Veganer Mittag

Mein Kaffeetisch. Lecker.

Vegan. Veganer. Veganesk. Sind Veganer die besseren Ökologen? Meine Zweifel und Argumente gegen den Fleischkonsum und meine Frau haben bewirkt, dass ich nur noch wenig Fleisch esse. Nicht immer von glücklich gehaltenen Tieren, aber doch am häufigsten. Nun stehe ich häufig vor den Regalen und überlege, wie ich mich gesund und ökologisch ernähre. Und nicht zu viele Menschen sozial vor den Kopf stoße, in der heutigen weich geklopften PC-Gesellschaft der Ersten Welt.

ABER, ich mache mir natürlich Gedanken und frage mich, was passiert, wenn alle Menschen vegan leben? Denn ehrlich, vegan ist nicht immer lecker. Auch wenn jetzt viele Veganer aufschreien. Möglich ist natürlich selber kochen und herausfinden, was dem Gaumen mundet. Ich bin verseucht. Mein Geschmack wurde ertränkt nach der Wende mit Schrott aus der kapitalistischen Kultur. Denn ich bin in der DDR geboren.

Alle 7,5 Milliarden Menschenbürger grasen friedlich vor sich hin und denken an nichts Böses, nur nicht das Mitglied der Gruppe, das nach den nichtmenschlichen Fleischfressern ausguckt. Oder fressen die auch nur noch veganes Material? Geht das überhaupt, dass alle kein Fleisch essen? Was machen die letzten verbliebenen Naturvölker? Dürfen die jetzt keine Eier mehr schlürfen und keine fetten Maden oder Wildscheine mehr kochen? Was machen Raubtiere? Aussterben? Oder werden sie genetisch modifiziert?

Kürzlich bekam ich einen Newsletter mit der großartigen Idee, doch meinen Hund mit fleischlosem Futter zu beglücken. Ich habe keinen Hund, deswegen werde ich meinen Hund nicht dazu bewegen, lecker vegane Wurst zu verschmähen. Und ihn so lange hungern zu lassen, bis er das Zeug frisst oder verhungert. Bekomme ich dann Ärger mit dem Tierschutz? Oder sind Tierschützer auch alle vegan?

Was verspreche ich mir als imaginärer Veganer mit einem Carnivoren als Haustier davon? Oder haben Veganer nur vegane Haustiere? Wenn ein Veganer sich einen Vogel hält, woher weiß er dann, dass der Vogel nicht auch Insekten und anderes Kleingetier frisst. Was halten Veganer von Omnivoren? Bruder Vogel ist quasi die Ursache für Tierleid. Denn die Nahrung, selbst wenn vegan tritt in Konkurrenz zu der Nahrung für wild lebende Tiere oder? Überhaupt frage ich mich, überlassen wir alles, was wir sonst gegessen hätten, also Fleisch von Tieren, dann den natürlichen Vorgängen in der kultivierten Wildnis, beispielsweise in Mitteleuropa? Rehe, Hirsche, Hasen, Kaninchen, Vögel en masse, wenn sie nicht ziehen und in Spanien und Italien weggefressen werden von Nichtveganern. Wildschweine werden dann in Ruhe gelassen und vermehren sich wie wild ohne natürliche Feinde.

Mir ist nur zu bewusst, dass Veganer auf industrielle Massentierhaltung und Tierversuche für Produkttests abzielen oder doch eher auf ihre eigenes Wohlbefinden. Oder sich einer tiefenökologischen Läuterung unterzogen haben, die über dieses profane Denken hinausgeht. Sondern auf eine ästhetisch und emotional empathische Basis setzen, die schlicht Leid in der Welt vermeidet, an Tieren, an Säugetieren, an Menschen. Zusätzlich dazu aber, wie finden das die Trillionen Bakterien in uns dazu, die auf einmal absterben, ganze Völker werden ausradiert, in uns, auf uns, vielleicht. Brutal, aber diese Völker waren ja vorher nicht in den Massen hier, vor der industriellen Massenmenschhaltung. Andererseits steuern uns unsere Bakterien ja auch ein bisschen, wir sind ja Symbionten und soziale Wesen. Warten wir dann auf eine Seuche, die sich zwangsläufig irgendwann den Weg durch die vermehrt auftretenden Populationen von Tieren bahnt? Überlassen die Veganer die kranken Tiere dem Tod durch was immer, wenn die Krankheit es nicht schafft? Oder dürfen das die Nichtveganer besorgen? Ist ja ein bisschen widersprüchlich und feige, oder? Haben wir mit oder ohne die Mikroorganismen noch das gleiche Bewusstsein? Was ist Bewusstsein? Was wenn die Nichtveganer alle von den Bakterien gesteuert werden, die Fleisch präferieren?

