Ajoofa Menschenaffen

Links der Aufdruck für Ladys, mittig das Original vom Künstler und rechts ein Kinder-T-Shirt

Zugegeben, auch bei mir kamen sofort die Vorurteile. Warum müssen die Menschenaffen in Zoos, Tiergärten oder Auffangstationen jetzt auch noch für die Menschheit malen? Zoos, nein also lieber nicht. Denn ich gehe seit Jahren nicht mehr in den Zoo, weil ich dort depressiv werde. Aber manche Leute sind da pragmatischer und robuster als ich. Beispielsweise die Unternehmer von ajoofa, die Affenkunstwerke auf T-Shirts drucken und einen Teil des Erlöses an Tierschutzprojekte spenden.

Barito Orang-Utan   Barito, der Künstler vom Werk oben in der Mitte

Das ich nicht dorthin gehe, ändert natürlich nichts daran, dass manche Tierarten nur noch in Tiergärten oder Zoos überleben können. Und die dort lebenden Tiere können auch nichts dafür. Unsere, im Gegensatz zu uns, nicht expansiven Verwandten wie Gorilla, Schimpanse, Bonobo, Orang-Utan und keine Überraschung wir Menschen gehören zu den Hominiden oder wie der Deutsche sagt Menschenaffen. Zwangsläufig bringt das eine Menge Intelligenz mit sich und wer kennt das nicht, die Langeweile, die einen hin und wieder überfällt. Einige von uns Menschen malen. Wenn einige Individuen unter den Schimpansen, Bonobos, Orang Utans oder Gorillas Gelegenheit bekommen, malen sie auch. Nicht alle. Manche Künstler sind aus Tchimpounga im Kongo, dort wo Jane Goodall eine Auffangsstation gründete oder aus dem Meratus-Wald der Dayak auf Borneo oder einfach etwas fremder dem Tierheim Ulm. Ich bin neugierig und als mich Marcus Handvest anschrieb, antwortete ich mit meinen Bedenken und schlug ihm ein Interview vor. Marcus, Geschäftsführer von ajoofa hat die Fragen beantwortet:

1. Menschenaffen finde ich faszinierend, allerdings geht es mir bei fast allen biologischen Phänomenen so. Wie kommt Ihr dazu, Euch mit Menschenaffen zu beschäftigen?

Eigentlich hat sich dies erst durch die Gründung des Unternehmens ergeben. Privat haben wir uns immer für die Natur und ihre Geschöpfe interessiert. Aber in einem normalen Rahmen. Als wir durch Zufall von den malenden Affen gehört haben, haben wir uns immer mehr mit der Thematik auseinandergesetzt und eines kam zum anderen. Wir haben die Hoffnung, anhand dieser Idee Menschen für Mode, Tierschutz und Nachhaltigkeit zu begeistern und diese Themen in den Alltag zu transportieren. Die relative hohe Anzahl an Biologen mit Schwerpunkt Primaten in unserem Bekanntenkreis hat dem sicherlich noch einen kleinen Anschub gegeben.

2. Warum ist sinnvoll Menschenaffen in Zoos Malen zu lassen? Wir haben ja schon kurz über die Kritik an Zoos gesprochen.

Zuerst möchten wir betonen, dass nicht nur in Zoos gemalt wird. Tiere leben auch aus anderen Gründen nicht in der freien Natur. So wird z. B. auch in der Schimpansenauffangstation des Jane-Goodall-Instituts im Kongo gemalt. Die wachsende Kritik und das Misstrauen gegenüber Zoos haben sich zurecht vor allem durch Tierschutzorganisationen in den letzten 20 Jahren extrem verändert. Aus diesem Grund müssen die zoologischen Einrichtungen ihre Haltungsbedingungen ständig überdenken und an die neuesten Erkenntnisse anpassen. Größere Gehege, Gemeinschaftsgehege und Beschäftigungsangebote (Behavorial Enrichment) sind nur einige dieser Veränderungen.

Das Malen mit Menschenaffen ist nur ein kleiner Teil dieser Beschäftigungsangebote und wird nur von wenigen Tieren, meist Menschenaffen – und da auch nur wenige Individuen, angenommen. Es ist aber auch die Form der Beschäftigung, die uns die Ähnlichkeit von Mensch und Affe am besten begreifen und aufhorchen lässt. Durch den Werkzeuggebrauch in der freien Natur ist der Umgang mit Pinsel für Menschenaffen eine ähnlich intelligente Form der Aktivität.

