Efeu-Seidenbiene Colletes hederaeEfeu-Seidenbiene Colletes hederae

Die Spekulationen und Fachdiskussionen über das Bienensterben weltweit, halten schon mehrere Jahre an. Fakt ist, dass etwas massiv schief läuft und wir weitermachen wie bisher. Und wer sich damit beschäftigt, begreift sogar warum.

Seit vielen Jahrhunderten verändern wir unsere Kulturlandschaft. Ich persönlich sehe es jedes Mal, wenn ich in Mecklenburg Vorpommern bin, alles wurde die letzten 20 Jahre begradigt, bereinigt, umgenutzt oder überhaupt dem Verbrauch zugeführt. Und ich sehe weniger Vögel wie Hausspatzen und Rauch- bzw. Mehlschwalben. Über die Ursachen kann ich nur spekulieren, aber dadurch werden weniger verschiedene Samen von den Vögeln verteilt, die wiederum die Nahrungsvielfalt für Bienen und auch für weitere Tiere mindern. Früher waren die Feldhaine auch bunter und die Wiesen vielfältiger, mehr Menschen hatten selbst Gärten und Nutztiere, die nicht industriell vereinfacht bzw. standardisiert waren. In Naturschutzgebieten Pollen suchende Bienenvölker haben geringere Verluste als beispielsweise Bienenvölker, die auf bzw. in der Nähe industriell bewirtschafteter Felder Nektar sammeln. Wenn viele Feldhaine nun als Holzfunktion genutzt werden und Wiesen  überdüngt werden, verschwinden viele schöne Spezialisten.

Das fängt bei großflächigen Raps- und Maisfeldern an, die in der Regel fragwürdig sind, da sie viel Wasser bzw. Düngemittel benötigen und  eigentlich biodiverse Wüsten darstellen, da nur wenige Tiere diese Felder nutzen können. Insektizide, Herbizide, Fungizide sorgen dafür. Zudem laugt häufiger Maisanbau die Böden aus. Erosion gehört natürlich auch zu den Problemen, da die meiste Zeit keine Vegetation den Boden bedeckt. Und als Gipfel, Mais stellt Gefahren für andere Lebewesen dar. Ich fange auch gar nicht erst von genetisch modifiziertem Mais an. Rapsfelder sind energetisch nicht haltbar für als Energieversorgung, da die Düngemittelbelastung die Bilanz negativiert. Pestizide auf Rapsfeldern wirken entsprechend freundlich auf Bienen, sowohl mit unmittelbarem Tod und entwicklungsbiologischen Störungen der Bienenlarven. Nach dem saisonal bedingten Ausklingen der Rapsblüten hungern die Bienen bestimmter Gebiete, da kaum andere Pflanzen noch blühen und es muss entsprechend gefüttert werden.

Wo Mais steht, stehen keine anderen Blütenpflanzen. Die fehlen den Bienen dann. Oder haben Sie sich schon mal einen Sommer lang nur von Mais ernährt? Mais ist ein Faktor. Elektrosmog wird ebenfalls verdächtigt, das Verhalten und letztendlich die Gesundheit der Bienenvölker zu beeinflussen. 2008 wurden 11800 Völker schwer geschädigt durch ein Beizmittel für Saatgut, Clothianidin. Kollateralschäden bei anderen Insekten sind inbegriffen. In den letzten Jahren starben in Europa 20% der Völker, in Deutschland sogar regional bis 30% der Bienenvölker.

Der Wert der Bienen weltweit, mit allem Drum und Dran, wie Honig und Bestäubung wird auf 70 bis 265 Mrd. Dollar geschätzt. Ich halte diese Rechnungen für etwas sinnfremd. Denn Bienen sind in Artengemeinschaften wichtige Mitglieder. Fahren Sie mal Fahrrad ohne Kette, bei einem Rad mit Kettenantrieb. Sind die Bienen tot, ist die Bewertungslogik kaputt. Was fehlt, kann nicht ersetzt werden. In China werden Menschen zur künstlichen Bestäubung bestimmter Nutzpflanzen herangezogen. Ob die fair bezahlt werden? Wollen Sie Arbeiten machen die jeder kann und intergenerational zu Konflikten führen? Das führt zu massiven sozialen Spannungen.

