiroler Architekten entworfen und ausgeführt. Der Blick auf die Berge und das Tal sowie die Passer sind einmalig und wer will, bekommt diverse, aus lokaler Produktion stammende Wellnesskuren wie eine Apfelstammzellen- oder eine Ziegenbuttercremepackung. Wer keine Probleme mit Heu hat, kann ein Südtiroler Bergheubad probieren.

Übernachten durfte ich im Ottmannsgut, das Suite and Breakfast anbietet. Beim Frühstück, das ich dort relativ früh einnahm, fiel mir auf, wie ruhig die Welt sein kann, sogar in künstlich geschaffenen Umgebungen wie Häusern. Das Ottmannsgut wird von den zwei Brüdern Kirchlechner geführt, die sich mit viel Bedacht um die Einrichtung gekümmert haben. Die 9 Zimmer sind alle einem Thema gewidmet. Meines ist nach den Gestellen für Wein, althergebracht Pataun benannt, auf denen die Weinranken aufliegen und die aus Kastanienholz sind. Folglich habe ich im Zimmer „Unterm Pataun“ übernachtet. Und nur ein Industriedesigner mit einem aufmerksamen Blick dürfte Kunststoffe im Frühstücksraum erkennen, außer natürlich den notwendigen Kabeln für die Stromversorgung. Aber selbst die sind sorgfältig versteckt. Und wie ich in meinem morgendlichen Eifer aß, fiel mir auf, dass dieser Eifer nach 13 Tagen im Freien nicht dem Moment entsprach. Ich war relaxt. So fühle ich mich selten, um ca. 100 Jahre zeitversetzt in die Vergangenheit. Dazu trug sicher auch das exquisite, aber bei Weitem nicht so umfangreiche Frühstück bei, dass man in den meisten Hotels mittlerweile für selbstverständlich hält. Alle Zutaten sind aus der Umgebung von Meran und schmecken entsprechend hervorragend. Ich kann das Ottmannsgut jedem empfehlen, das in der ruhigen Via Guiseppe Verdi liegt und mit dem angeschlossenen Weinberg fast wie eine alte Orangerie anmutet, der konventionelle Hotels nicht unbedingt bevorzugt.

Die 36 Stunden in Meran werden nicht die Einzigen bleiben, auch wenn ich vielleicht in der Nebensaison in Zukunft anreise, wenn man in dem warmen Talkessel von Nebensaison sprechen kann. Und das Grüne ist entsprechend, die Möglichkeit alles vor Ort mit Nahverkehrsmitteln oder dem Rad erkunden zu können. Denn die Infrastruktur ist ausgezeichnet, um die Kulturlandschaft um Meran zu erkunden, ohne das Auto zu bemühen. Übrigens habe ich die Sissi-Filme immer noch nicht begriffen, auch wenn ich verstehen kann, warum Sissi in Meran Erholung suchte.


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