Im Zoo Krefeld hat sich die Idee den Orang-Utans Farben anzubieten eher durch Zufall entwickelt. Sita hat sich das Malen bei einer älteren Dame abgeschaut, die regelmäßig zum Zeichnen von Tierporträts in das Affenhaus kam. Sita hat irgendwann begonnen mit kleinen Stöckchen im Rindenmulch zu „kritzeln“. Die Zooangestellten gaben ihr daraufhin Wachsmalstifte und Sita malte wie selbstverständlich darauf los.

3. Malen die Menschenaffen wirklich freiwillig? Oder ist es nur ein schlechter Ersatz, so wie der Tiger im Zirkus irgendwann den Dompteur gelangweilt/überfordert/nicht artgerecht gehalten anfällt?

Die Haltung in zoologischen Einrichtungen und im Zirkus ist nicht zu vergleichen. Ein ganz wesentlicher Unterschied ist, dass der Zirkus dressierte Tiere vorführt. Die Zoos sehen ihre Aufgabe im „aufklärenden“ Bereich – zumindest der überwiegende Teil hier in Mitteleuropa. Der Natur nachempfundene Gehege, Aufklärung und eine naturnahe Verhaltensweise der Tiere sollen gezeigt werden. Natürlich gibt es auch dressierte Tiere, die malen. Davon distanzieren wir uns aber ausdrücklich.

Die Partner mit denen wir zusammenarbeiten, beschäftigen die Tiere unter anderem mit Malsessions. So erhalten die Tiere in einem separaten Bereich Farben und Papier zur Auswahl. Es findet kein direkter Kontakt zum Menschen statt und das Malen wird nicht in der Öffentlichkeit veranstaltet. Das Tier soll dieses Angebot als Rückzugsmöglichkeit und Beschäftigung wahrnehmen können. Hat das Tier mal keine Lust, dann verleiht es dem übrigens dadurch Ausdruck, dass das angebotene Material „bespielt“ wird und dabei auch mal zu Bruch geht.

4. Malen alle Menschenaffenarten, also Gorilla, Bonobo, Schimpanse und Orang Utan? Die Unterarten lassen wir einfach mal weg.

Wir selbst arbeiten bisher mit Orang-Utans und in naher Zukunft eventuell mit Schimpansen zusammen. Zu anderen Tieren hatte ajoofa bisher keinen Kontakt. Wir können daher nicht mit Sicherheit sagen, ob weitere Tiere wirklich freiwillig malen.

5. Seht Ihr die Stimmung der Menschenaffen anhand der Werke? Gibt es freie Materialwahl wie Farben, Pinsel z.B.?

Die Interpretation eines jeden Gemäldes obliegt natürlich der Fantasie des Betrachters. Aber man kann schon Unterschiede sehen. Meist werden Farben aus dem eigenen Fressverhalten gewählt. Bananengelb, Pflaumenlila … Die Orang-Utans bekommen verschiedene Farben und Papiere zur Verfügung und kombinieren diese dann auch völlig selbstständig. Oft wird dann noch Stroh mit eingearbeitet, was einen ganz besonderen Effekt erzielt. Jeder Affe hat seine eigenen künstlerischen Eigenheiten. Barito aus Krefeld dreht nach Fertigstellung seines Bildes den Rahmen um und „wischt“ über die Rückseite. Er erkennt somit Vorder- und Rückseite, wir interpretieren es als Signatur des Künstlers ;).

6. Liegen Euch bestimmte Zoos künstlerisch etwas näher am Herzen oder habt Ihr verschiedene Favoriten? Schließlich ist Menschenaffenkunst doch sicher kulturbezogen ausgeprägt?

Wir arbeiten ausschließlich mit Zoos zusammen die wir besucht und mit den Menschen vor Ort gesprochen haben. Bisher arbeiten wir mit Zoo Krefeld und Zoo Osnabrück zusammen. Der Zoo Krefeld ist extrem bemüht und sehr offen in allen Bereichen, außerdem war er der erste Zoo, der uns mit unserer damals nur auf Papier festgehaltenen Idee unterstützt hat. Der Zoo Osnabrück arbeitet derzeit an den Verbesserungen der Orang-Utan Gehege und wir möchten einen Teil zum Erwirtschaften dieser Gehege durch den Verkauf der Shirts beitragen.

7. Ist ajoofa auch nett zu den anderen Menschenaffen, uns? Wo produziert Ihr und zu welchen Konditionen?

Unsere Produkte sind alle unter fairen Bedingungen produziert. Fast alle Produkte sind entweder GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifiziert, oder werden von Fair Wear Foundation Partnern hergestellt. Die erste Kollektion wurde in Portugal produziert, die Hersteller haben wir persönlich besucht. Die Textilien der aktuellen Kollektion wurden in Bangladesch produziert, die Drucke in Deutschland aufgebracht.

