Vegane Schuhe Avesu

Asmonas neue Ballerinas.

Schuhe. Wenn ich die Vielfalt an Schuhen im Alltag betrachte, denke ich sofort an einen kollektiven Fetisch. Aber wen wundert es wirklich, bei dem Marketingaufwand, der betrieben wird? Goethe soll auch Schuhfetischist gewesen sein. Aber die meisten von uns haben ja auch Füße. Heute schaut entsprechend nicht nur Frau nach Schuhen aus, jede Altersschicht, jedes Geschlecht zeigt sich in ausgewählt schönen Schuhen. Schön ist dabei selbstverständlich Geschmackssache.

Kollektiver Schuhfetisch

Ob nun die IT-ler mit Jeans und eckigen schwarzen Halbschuhen oder die Marketingleute im Anzug mit rahmengenähten Klassikern oder Texter, Artdirektoren mit irgendwelchen Sneakern von A. McQueen, D. Dash oder handgefertigten Sorel, wenn sie gerade keine Kunden zu Besuch haben. Oder es wird Limited Edition Stangenware gekauft und gesammelt von Converse, Puma, Ethnies und anderen Mainstreamern. Die Damen laufen sich die Hacken ab. Mal in zu großen Schuhen, mal in zu kleinen, selten in anatomisch passenden. Das ewige High-Heel-Thema für den Lordoseeffekt oder Stiefel, in Leder, als Gummivariante oder Ballerinas in allen Erscheinungsformen, Schuhe über alles. Als ob wir nicht mehr barfuß laufen können und dürfen. Allerdings möchte ich in vielen Bereichen nicht barfuß laufen.

Neuerdings tauchen so ökofeine Fußummantelungen wie Oat Shoes auf oder verschwinden wieder wie Boombuz. Kavat, ein altes schwedisches Traditionsunternehmen wurde wieder belebt mit ökologischer Aufstellung. PR-Leute tragen ihre Kundenware, je nachdem wie offiziell das Ganze ist. Das kann gut aussehen, muss es nicht. Andere sammeln Basketballstiefel von MJ 23, die seit Ende der 1980er läuft.

Veganer Schuhe

Nicht nur Schuhe, sondern auch Gummistiefel und vegane Taschen bei Avesu.

Was mir aber auffällt, fast alle Schuhe sind oft nicht ökologischer Natur oder sind selbst bei vielen teuren Produkten schlecht verarbeitet. Ehrlich, wenn ich zweihundert oder dreihundert Euro für ein paar Schuhe ausgebe, möchte ich nix Verklebtes mehr sehen, sondern Nähte. Denn die hochwertige Verarbeitung ist kein Problem mehr, nur, wer will schon Schuhe, die ewig halten. Ich. Oder zumindest welche, die kompostierbar sind. Oder welche die so gut von der Basis sind, dass ich den Handwerker bitten kann, seine Kunst anzuwenden, um mir Teile zu ersetzen. Den idealen und wirklich ewigen Schuh gibt es freilich nicht, denn unsere Füße werden am lebendigen Leib gefoltert und altern, verändern sich, je nachdem wie wir uns kümmern, mal mehr mal weniger gut für uns. Die Form passt sich so dem Alter an, dem Zustand des Skelettes, der Sehnen und der Muskulatur und natürlich dem Bindegewebe. Gewisse Schuhe gewinnen unsere Zuneigung, wohl vor allem, weil wir sie tragen und wir uns dann logisch, irgendwann damit identifizieren. Warum eigentlich nicht also wirklich gesunde Schuhe, wenn wir schon glauben, Schuhe in diversen Formen und Farben tragen zu müssen. Also weg mit dem quantitativen Fetisch, hin zu einem qualitativen.

Für Veganer haben sich die Macher von Avesu gedacht, kann etwas getan werden. Die Schuhe sind frei von tierischen Stoffen, egal ob Kleber oder Leder, die häufig problematischen Materialien. Vor sechs Wochen habe ich das gute Wetter genutzt und mir das Avesu-Geschäft in Altona angesehen. Es gibt eine reichhaltige Auswahl. Online finden sich 317 Schuhe, Schuhcreme, Einlagen u. ä. nur für Herren, bei Damen 468 und für Kinder immerhin 42 Produkte für die Füße.  Freilich nicht immer alles Schuhe.

Die Ökoschuhverkäuferin gab natürlich zu, dass man zwar tierfrei sei, aber nicht ohne Kunststoffe auskommt. Einige Hersteller wussten nicht mal, dass sie vegane Schuhe herstellen. Wobei mir da eine paläontologische Frage kommt. Sind Kunststoffe nicht Kohlenwasserstoffe und die wiederum können von Tieren stammen? Allerdings leiden die selbstverständlich nicht in der rezenten Flora und Fauna der Menschenwelt. Aber der Verbrauch von fossilen Energien führte uns ja in die Sackgasse aus zahlreichen Menschen nebst Entkopplung realer ökologischer Finanzierungsmöglichkeiten von real schwachsinnigem Kapitalismus. Also zum industrialisierten Tierleid. Ironischerweise gäbe es wohl kaum Veganer ohne die massive Naturzerstörung. Doch jeder beginnt von vorne, wenn er auf die Welt kommt. Warum also nicht etwas an der Stellschraube für ein zeitgemäßeres Bewusstsein drehen und etwas veganer handeln. Auch plädieren viele Material- und Umweltwissenschaftler für einen subsistenziellen Umgang mit fossilen Rohstoffen, da sie ja endlich sind. Ich tendiere dazu ihnen zuzustimmen, aber nur im Sinne von Upcycling und ohne weitere Tiefseebohrungen und forciertes Fracking.

vegane schuhe avesu

Doc Martens hat relativ viele vegane Schuhe im Angebot.