In Deutschland werden rund 80% der heimischen 2000 bis 3000 Nutz- und Wildpflanzen bestäubt. Das ist doch interessant. Wir wissen nicht einmal die genaue Zahl der Wildpflanzen bzw. der Tierarten in Deutschland, können aber den Wert der Bienen abschätzen? Obst, Gemüse wäre ohne Bienen qualitativ nicht so gut, sehen wir mal von den rein auf Zucker und Volumen gezüchteten Sorten ab. Hinter Rind und Schwein ist die Honigbiene zumindest finanziell an dritter Stelle. Wobei ich mich frage, ob denn die Schäden durch die massive Überproduktion und Überdüngung durch unsere Massentiermastanlagen gegengerechnet, die Biene nicht auf Platz eins hieven würden.

Deshalb treten die Imker auch im Einklang mit Naturschützern auf. Beide Gruppen möchten eine Umstrukturierung der Agrarförderung für Landwirte und eine Förderung der Fruchtwechsel plus einer Zuwendung zur einer höheren Arten- und Nutzpflanzenvielfalt. Es gibt beispielsweise die Durchwachsene Siphie, die anders als der Mais, ebenfalls als Energiepflanze genutzt werden kann und den Boden ganzjährig bedeckt, womit Kleinstlebewesen und Kleintieren mehr Habitate zur Verfügung stehen. Andererseits muß man auch mal abwarten, was mittel- und langfristig rauskommt bei den Studien.

Und dabei sind hier die Wildbienen noch gar nicht inbegriffen. Die Krönung, wild lebende Bienenarten bewirken einen doppelt so hohen Fruchtansatz bei gleicher Zahl an Blütenbesuchen. Mich wundert das nicht, denn wir sind die Ahnungslosen und Ignoranten, was Komplexität unserer Ökosysteme betrifft. Als Folge ist die Qualität der Bestäubung natürlich vom Vegetationstyp abhängig und damit auch von verschiedenen Bienenarten, die verschiedene Pflanzengemeinschaften bevorzugen und daran angepasst sind. Allein in Deutschland existieren mindestens 560 Bienenarten. Die Vielfalt an möglichen Habitaten und Anpassungen zeigt sich auch an beispielhaften Namen wie Harzbienen, Pelzbienen, Furchenbienen, Wollbienen, Sand- und Mauerbienen, Blattschneiderbienen, Hosenbienen. Viele sind zudem an bestimmte Pflanzen angepasst, verschwindet diese, verschwindet die Biene. Nun könnt man sagen, ja und, aber bekanntlich hängen sowohl an der Pflanze und an der Biene andere Arten gemeinsam im Ökosystem zusammen, auch wenn die Nahrungsquelle nur von einer Pflanze stammt, heißt das nicht, dass nicht Nistplätze oder Baumaterial der Bienen auch von anderen Lebewesen genutzt werden. Die meisten Bienen leben auch nicht Staaten bildend. Wildbienen sind zu 95% solitär und ein Weibchen sorgt für Nest und Nachwuchs. Es gibt auch Kuckucksbienen, die andere Bienen ihre Larven durchfüttern lassen. 293 Arten sind mehr oder weniger stark bedroht, 39 als ausgestorben eingestuft. Wen überrascht es, die industrielle Landwirtschaft macht keine Gefangenen.

