Maria Seifert Collections

Maria Seifert, eine Jungunternehmerin, designt nachhaltige Mode. Auf der Ethical Fashion Show habe ich sie kennengelernt und das Gespräch mit ihr hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich einfach ein Interview von ihr haben musste. Ihre Ansichten sind erfrischend bzw. noch nicht so abgeklärt und routiniert, da sich diverse Marketingexperten mittlerweile auch im Grünen etabliert haben.Maria stammt aus Leipzig. Ihre Großmutter, als Modesdesignerin und gelernte Herrenschneiderin beeinflusste sie maßgeblich. Erfolgreich, denn gleich ihre erste Kollektion stellte das deutsche Guggenheim Museum anlässlich der Innovationspreise textil & mode aus. Im Dezember gab es Nachschlag mit der Auszeichnung Design Discoverie auf der Innatex 32.

Zwei Kollektion entwirft Maria Seifert im Jahr. Bedient werden Kleidergrößen von 34 bis 44, ab 46 wird auf Maß gefertigt. Das Design ist modern und zeitlos, Maria achtet natürlich auf die Triple Bottom Line (People, Planet, Profit) der Nachhaltigkeit, fair, ökologisch und verkaufen muss sich Grüne Mode natürlich auch, sonst ändert sich ja nichts. Hier das Interview mit ihr:

  1. Maria. was treibt Dich an, auf den riesigen Markt für Mode mit sehr viel konventioneller Konkurrenz, als Unternehmerin mit Deinem Label Maria Seifert Collections zu gehen?

Unternehmerin zu werden kam für mich ausschließlich infrage, wenn mein Unternehmen und damit einhergehend meine Kollektionen einen für mich sinnvollen Backround bekommen. Einen Nachhaltigen im Umgang mit allem und somit eine Alternative bieten zur konventionellen Konkurrenz. Ich entwerfe kleine, feine Kollektionen zweimal pro Jahr. Der Markt ist voll und wir überfordern nicht nur die Umwelt und die Menschen die diese Kollektionen herstellen müssen, sondern auch unsere Kundinnen und Kunden und uns selbst. Ich merke, dass die Endverbraucher/innen sich verändern und Unternehmen wie meines schätzen. Ich nehme mir die Zeit für alles was mein noch junges Unternehmen braucht und pflege es. Ich möchte weiterhin schlichte, alltagstaugliche Eleganz, gute Verarbeitung und Understatement in der Mode verbreiten.

Wir alle haben Lust auf lange Beziehungen, egal zu wem und egal zu was. Genau das treibt mich an, lange Bindungen zu meinen Zulieferern, Produzenten, meinem Team und ganz wichtig zu meinen Kundinnen, insofern ich sie kennen lernen darf. Ich gehe weit weg von fast fashion und fast business. Ich baue alles, was Zeit braucht aus und schaffe Kollektionen, die zeitlos sind.

  2. Ist Nachhaltigkeit eine Frage der Positionierung am Markt oder der Überzeugung?

Beides! Für mich ist nachhaltiges Arbeiten beziehungsweise Wirtschaften eine Frage der Überzeugung. Positionieren am Markt muss ich mich aber auch. Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass es für viele großen Firmen die konventionell Bekleidung oder Textilien herstellen eine Frage der Positionierung am Markt ist. Es gibt aber auch Firmen im nachhaltigen Segment bei denen ich mir nicht sicher bin, worum es eigentlich geht, um die Überzeugung oder ausschließlich die Positionierung?! Es ist ja auch gut aus nachhaltiger Mode einen großen Wirtschaftszweig zu generieren.

  3. Woher beziehst Du Deine Textilien für Maria Seifert Collections?

 Regional, Österreich und über Stoffhändler hier in Deutschland, die wiederum aus der Türkei und Indien.

  4. Ist es einfach, an Textilien mit Zertifizierung zu kommen?

Das kommt darauf an, was man sucht. GOTS zertifizierte Baumwolle oder Seide in vielen Varianten, ist kein Problem. Gute Stoffe die veredelt sind, also bestickt, bedruckt oder gewebte Materialien sind etwas schwieriger zu bekommen. Recycelte Fasern sind auch seltener. Aber nur wenn ich das konventionelle Angebot mit dem zertifizierten Angebot vergleiche. Wenn ich keinen Vergleich hätte, käme mir das Angebot an nachhaltigen Textilien bestimmt größer vor. Für große Firmen ist das weniger ein Problem, weil sie die hohen Mindestabnahmemengen eigener Aufträge stemmen können. Für mich als kleines Unternehmen ist das weniger einfach. Die Mindestabnahmemengen sind hoch, da sich die Herstellungskosten für Textilien und Zutaten über hohe Mindestabnahmemengen rechnen.

  5. Sind bestimmte Stoffe für Kleinserien schwierig zu bekommen?

 Es geht so … Schwierig sind Stoffe für die Herbst/Winter Kollektionen. Also zertifizierte Schurrwolle, Merinowolle, Hanf, recyceltes Polyester oder Baumwolle und diese vielleicht noch veredelt … Wie eine Frage höher erwähnt, habe ich die Möglichkeiten kleinere Mengen abzukaufen, doch dann steigt der Preis pro Meter deutlich an.