Gibt es unter Veganern eigentlich einen Hang zur Sterbehilfe?

Wikipedia => Als Motive für eine vegane Lebensweise werden von ihren Anhängern Argumente aus den Bereichen Tierethik, Tierrechte, Tierschutz, Umweltschutz, Gesundheit, Verteilungsgerechtigkeit, Welternährungsproblematik sowie religiöse und herrschaftskritische Ansätze angegeben.

Circa 0.1% der Bevölkerung lebten vegan (2008) also 80000, 2012 waren es schon 600.000 Menschen in Deutschland. Könnten die vegan leben ohne den Rest der nichtveganen Bevölkerung? Wäre es möglich ohne die petrochemische Basis unserer Wirtschaft und den Rest der nichtvegan lebenden Bevölkerung? Kürzlich auf Recherchetrip war ich in einem Veganerlebensmittelshop. Vor gefühlt 50 verschiedenen Sorten Riegeln habe ich kapituliert und mir von den 20 verschiedenen Eissorten ein Stieleis geschnappt, um meinen Frust mangels geeigneter Anwendung der Entscheidungstheorie abzubauen. Das hat meine Ökobilanz ein bisschen versaut an dem Tag. Muss ja auch gekühlt werden so ein Veganereis. Ökologischerweise bin ich die 20 km hin und zurück mit dem Rad gefahren. Glück gehabt. Eigentlich müsste ich dafür doppelt belohnt werden, denn in der Zeit auf dem Rad kann ich ja nichts anderes machen und entlaste meine Umwelt, während im Auto ja oft noch diverse andere Tätigkeiten möglich sind.

Veganer lehnen auch Honig ab, da es Massentierhaltung ist und die Tiere ja bestohlen sowie künstlich gehalten werden. Das Bienensterben kann als weiterer Beweis für die Ausbeutung der Tiere gesehen werden.

Davor war ich in einem veganen Schuhshop. Ein nicht geringer Teil der Materialien für die Schuhe war aus petrochemischen Produkten hergestellt. Ist das die Lösung? Aus petrochemischen Produkten Schuhe tragen. Wie ist das Massensterben von Tieren im Golf von Mexico oder die Verseuchung auf den Teersandfeldern in Kanada damit vereinbar? Also Tierleid. Auf welcher Ebene bzw. wie nah ist sozial? Sind wir dann noch handlungsfähig?

Ein weiteres Problem, Pflanzen kommunizieren, sie erzählen sich von Angreifern, Verletzungen und Bedrohungen, artübergreifend. Ist das ein höheres Bewusstsein oder reine biologische Informationstechnologie? Was passiert, setzen die Pflanzen vermehrt Biochemie ein, um uns abzuwehren? Evolvieren Pflanzen dadurch schneller? Sind diverse menschliche Probleme wie Allergien und Neurodermitis dadurch beschleunigt, dass Pflanzen, darunter zahlreiche Neophyten, Abwehrstoffe freisetzen, deren Kombinationen neu sind, durch den urbanen Stress? Kann der Veganer da freien Herzens noch Guerilla gardening betreiben?

Fleisch:

Alle Weichteile von Tieren und Menschen oder er Verordnung (EG) Nr. 853/2004 alle genießbaren Teile (einschließlich Blut) von Huftieren (Haustiere der Gattungen Rind, Schwein, Schaf und Ziege sowie als Haustiere gehaltene Einhufer), Geflügel, Hasentieren und frei lebendem Wild.

Da passt veganer Klumpmatsch nicht rein, aber überall gibt es vegane Wurst und veganes Fleisch. So bezeichnet als Orientierungshilfe für und potenzielle Veganer. Verwirrend, nicht wenn man weiß, warum man Veganer ist.

Deshalb kommen wir mal zu den Argumenten für vegane Ernährung.

