Possum Fuchskusu (Trichosurus vulpecula)

Fuchskusu (Trichosurus vulpecula)

Ein schönes Beispiel für ein verzwicktes Problem und eine Lösung, die ich sehr gerne mal mit einem langjährigen, aus tierempathischen Motiven, Veganer und einem Neobiota regulierenden Ökologen diskutieren würde, stellt das Possum als invasive Art in Neuseeland dar. Heute der erste Teil, das Problem.

Neobiota als Problemarten

Neobiota oder eingeführte Arten, ob nun beabsichtigt oder nicht, stellen auf vielen Inseln oder anderweitig durch Plattentektonik oder Orogenese isolierten Gebieten eine gewaltige Herausforderung. Vom Standpunkt der Biodiversität kann die Vielfalt kurz- und mittelfristig für Menschen sogar ansteigen, wenn neue Arten auftreten. In der Regel jedoch führen Neobiota zur Verarmung der Biodiversität, global und auch regional.

Der Fuchskusu ist so eine Fremdart. Es gab in Neuseeland schon 1947, wegen des Fehlens von natürlichen Fressfeinden, geschätzt etwa 70 Millionen des waschbärgroßen Fuchskusus. Allgemein wird er dort auch Possum genannt. Als Possum werden auch andere Arten der Beutelsäuger bezeichnet. Das Possum kommt aus Australien und Tasmanien, schon 1837 kamen Siedler auf die Idee, mit den Possumfell zu handeln. Australien ist geologisch schon lange von Neuseeland isoliert und somit konnte sich kein natürlicher Fressfeind für das Possum entwickeln. Ein potentieller Fressfeind wurde vielleicht bereits von den Ahnen der Maori ausgebeutet bzw. -gerottet. Artengemeinschaften sind in der Regel harmonische Gruppen, die, wenn kein gravierender Eingriff durch uns Menschen oder geoendogen wie Vulkanausbrüche bzw. extraterrestrisch wie Asteroideneinschläge stattfindet, gemeinsam evolvieren.

Gebietsfremde Arten sind vom Standpunkt eines Ökologen meist unerwünscht. Die Fuchskusus gefährden in Neuseeland Flora und Fauna. Sie schädigen Bäume, andere Pflanzenformen und fressen Kleintiere durch ihre schiere Masse. Das Nationaltier, der Kiwi, wird u.a. ebenfalls vom Fuchskusu bedroht, da er Jungvögel und Gelege als Nahrung annimmt. Harmonien einheimischer Artengemeinschaften auf Neuseeland geraten aus dem Gleichgewicht und die lokale und regionale Artenvielfalt reduziert sich. Ökotone sind Übergangszonen zwischen verschiedenen Vegetationsformen. Wenn diese Ökotone (und auch die durch die Ökotone verbundenen Vegetationsformen), die quasi als Brücken für Organismenwanderungen gesehen werden können, über eine gewisse Schwelle belastet werden, können bestimmte Arten nicht mehr wandern. Populationen einer Art werden isoliert. Bei sehr großen Populationen ist das kein Problem, bei kleinen tritt eine Verarmung des Genpools auf und die Population wird anfälliger für Krankheiten beispielsweise, weil alle Individuen sehr ähnliche Gene besitzen.

Wenn bestimmte Vegetationsformen verarmen, dann reduziert sich zwangsläufig die Anzahl der Individuen mancher Arten und andere nehmen zu. Verschwindende Antagonisten wie z.B. Raubtiere für Pflanzenfresser können dann die anderen Arten nicht mehr eindämmen und es kommt zu weiteren Überlastungen. Als engmaschiges, aber bewegliches, Netz gesehen, wird die Artengemeinschaft löchrig. Einige Arten fallen durch, andere kommen rein in einen bestimmten Lebensraum. Manche Arten sind teilweise in bestimmten ökologischen Funktionen redundant, können sich also gegenseitig ersetzen, wenn eine ausfällt, obwohl wir die meisten ökosystemischen Funktionen in vielen Gebieten noch gar nicht kennen. Oft interagieren sehr viel mehr Arten mit anderen, als auf den ersten Blick evident. Pflanzen beispielsweise können aussterben, weil nur bestimmte Tiere sie fressen können und die Samen erst durch die Verdauung keimfähig werden. Wenn die Pflanze nur einen Vektor hatte, hat sie keine Chance sich in potenziellen Lebensräumen natürlich auszubreiten oder gar weiter zu existieren, obwohl unter Umständen vegetative Vermehrung möglich ist.

Der Kampf um die neuseeländische Artenvielfalt gegen das Possum

Alle Naturschutzorganisationen in Neuseeland unterstützen die Versuche, die Fuchskusus auszurotten oder zumindest die Zahl der Possums zu reduzieren. Fallen, Gift, Jagd mit Schusswaffen gehören zu den Methoden der invasiven Art Herr zu werden, zeigen aber nur langsam Erfolg.

Hier wäre meine Frage für den eingefleischten Veganer. Würden Sie helfen, den Kampf gegen die Possums mitzuführen? Lebendfallen werden von den Behörden nur empfohlen, wenn man bereit ist, das Tier anschließend zu töten. Genutze Gifte, meist Natriumfluoracetat oder Natriumcyanid sind umweltschädlich. Also ist Töten von Angesicht zu Possum die bessere Alternative. Hinzu kommen andere Neozoen wie Hermelin, Ratte, Rothirsch und Hausziege und die Land- und Forstwirtschaft und der Bergbau, die die Schäden gemeinsam vergrößern. Fallenstellern ist es deshalb auch erlaubt, das Fell der Fuchskusus zu veräußern. Ich möchte damit keineswegs Veganer oder andere bestimmte Ernährungsweisen bevorzugende Menschen angreifen, nur bestimmte Widersprüche aufzeigen. Und diese Neobiota sind weltweit nicht selten. Zwangsläufig werden bei solchen Tiermassen auch quälende Vorfälle auftreten, wobei ich das nicht als Vorsatz deklarieren möchte. Aber Menschen machen Fehler, viele Menschen … Auch ich esse selten Fleisch und vermeide das Leiden von Tieren, aber in der uns eigenen Kultur bedeutet leben, auch als Veganer zwangsläufig, töten durch Verdrängungseffekte.

Und bei der Jagd und den Fallenstellern bzw. Jägern auf das Possum setzt Posseimo an. Posseimo stelle ich morgen vor. Posseimo nutzt die Eigenschaften des Felles, den der Fuchskusu gemeinhin trägt. Das Fell des Fuchskusus ist 55% wärmer als Merino und 35% wärmer als Kaschmir. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand wieder darauf kommt, das Fells des Eindringlings zu nutzen. Morgen geht es weiter mit Teil 2, dem Unternehmen Posseimo.

Bild: Screenshot Wikipedia


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