  6. Legst Du Wert auf Zertifizierung?

Ja, es ist für mich als Unternehmerin sehr gut, dass es Organisationen und Verbände gibt, die sich die Herstellungsverfahren für Stoffe und Zutaten genau anschauen und Zertifizierungen geschaffen haben. Das ist eine große Hilfe und Erleichterung. Ich wähle zu 95 % Textilhersteller aus, die selbst zertifiziert sind oder wenn nicht, dann die zertifizierten Stoffe oder Zutaten eines Unternehmens, das nicht komplett zertifiziert ist. Hauptsächlich achte ich auf die GOTS Zertifizierung. Ich mach aber auch viel Eigenforschung. Mir geht es auch nicht anders wie meinen Endverbraucherinnen. Teils nach dem Motto – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

  7. Ist für Dich eine Zertifizierung für Maria Seifert Collections überhaupt möglich?

Dafür ist es noch zu früh. Mich zertifiziert noch keiner und ob es von Nöten ist, ist eine andere Frage. Wie gesagt verwende ich Materialien, die selbst zertifiziert sind und im besten Falle aus zertifizierten Unternehmen stammen. Ich müsste meine gesamte Logistik zertifizieren lassen. Dafür muss ich weiter wachsen. Eine ernsthafte Überlegung ist in naher Zukunft mich einem Verband anzuschließen. Ich verwende zertifizierte Materialien, das bietet meinen Kundinnen und mir viel Sicherheit.

  8. Wir hatten schon über Schnitte und Größenanpassung auf der Ethical Fashion Show gesprochen. Dabei kamen wir auf das Problem der kleinen Größen zu sprechen, die es zuhauf auch im „Grünen Kleidungssektor“ gibt. Wie sieht es mit Deinen Kollektionen aus? Welche Größen bietest Du an und was sind die Herausforderungen dabei?

Kleine und große Größen sind ja kein Problem. Der Mensch ist so, wie er ist! Es gibt viele Größen und das will ich als Designerin berücksichtigen. Das bedeutet für mich u.a. auch nachhaltiges Arbeiten. Meine Collections Linie kann jede Frau tragen von Kleidergröße 34 – 46. Darüber hinaus fertigen wir die Teile aus der Collections Linie auf Maß. Ab Kleidergröße 48 verändert sich die Taille, die Brust, das Becken stark. Hinzukommen andere Materialkosten, der Umfang verändert sich und das ganz unterschiedlich. Darauf reagiere ich und betreue es intensiver, damit meine Kundinnen zufrieden sind. Insofern gehe ich auf Nummer sicher, weil wir die Maßanfertigung beherrschen, das sollten Privatkundinnen ruhig für sich nutzen.

8. Thema Downsizing von Kleidung finden wir auch spannend, schließlich sind oft auch umfangreichere Größen geeignet für die weitere Nutzung. Was sagst Du dazu, wie geht das in Deinen Alltag vielleicht schon ein?

Downsizing ist natürlich möglich. Allerdings kann es, bei erheblichem Aufwand, teuer werden. Ist aber eine spannende Sache und sehr nachhaltig. Ganz klar ein Thema, das bei meinen Privatkundinnen immer wieder kommt. Ich hab erst vergangenes Jahr eine Kundin gehabt, der ich 2012 komplette Outfits gemacht hatte und 2013 hatte sie zwei Nummern kleiner. Wir änderten dann alles ab.
Ich versuch mich in den kommenden Kollektionen eher auf Schnitte zu konzentrieren, die das Problem etwas besser umgehen. Zum Teil kannst Du das jetzt schon erkennen, das ich fast nie Kugelärmel für Jacken, Mäntel & Oberteile verwende, sondern Raglan- und angeschnittene Ärmel. In der Regel haben wir eine ähnliche Schulterlänge. Oft sitzen Ärmel nicht. Deswegen arbeite ich mit Ärmeln, die das umgehen. Das Beispiel Ärmel hat nichts direkt mit der Downsizing Frage zu tun. Ist aber ein Beispiel für Möglichkeiten die Kollektionen langlebig und Zielgruppen offener zu gestalten.

  10. Folgen Schnittmuster eher dem Material oder wird das Material nach dem Schnittmuster ausgelegt?

Die Frage müssen wir ein klein wenig ordnen. Ein Schnittmuster geht in die Richtung erster Entwurf. Ich denke die Frage ist, ob man zuerst den Schnitt macht und dann Material sucht oder umgekehrt? Als Handwerkerin sage ich der Schnitt sollte dem Material folgen. Als Designerin sage ich, dass der Schnitt aber dem Material nicht folgen muss.

  11. Sind Stoffe für alle Größen gleichermaßen geeignet?

 Nein. Ist aber auch von der Kundin abhängig …

  12. Dein Lieblingsmaterial für Entwürfe?

Bio-Batist für Frühjahr Sommer. Ein Material, das mit jeder Wäsche weicher wird, sich ganz selbstverständlich anfühlt und unrepräsentativ ist. Bio-Wolle und Denim aus Hanf für Herbst Winter.

  13. Designst Du eher für Deine Kunden oder für Dich?

Beides. Ich bin ja tief in meinem Herzen eine klassische Designerin, die auch versucht eigene Vorstellungen von was ist für mich modern, schlicht und elegant durchzudrücken. Aber vorrangig für meine Kunden, da führe ich auch viele Dialoge und halte mich auf dem Laufenden.

  14. Wo lässt Du produzieren?

Ich mache bis jetzt noch Kleinserien. Das produzieren mir nur kleinere regionale Betriebe und wir selbst. Also regionale Betriebe aus Leipzig und Frankfurt. In naher Zukunft kommen bestimmt noch einige dazu.

  15. Wo kann man Deine Kollektion kaufen?

Bei mir Onlineshop Maria Seifert Collections. In Dresden bei miranda merra. Bald wieder im pop up store Berliner Stücke. Und es wird noch mehr geben in diesem Jahr, aber dazu verrate ich noch nix …

Vielen Dank von uns an Maria Seifert und viel Erfolg mit den kommenden Kollektionen.

Bild: Maria Seifert von Jennifer Sanchez I

 

 


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