Einmal gibt es genug Vitamin B12 auch in den Pflanzen, aufgrund der hohen Konzentration in Fäkalien unserer Tierproduktion und der Verwertung menschlicher Fäkalien in der Landwirtschaft. Super oder? Da kann sich der Veganer gar nicht ohne fleischliche Kost ernähren, wenn auch auf Umwegen. Sonst kann es zu Mangelerscheinungen kommen bei Industriestaatenveganern, denn nach 5 bis 10 Jahren sind die Vorkommen aufgebraucht in der Leber.

Fakt ist, dass wir massiv Wälder für die Tierhaltung abholzen, unsere Umwelt stark überdüngen und bestimmte Trophiestufen übernutzt werden und damit die Energiebilanz schlechter wird. Das führt zum Klimawandel und Artenverlust und immer stärkerer Machtkonzentration in unseren Gesellschaften, da die Möglichkeit sich autark zu ernähren immer mehr reduziert wird. Weniger räumliche biodiverse Funktionalität, dafür mehr überregionale Funktionalität durch Optimierung in den Managementetagen. Oder Entkopplung, im Englischen nennt man das Dissembedding. Folglich müssen die sozialen Spannungen steigen. Wir werden abhängig von Leuten, die ja in einer Welt aufwachsen, die von liberal legitimierten Gedanken wie dem egoistischen Menschen, dem Homo oeconomicus ausgeht. Wie können wir da erwarten, dass Menschen in hohen politischen Ämtern oder anderen Funktionen nicht egoistisch agieren. Abgesehen von der Idee der beschränkten Rationalität, die ja ebenfalls viele speziell ausgebildete Menschen für eben jene Funktionalität auch beeinflusst, quasi dem ohnehin übersteigerten Ego eine weitere Ausrede für Versagen in ebenjener Funktion bereitstellt. Egal, hat alles nichts mit Veganern zu tun? Außer, eben, dass ein Veganer mit einem Hektar Land zumindest seine Familie und sich ernähren kann. Kein Land, keine Ernährung, keine Unabhängigkeit oder wie sagte Monsanto doch gleich, die Samen aus unserem Samengut bitte nicht für neues Saatgut benutzen, sonst kommen unsere Anwälte. Da ist sie wieder die künstlich erzeugte Abhängigkeit. Jetzt muss sich der Veganer also einen Kopf machen, wie er existieren kann, ohne eigenes Saatgut, ohne eigenes Land (Stadtmensch), ohne Zeit sich einen Ausweg auszudenken, außer einen Billigjob anzunehmen und mit allen anderen Landlosen zu konkurrieren. Sind Veganer weniger aggressiv?

Aggression ist trainierbar. Auch als Veganer? Sind Veganer wehrhaft oder sind sie nur eine gut verdienende Elite bzw. eine Minorität, die sich salopp gesagt von dem Rest der Bevölkerung haushalten lässt oder das Glück zu den Landeigentümern zu gehören? Nicht unabhängig in der Ernährung? Warum ändert sich nur langsam etwas? Stellen sich die traditionellen Kräfte in unserer Bevölkerung auf eine neue formale Basis, die grün deklariert wird, aber die Macht dort belässt, wo sie ist? Ich denke ja. Aber ich bin auch noch ein beschränkter Quartalsfleischfresser.

Auch egal, ich bin ab jetzt vegan, fast vegan. Ich werde ab heute alles so weit abwägen, dass ich handlungsfähig bleibe. Damit wir alle was davon haben, stelle ich hin und wieder verschiedene Produkte, Unternehmen und Möglichkeiten vor, sich anders zu verhalten. Vegan zu sein, ist für mich Teil einer reinen Notwehr, sowohl politisch, ökologisch und sozial. Wenn es mir dabei schlecht gehen sollte, esse ich wieder Fleisch, was unwahrscheinlich ist, da ich jetzt schon nur ein oder zweimal Fleisch in der Woche esse. Mehr und mehr mit Ekel, denn der Geruch und der Geschmack sind meist alles andere als appetitlich. Aber manchmal fällt er mich an, der Fleischfresser in meinem Kopf. Dann schmeckt mir Fleisch, aber danach bemächtigt sich wieder der Zweifel meiner Psyche. Ich bin wacher ohne Fleisch und brauche weniger Kaffee. Das kann natürlich von der genetischen Prädisposition bzw. meiner Kindheit abhängen.