Wir waren also beim Mais und beim Elektrosmogund Habitatsverlust für diverse Bienenarten. BASF, Syngenta und Bayer leisten massive Lobbyarbeit, um ein Verbot bestimmter Neonikotinoide abzuwenden. Das sind Pestizide. Die Hersteller behaupten, die Mittel seien zugelassen. Seltsamerweise dürfen nur Studien der Hersteller zur Zulassung herangezogen werden und keine unabhängigen. Das ist eine Frechheit und Unverschämtheit, die nur Irrsinnige zulassen können. Jetzt sind seit Dezember 2013 zumindest für zwei Jahre, Imidacloprid und Clothianidin von Bayer und Thiamethoxam von Syngenta verboten. Leider gilt das Verbot nicht für alle Gemüse- und Obstsorten. Und es gibt wesentlich mehr Gifte, die noch nicht einmal geprüft wurden.

Nun kommt noch etwas, die Varoamilbe, die geschwächte Völker natürlich besonders schädigt. Die Varoamilbe ist wie könnte es anders sein, von uns schön auf die ganze Erde verteilt worden. Bestimmte Völker sind anfälliger als andere, besonders Jungvölker, die im Wachsen begriffen sind, haben deutlich mehr Probleme. Der Klimawandel trägt auch dazu bei, neben der Überdüngung. Durch zu viel Stickstoff in unserer Umwelt werden Spezialisten rar und können oft nicht mit Nitrophyten konkurrieren. Zusätzlich kommen die verlorenen Gebiete oft nicht zurück, da sie kultiviert werden. Eine Renaturierung stellt selten den ursprünglichen Zustand wieder her. Durch die Änderung der Durchschnittstemperatur und Erhöhung von Umweltgiften kommen weitere Faktoren hinzu. Wir haben unseren Einfluss durch Freisetzung von Umweltrelevanten Stoffen zu stoppen. Die Amerikaner stressen Ihr Bienen zusätzlich durch riesige Trucks, die ganze Hundertschaften von Bienenstöcken zur Befruchtung der Industriekulturen durch die VSA fahren.

Wir haben also ein ganzes Bündel an Problemen. Und die wirken natürlich nicht unabhängig voneinander und ich wiederhole mich gerne, echte multivariate Studien in biologischen Systemen sind extrem komplex und teuer. Also finanzieren die Hersteller von Pestiziden und andere Großverdiener in der Agrarindustrie eher einfache Studien, die keine öffentlich negativ wirkende Signifikanz zeigen.

Vorgestern noch eine schöne Negativmeldung zum Thema Bienen von Foodwatch: Pollen sind demnach nun europarechtlich „natürlicher Bestandteil“ von Honig. Das bedeutet: Honig, der gentechnisch veränderte Pollen enthält, muss in Zukunft nicht mehr als solcher gekennzeichnet werden! Die EU-Kommission hat sich mit diesem Vorschlag wieder einmal gegen Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa gestellt. Hier mehr dazu. Ergänzen möchte ich dazu nur, Gene wirken nie allein verantwortlich für phänotypische Ausprägungen in Organismen. Wer GMO in die Umwelt freisetzt, setzt andere, die Umwelt und sich Gefahren aus, bewusst. Die kommerziell orientierten Gentechnologen wollen uns immer suggieren, als hätten sie die DNA im Griff und wüssten genau was sie zu tun und zu tun sei, es bestünde kein Risiko. Dabei gibt es überhaupt keine Studien dazu, die langzeitige Auswirkungen erforschen. Und außerdem stehen auch bei unmittelbar aufeinanderfolgenden Generationen immer wieder verwundert vor Phänomenen, die zeigen, dass schon bei der nächsten Generation die Genexpression verändert wird, wenn die Eltern bestimmten Umweltfaktoren ausgesetzt sind. Ein Schelm wer fragt, ob Arten gemeinsam oder jede schön für sich evolviert.

Ich frage mich ernsthaft, wie lange wir noch Wahnsinnige für uns entscheiden lassen, wie unsere Zukunft auszusehen hat, die keiner sehen kann, aber stetig beschworen wird von unseren Wirtschaftsweisen und Politikern.

Insofern spielen bei unseren täglichen Entscheidungen auch unsere Ernährungsgrundlagen keine Rolle. Wer braucht schon Bienen. Konsumieren Sie weiter synthetischen Schrott, der bald seinen Wert verloren hat.

Foto: Wikipedia


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