ROB Hopkins Einfach.jetzt.machen

Warum wir etwas ändern müssten, ist wohl den meisten Menschen klar. Da gibt es nichts zu beschönigen. Allein viele zögern, weil sie nicht wissen wie. Und viele andere haben schlicht Angst, wenn sie nicht weiter die dominante Strategie ihres bisher Erlangten/Erarbeiteten fahren, unter die Räder unserer ehrenwerten Gesellschaft zu kommen. Rob Hopkins verspricht keine Allinklusive-Rundumsorglos-Lösung, beschleunigt jedoch formidabel mit seinem Buch EINFACH.JETZT.MACHEN. in Richtung Reformation unserer Zivilgesellschaft.

Rob Hopkins kommt oder ist vielmehr elementarer Bestandteil der Transition Town Bewegung. Wo beispielsweise Michael Braungart und William McDonough und viele andere großartige Menschen mit technologischen Lösungen zum Upcycling oder anderen tiefer gehenden ökologischen Konzepten, Ideen Änderungen anstreben, bietet die Transition Town Bewegung mentales Rüstzeug um Menschen zum Machen zu bewegen.

Klingt, als ob auch Manager mal das Buch lesen sollten. Schließlich werden sie genau für das unternehmerische Risiko auch bezahlt nebst damit einhergehender Verantwortung. Aber zurück zum Warum. Wer träumte nicht von einer Welt, in der alles sauber ist, ohne schädliche Kontamination durch unsere Gesellschaft. Das meine ich psychisch und psychologisch.

Warum also etwas ändern? Oder wer hätte was dagegen. Interessanterweise Manager und mächtige Interessengruppen wenig repräsentativer Bevölkerungsanteile, wenn sicher auch nicht alleine. Lösungen komplexer Natur von immer größeren politischen Verwaltungseinheiten mit immer weniger Entscheidern für immer mehr Menschen müssen versagen. Einmal, weil die Probleme zu komplex sind und weil die Entscheider meist keinen Kontakt mehr zur breiten Bevölkerung haben und von ihresgleichen wie etwa Lobbyisten beeinflusst werden. Lösungen sind von Ihnen nicht zu erwarten, geschweige denn von Politikern, die nur Lobbyisten in eigener Sache sind. Das ist verständlich, sind sie mit entsprechenden Theorien und sich selbst immer wieder gegenseitig bestätigend in diese mentale Sackgasse geführt worden. Das kann man ihnen nicht vorwerfen, aber den Unwillen oder mangelnde Erkenntnisfähigkeit sich aus dieser Position weiter zu entwickeln schon. Andererseits sind vielleicht unsere teilweise nicht länger legitimierten politischen Einheiten und Strukturen zu überdenken. Damit möchte ich explizit nicht sagen, das System ist schuld, sondern wir. Und wir haben Adressen?

Alldieweil auch große NGOs versuchen etwas an dieser Misere zu ändern und die kognitive Blackbox unserer politischen Entscheider einzudringen, passieren jede Sekunde weitere Schäden in unserer Gesellschaft, egal ob sozialer oder ökologischer Couleur. Deshalb kann nur eine Entkopplung von den uns abhängig machenden Zentralstrukturen, ob nun Großindustrie, fossile Energien oder Parlament genannt uns helfen. Die Kooperation von Gruppen, die überregional oder gar international agieren und sich auf den Pfaden, besser der Infrastruktur von und für Großunternehmen oder Großstrukturen bewegen bzw. auf die Konkurrenz von völlig verschiedenen Menschen in völlig verschiedenen Regionen unserer Welt setzen, mit Produkten, die ohne Probleme lokal gewonnen werden können, sind anachronistisch. Ein Weinbauer aus Brixen hat mir seine Bedenken bezüglich unseres Wachstumsdoktrins einfach so gesagt, wo wollen wir alle noch hin wachsen.

Ich finde es ausgesprochen traurig, aber auch sehr ermutigend, wenn ich auf grünen Messen und Veranstaltungen, Menschen treffe, die sich vorher in Großunternehmen dumm und dämlich verdient und oben angesprochene Probleme forciert haben, jetzt jedoch unternehmerisch etwas anderes wagen. Diese hoch qualifizierten kognitiv nicht räumlich dezentral agierenden, sonder funktional installierten Menschen wirken durch ihre Arbeit fast immer im Sinne für den weiter beschränktem Zugang zur Macht und Ressourcenzentralisierung. Aber auch dort gibt es eine Götterdämmerung.