Allerdings esse ich auch noch viele Milchprodukte und nutze auch Textilien, die von Tieren stammen. Das versuche ich plausibel abzuschätzen. Ich werde die Produkte bis zum Ende nutzen. Und alles umstellen. Es sei denn, wir finden eine umfassendere Lösung. Wenn ich jetzt Veganer werde, darf ich eigentlich keinen Käse mehr essen. Der hat oft eine schlechtere Energiebilanz als Fleisch. Wenn ich keine Milch mehr trinke, darf ich keinen Kaffee mehr trinken, denn Kaffee ohne Milch schmeckt mir nicht. Das verbessert meinen virtuellen Wasserverbrauch erheblich und reduziert zudem meinen CO2-Abdruck. Und ich kann Antiveganer oder -vegetarier oder einfach Ignoranten und Verdrängungskünstler damit ärgern. Aber das schränkt meinen Beliebtheitsgrad natürlich ein.

Ökologisch gesehen sind wir Omnivoren. Vegan gesehen nicht. Da sind wir Herbivoren. Wenn zu viele Herbivoren auftreten, ohne durch Carnivoren dezimiert zu werden, fressen sie alles auf, wenn nicht ein Parasit oder eine Krankheit auftritt. Allein die Konsequenz aus diesen Gedanken ergibt, dass jede Erweiterung des Speiseplans uns unsere Umwelt stärker ausbeuten lässt. Ohne dass ich medizinische und andere technologische Errungenschaften unserer so glorreichen Zivilisation anführe. Wenn ich Letztere zulasse, dann werden wir auch als Veganer zu viele sein. Das ist kein netter Gedanke, oder?

Ich freue mich über jeden, der seinen Fleisch- und Fischkonsum überdenkt, denn die Nahrungsnetze sind überlastet und es erfolgen Änderungen in den trophischen Kaskaden. Das bedeutet beispielsweise, dass immer mehr Quallen in bestimmten Regionen auftreten, weil es nicht mehr genug Fressfeinde gibt. In Südamerika an der Ostküste gibt immer mehr Kalmare im Humboldtstrom, weil wir so viele Haie töten und nicht nur dort ändern sich die Artengemeinschaften und -verteilungen. Die Quallen bzw. Kalmare haben natürlich ein Fressbedürfnis und fressen entsprechend ihren Präferenzen. Das führt wiederum zu Änderungen in Qualität und Quantität der Beutetiere. Kleinere bisher intakte Nahrungsnetze in unberührten Gebieten können so zerstört werden, abgesehen von größeren Verschiebungen überregional und global. Beispielsweise können vermehrt auftretende Quallen lokal ganze Generationen von Krebstierchen auslöschen, die sonst ebenso Fischschulen als Nahrung dienen, dadurch können verschiedene Trophiestufen ausfallen, die wiederum der nachfolgenden Stufe als Nahrung gedient hätten. Bestimmte Regionen werden so verschiedener Möglichkeiten beraubt, sich wieder in ein dynamisches Gleichgewicht zu bewegen. Schwankungen sind normal, aber nicht der großräumige intergenerationale Ausfall ganzer Trophiestufen.

Und seien wir mal ehrlich, selbst korrekt aufgezogene Viehhaltung mit einem Supersiegel würde uns alle nicht ernähren können. Wir sind einfach zu viele. Und selbst wenn wir alle vegan leben wollten, brauchen wir eine Übergangsphase. Vegetarisch wäre nicht das Problem, zumindest nicht kurzfristig. Insofern finde ich die Veganer etwas überzogen in ihren Forderungen. Denn wenn wir alle vegan leben, woher kommt unsere Kleidung? Aus der Petrochemie? Von Baumwollfeldern? Das geht nur, wenn wir lokale und regionale Strukturen aufbauen, die unabhängig sind, von äußeren Einflüssen. Nicht von Ideen und Menschen, sondern von großen Materialflüssen und administrativen Blutsaugern und Räubern, die uns einreden wollen ihnen gehöre nicht nur physische Welt, sondern auch Eure Gedanken und Eure Innovationskraft.

Es kommt immer anders, wenn man denkt. Wir können denken und die Zukunft ist offen.

Euer El Wood

 

 

 


Subscribe to comments Both comments and pings are currently closed. |
Post Tags:

Browse Timeline


Comments are closed.


© Copyright 2007 GREENDELICIOUS . Thanks for visiting!