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Wer erinnert werden möchte oder einfach mal informiert sein will, was wir mit der Erdkruste alles so veranstalten, dem sei „Der geplünderte Planet“ wärmstens empfohlen.

Mit einer schönen Eröffnung über die Erdgeschichte beginnt das Buch. Und das ist ein sehr guter Einstieg, der richtig Spaß bereitet. Der Autor kommt aber schnell zum Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen und erläutert Entwicklungen, die durch Ressourcen bzw. Reserven bestimmt sind. Ugo Bardi und die Koautoren erläutern meist aus energetischer Perspektive. Viele wichtige Mineralien und Ressourcen werden betrachtet und über mögliche Substitutionen bei Erschöpfung in der Ökonomie diskutiert. Unsere Unfähigkeit zum Recycling bei knappen Materialien zeigt er mit vielen anderen Autoren auf, die mit ihrem Fachwissen eine Schwäche unserer Wirtschaft nach der anderen aufdecken. Spätestens dann begreift der Leser, warum Ugo Bardi zuerst die Erdgeschichte beschreibt. Denn viele Ressourcen sind endlich, sie sind wie Diamanten, fossile Brennstoffe beispielsweise nie wieder herstellbar, da die Kräfte im Erdinnern nie wieder so mit den Elementen spielen können.

Das Ganze ist beängstigend, da auch die ganzen giftigen Stoffe, wie beispielsweise Quecksilber munter und fröhlich durch unsere Stoffströme wandern. Peak Soil wird lange diskutiert in Fachkreisen, denn unsere Böden werden massiv degradiert und kontaminiert durch den Bergbau und unsere nicht biologisch abbaubaren Produkte. Halbwertzeiten von Schwermetallen sorgen dafür, dass auch die nächsten 100 Generationen etwas davon haben werden. Fossile Brennstoffe, ob konventionell oder nicht gewonnen, werden in der Reichweite diskutiert. Zugrunde liegende Modelle wie Jevons‘ Paradoxon oder die Hubbertkurve werden kritisch betrachtet, für biologisch und mineralisch vermeintlich weitreichende Reserven bzw. Ressourcen.  Das wichtigste Argument, das immer wieder fällt, ist der sinkende EROEI (Energy returned on energy invested), da die Konzentrationen fast alles Abbaustätten weltweit sinken, müssen wir zwangsläufig mehr und mehr Energie für den Bergbau aufwenden, derzeit knapp über 10% der Primärenergie. Technologische Innovation, von vielen ja als die Lösung gesehen, wird unter energetischen Gesichtspunkten analysiert und der Leser desillusioniert. Je mehr Energie wir aufwenden müssen, desto mehr Abraum produzieren wir. Dieser Abraum erfordert wiederum Energieaufwand. Das Gleiche gilt für unsere ganzen Verbundstoffe, die nicht biologisch zerlegbar sind. Und auch Uran wird gründlich diskutiert, denn die Reichweite und die Aufwendungen für die Entsorgung sind nicht finanzierbar. (Anmerkung: Kein Kernkraftwerk wurde bisher ohne Bürgschaften vonseiten des Staates gebaut, das kann man auch getrost Subvention nennen).

Das Buch ist das beste Stück populärwissenschaftliche Fachliteratur seit Langem. Wer aktuell die derzeitigen Koalitionsverhandlungen verfolgt, findet hier sachliche Argumente, warum wir weiter auf Erneuerbare Energien setzen müssen, jetzt. Bei all dem Schockierenden liest es sich gut weg, da die Beispiele dicht am Alltag gestaltet sind und zum Nachdenken anregen. Ich bin vorsichtig mit Kaufempfehlungen, da ich meine Umwelt teilweise sehr schätze, aber dieses Buch hilft ein grundlegendes Verständnis, für die Situation, in der wir uns als Menschen befinden, aufzubauen. Und den Preis finde ich angemessen.

Der geplünderte Planet – Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen

360 Seiten, oekom verlag München, 2013
ISBN-13: 978-3-86581-410-4, Preis: 22.95 €, e-Book 15.99
Foto: PR Oekom Verlag

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