Ökologische Habitate konkurrieren nicht miteinander, erst die ökonomische Ausbeutung durch den Menschen lässt sie über dessen Konkurrenzdenken degradieren. Warum soll jemand aus Schottland mit einem Menschen aus Australien oder Tibet mit Produkten gegeneinander konkurrieren, wenn die lokale Anpassung über Jahrhundert bewährte Materialien und Prozesse aufgezeigt hat? Menschen, die nicht überregional/international durch die Gegend jetten, sondern lokal kooperieren, können sich funktional sicher auch destruktiv gebärden, aber mit transparenten und das geht lokal in übersichtlichen Gruppen, regionalen Wirtschaftszweigen, wird die Auseinandersetzung mit dem anderen wieder konstruktiver. Stabile Strukturen können nicht entstehen, wenn das Geld scheinbar so unabhängig von dem unmittelbaren Nachbarn macht. Denn dann kompensiert man, wie es unsere Konsumgesellschaft gerade vormacht ohne ökologisch-soziale Tiefe mit einer vermeintlichen ökologischen Freiheit, die es nicht gibt. Menschen, die so leben, als global vernetzende Vielflieger, sind sicher auch zu lokaler Kooperation fähig. Gehören aber materiell zu den Gewinnern meistens und kurzfristig gesehen. Für sie funktioniert ihr Lebensmodell, für den Großteil der Menschen und unsere Umwelt nicht. Intragenerationale und intergenerationale Konkurrenz führt dann zur Verstärkung des Problems. Das ist kein Vorwurf, warum sollten Bevölkerungsschichten für die das Leben wunderbar funktioniert etwas ändern?

Das muss trotzdem geändert werden. Das kann geändert werden. Und zwar als kleiner Anfang mit diesem wunderbaren Buch. Es erläutert die Probleme und gibt viele schöne und optimistische Beispiele, teilweise mit sich finanziell selbst tragenden Projekten, denn im Moment lebt die Bewegung vor allem von engagierten Freiwilligen. Aber die wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden schießenden Crowd-Projekte stellen anscheinend eine umfassendere Forderung nach einer aussichtsreicheren Zukunft, die uns allen gerechter wird und der Umwelt voller Phänomene, die auch lokal zelebriert werden können, ohne Marketinghypothesen, was ich auf dem Mars verdienen könnte. Rob Hopkins hat selbst schon viele Projekte der Transition-town-Bewegung mitgemacht und initiiert. Und es ist auch egal, ob es x Transition x genannt wird. Auch Rob Hopkins war jahrelanger Grabenkämpfe mit Administrationen und Politikern überdrüssig. Letztendlich hat er, wie eine Menge Mitmenschen erkannt, dass ein Bottom-up-Ansatz erforderlich ist. Und siehe da. Es geht. Jeder der möchte, kann etwas tun, allerdings nicht allein, um die offensichtlich unfähige großmannssüchtige Politik zu umgehen und auszuhebeln lokale Gemeinschaften wieder stärken. Unter anderem auch in Verbindung mit Regionalgeld.

Das Transition-Town-Konzept bedeutet nicht antworten zu kennen, sondern sich lokal für die Gemeinschaft zu interessieren, die Probleme vor Ort miteinander analysieren, sich gegenseitig wieder verstehen zu wollen und Ideen für die Problemlösung zu finden. Politiker, die auf die komplexen Probleme national und international immer eine Antwort haben, finden wir genug. Glauben tut ihnen keiner mehr und das ist gut so. So haben wir eine Basis für selbstbestimmtes eigenes Handeln, Denken und Fühlen in Gruppengrößen, die uns entgegenkommen. Es geht darum offen zu sein für Veränderungen, Veränderungen die Möglichkeiten offenbaren und lokales Selbstbewusstsein aufbauen und das Gefühl einer scheinbar übermächtigen Globalisierung eine starke Alternative entgegenzusetzen. Das Buch wird für fast alle eine wunderbare Hilfe sein, zurückzufinden in echte Kooperation unter Menschen und nicht nur eine austauschbare Figur oder Funktion unter Kostenvorgaben in einem Unternehmen oder einer Funktion zu sein.

EINFACH.JETZT.MACHEN. von Rob Hopkins

184 Seiten, oekom verlag München, 2014
ISBN-13: 978-3-86581-458-6
Erscheinungstermin: 24.02.2014
Preis: 12.95 Euro als Paperback; als e-Book 9,99 Euro
Bild: oekom-Verlag EINFACH.JETZT.MACHEN.

 


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