Für die Produktion in Bangladesh haben wir uns bewusst entschieden. Die Standards für Arbeiter in Bangladesch sind nicht vergleichbar mit denen in Europa. Wir sind aber der Meinung, dass wir bei den Missständen in der Textilbranche nicht einfach wegschauen dürfen oder die wichtige Arbeit für die Menschen vor Ort in ein anderes Land verlagern. Mit strengen Regeln durch Fair Wear Foundation (gesetzliche und menschenwürdige Arbeitsbedingungen) und GOTS (weltweiter Standard für Textilverarbeitung aus biologisch erzeugten Naturfasern und Sozialkriterien) möchten wir die wichtigen Einkünfte für die Einheimischen auch weiterhin garantieren – in einer sicheren Arbeitsumgebung mit fairen Löhnen.

8. Ist ajoofa nachhaltig umweltfreundlich, was sind die Ausgangsstoffe?

Unsere Textilien werden aus Biobaumwolle (kbA – kontrolliert biologischer Anbau) hergestellt. Die Motive werden mit wasserbasierter Farbe gedruckt. Für Versand- und Werbematerial verwenden wir Recycling- oder FSC-Material.

9. Was für Farben nutzen die Zoos? Nicht das die Menschenaffen sich vergiften.

Die Tiere bekommen nur kleine „Portionen“ und arbeiten mit Fingerfarbe, Kreide oder Buntstiften – alles absolut giftfrei. So kann auch mal Zitrone „probiert“ werden.

10. Stichwort Transparenz, was macht ajoofa dafür?

Wir informieren unsere Kunden per Website, Blog und Social Network. Man findet Informationen und Fotos über die Produktion, die Beschäftigung von Tieren und wann/wo unsere Spenden hinkommen. Die einzelnen Projekte werden vorgestellt, so kann jeder nachvollziehen, was mit dem Verkauf „seines“ Shirts unterstützt wird.

11. Was sagt Ihr Veganern, wenn die Menschenaffen Fleisch essen?

Am natürlichen Kreislauf können wir nichts ändern. Jeder Vegetarier, Veganer oder Frutarier hat den gut gemeinten Wunsch in der Welt etwas zu verändern. Die Wahrheit ist aber viel komplexer. Denn z. B. auch ökologischer Ackerbau zerstört das Ökosystem und egal was wir essen, wir nehmen vielleicht dadurch einem Tier die Nahrungsquelle oder Lebensraum. Hier kann man durchaus mal den Sojaanbau in Indonesien erwähnen, der die Wälder rodet und den Orang-Utans den Lebensraum nimmt. Was bei uns also als Bio verkauft wird, muss vor Ort nicht unbedingt biologisch erzeugt worden sein. Aber wir können die Veganer etwas beruhigen, denn die Menschenaffen sind eher Pflanzenfresser. Fleisch essen sie selten …

12. Wie gehen die Zoos mit ajoofa um?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche Zoos sind sehr aufgeschlossen und unterstützen uns. Andere dagegen verstehen unseren Grundgedanken noch nicht. Sie möchten weiterhin günstige Werbeartikel-Shirts in den Zooshops verkaufen.

Billig produzierte Ware dürfte eigentlich im Zusammenhang mit dem „tierlieben Kunden“ gar nicht erst angeboten werden. Wenn wir es schaffen Zoos, Kunden und Naturschutzprojekte unter einen Hut zu bekommen, dann werden wir langfristig gesehen mehr Aufmerksamkeit für die Tiere und somit neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit finden. Und zwar im positiven Sinne für Mensch, Tier und Natur.

13. Wo kann ich ajoofa T-Shirts von den Künstlern aus den Zoos kaufen?

Im Zooshop des Krefelder Zoos können unsere Produkte gekauft werden. Osnabrück ist noch in der Entscheidungsphase. Des Weiteren haben wir verschiedene Einzelhändler, die unsere Produkte bereits führen. Eine Auswahl davon gibt es auf unserer Webseite ajoofa.

14. Wenn Du einen Wunsch freihättest, würdest Du den anderen Menschenaffen Menschenrechte zugestehen?

Die Rechte, die eingefordert werden sollen beinhalten, dass Menschenaffen unter unwürdigen Bedingungen zu halten, sie zu jagen oder ihren Lebensraum zu zerstören strafbar ist. Natürlich ist dies auch ein großer Wunsch von uns. Der Mindestlohn den wir uns für die Tiere wünsche wäre, dass sie in Zukunft genügend natürlichen Lebensraum bekommen um auch noch in vielen Jahren durch den Wald zu hangeln. Als ersten Schritt fangen wir bei ajoofa damit an, denn insgesamt 7% unseres Umsatzes gehen an die Tierbeschäftigung und Artenschutzprojekte.

Bilder: PR ajoofa


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