Das Geheimnis der Bäume Blick auf die Kronen

Das Geheimnis der Bäume läuft seit dem 02. Januar im Kino und ich will nicht vorgreifen, aber im Singular würde ich nicht sprechen. Auch wenn man als Holzwirt eine Menge im Studium über Bäume lernt, gibt es immer wieder Augenblicke, die an diese oder jene Vorlesung erinnern und ewig die Freude des Neuentdeckens noch einmal vorüberziehen lassen. Der Vergesslichkeit sei es gedankt. Und der Zahl der fortwährend auflaufenden Erkenntnisse, die mit neuen oder alten Fragen aufwarten und wieder Geheimnisse erzeugen, die es zu finden und ab und an aufzudecken gilt.

Ernsthaft, man braucht kein Studium um Bäume als etwas Wunderbares zu sehen. Geheimnisse finden sich sowohl in Vorlesungen wie auch in der Forschung, genauso wie im Kino oder im Wald oder Stadtpark. Bäume stellen die größten und schwersten Lebewesen überhaupt dar. Vielleicht existieren auch sehr schwere Pilze, aber die sind genau genommen auf die Bäume angewiesen bzw. leben in Symbiose mit oder parasitisch von ihnen.

Das Geheimnis der Bäume

möchte ich jedem ungesehen empfehlen (Das Foto oben allein lohnt genug.), ihn sich anzusehen, vor allem wenn Kinder aus der Familie an Bord sind. Aber auch jedem, der unbelastet durch botanische Kenntnisse lebt. Denn nichts geht über einen inspirierenden Moment für Kinder und nichts über einen Augenblick für Eltern, wenn Kinder happy sind bzw. merken, das die Eltern auch nicht soviel wissen über Bäume. Wie die meisten Wissenschaftler auch. Bäume sind schon lange nicht mehr die Holzertragsfunktion des Försters.

Der Baum als Erzähler

Bäume, in dichter Häufung auch als Wald bekannt, haben eine Menge zu erzählen. Einige meiner schönsten Momente in der Natur verdanke ich rauschenden Pappeln bei Windstärke 5 im Zelt. Nichts ist eine bessere Einschlafmelodie als sich wiegende blättertragende Wipfel am Wasser. Und nichts geht über die belustigte Stimmung eines Madagassen, die sich aufhellt, wenn man als Fremder Malamasafoy, Fony, Fahehitra oder Fivikakanga sagt, weil er es dir beigebracht hat. Oder, der sich wundert, warum der Vazaha auf den Baobab ohne Früchte klettert, der eine extrem glatte Oberfläche besitzt, von Borke kann man dann nicht sprechen.

Wald als zivilisatorische Basis

Bäume sind die Grundlage jeder Zivilisation. Als verholzende Pflanzen fliehen sie Boden stabilisierend in den Himmel. Bäume erzählen uns mehr über die historische Vergangenheit als jede andere Pflanze, zumindest wenn sie verholzen. Einfach entsetzlich unersetzlich. Bäume beatmen uns. Jede Sekunde unseres Lebens verhindern sie unseren Kohlendioxidtod. Bäume erzählen einander, wenn sie Kontakt mit anderen Lebewesen haben. Sie lassen kommunizieren über weite Entfernungen durch viele verschiedene Tiere. Strategische Schwergewichte an Land mit integraler Funktion für die meisten Lebewesen. Bäume taktieren nicht, wozu auch. Bäume sind ewige Zeitmaschinen.

Tempus ex arbori

Eine Zeitmaschine möchte ich haben. Ich möchte nach Australien reisen bevor die Ahnen der Aborigines die Megafauna ausrotteten, nach Nordamerika möchte ich, um den Grove nicht zu sehen vor lauter Redwoods und bevor die Menschen über die Beringstraße kamen. Nach Madagaskar möchte ich 3000 vor Christus, um zu sehen, ob Kilis, die heiligen Bäume Neophyten sind und wenn sie keine sind, ob die Elefantenvögel ihre Früchte fressen. Ich möchte den größten Neuseeländern aller Zeiten begegnen bevor sie Agathis australis benannt wurden und fast forward verschwanden, bis auf ein paar Wunder für Reisende. In einem Banyan möchte ich leben vor 80.000 Jahren.

Wald – lebendige Verpflichtung

Forste sind so verdammt wichtig, dass es eine Verpflichtung ist, diesen Film zu sehen. Oder zumindest einmal im Leben eingehend das eine oder andere Geheimnis der Bäume zu bedenken. Oder einfach zu erfahren, z.B. im Wald ohne technische Sensorik. Der Wald ist mein Zeitmaschinenpark. Wenn der Wald verschwindet, verschwinden unsere Zeitmaschinen. Und ohne Zeitmaschinen haben wir keine Zukunft, denn ohne Zeit sind wir nicht.

Der Satz, Bäume sind Zeitmaschinen stammt übrigens von John Fowles, aber jeder kann von allein drauf kommen, heutzutage.

In Hamburg läuft der Film im Abaton.

Bild: PR Das Geheimnis der Bäume


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