Das Problem nur mit den Kunststoffen ist, der ganze Abrieb gelangt auf unsere Straßen, in unsere Wohnungen, allgemein in unsere Umwelt und wer sich mal mit der Plastik oder Kunststoffproblematik beschäftigt hat, der weiß, dass es eine umfassende Kontaminierung unserer Umwelt mit abrasierten Kohlenwasserstoffen gibt. Die Kunststoffe stecken oft in den Sohlen, zweckgebunden kontaktieren die Sohlen regelmäßig den Boden. Es gibt ein paar Hersteller, die auch das Problem lösen und bei ihren Produkten sind die Partikel, die auf der Straße oder wo auch immer abgerieben werden, biologisch abbaubar, allerdings in verschiedenen Zeiträumen und unter bestimmten Bedingungen.

Mein Traumschuh

Rahmengenäht. Genäht. Bei leichtem Schuhwerk auch mal bionisch verklebt. Alle Teile austauschbar und kompostierbar, pflegeleicht bzw. -gerecht, in der EU hergestellt, besser noch in Deutschland oder gleich nebenan beim Handwerker. Und natürlich sozial produziert, nicht dass der Produzent ein paar billige Sklaven aus Bangladesch im Keller beschäftigt. Das Material natürlich aus Germany. Es ist ja nicht so, dass wir nicht temporäre Produkte kaufen können, aber sie sollten sich, wie schon erwähnt und technologisch möglich, problemlos unter Sonnen- oder Temperatureinfluss und mit Hilfe von natürlichen Organismen abbauen. Leder, wenn dann bitte aus ökologischer Gewinnung und vegetabil bzw. mit in der Natur vorhandenen Farben gegerbt. Und der Schuh sollte anatomischen Bedürfnissen gerecht werden und nicht einer antrainierten Optik, die alle zwei oder drei Jahre wechselt. Vergangene Legionen von Schustern und Schuhproduzenten wissen, wie sich gute Schuhe fertigen lassen und das Wissen ist nicht fort, noch nicht. Ich persönlich trage einige Schuhe schon über sieben Jahre, meine Frau hat sogar schon länger ein paar qualitativ hochwertige Schuhe im Schrank. Das hängt natürlich auch von den gelaufenen Kilometern ab.

Avesu

Es gibt drei Geschäfte. zwei in Berlin, einen in Hamburg. Den habe ich besucht. Auf der Onlineseite von Avesu findet sich das ganze Portfolio. Leider sind die Materialangaben bei einigen Labels etwas dürftig, wenn ich mir ein spezielles Paar Schuhe ansehe. Das kann für den Käufer/Interessanten komfortabler aufgelöst werden. Schließlich definiert sich der Vegane über wohl artikulierte und durchdachte Kritik am Mainstreamverhalten und wählt entsprechend aus. Wo hergestellt wird, erfährt man auch nicht bei jedem Schuh. Ich möchte als Kunde nicht extra suchen gehen.

Veganer Herrenschuh

Owen Black Red Sole, ein veganer Buisnessschuh.

Also jetzt mal zu den Marken. Fast alle sind nachhaltig sehr weit vorn. Unter der Maßgabe, geringe Transportwege, wenig oder kein Kunststoff, keine Sweatshops bzw. lokale Herstellung, KMU, kompostierbar, organisches Wachstum, möglichst regionale Vermarktung, könnt ihr selbst entscheiden, was Euch anspricht. Zu den Transportwegen, ich weiß um die Problematik der Vermarktung und des Vertriebs, die alle nachhaltigen Start-ups betrifft, nämlich genügend Kunden zu finden, um überhaupt davon leben zu können und folglich strukturelle Veränderungen herbeizuführen. Wenn man manche Faktoren für sich negativ bewertet, muss man das bedenken. Schließlich haben viele Menschen viel Zeit und Mühe investiert, um mit Gleichgesinnten die Welt zu verändern.

Alpro by Birkenstock: Funktionelle Schuhe für bestimmte Sparten wie Mediziner und Pflegekräfte beispielsweise, einige davon sind vegan.

Beyond Skin: edle Damentreter

Boombuz: Ein erstklassiges Produkt, das leider im Moment nicht mehr produziert wird, da insolvent. Kompostierbar.

Dr. Marten: hat vegane Schuhe im Angebot, das Aussehen, ihr dürft raten …

Di Romeo: edle vegane Schuhe aus Italien für Damen und Herren

EKN: ziemlich coole Marke, deutsch, Made in Portugal, ökologisch sehr clean

Ethical Wares: vegane Schuhe aus Wales, eher für den robusten Geschmack

Ethletic: vegane Converseoptik

Good Guys dont wear Leather: sehr modern, verspielt klassisch, französische Marke

Grand Step Shoes: Gummistiefel, Sneaker und sneakerte Ballerinas, britisch

Johnnys Vegan: Ballerinas für vegane Grazien, britisch

Komodo – green by nature: Ein Ökourgestein aus Groß Britannien, edel und eco-schick.

Lowa: Wer hätte das gedacht, aber dann doch nicht so verwunderlich, denn Vieles stammt aus der Kunststoffindustrie. Allerdings verteile ich meine Vibramsohlen so auch gründlich Draußen vor Türe auf den Wanderwegen und Bergpfaden. Ruft das Tierleid hervor? Ich als Outdoormensch bin da zwiegespalten.

Macbeth Footwear: Hipster Label für vegane Sneaker, gute Alternative zum herkömmlichen Schrott, preislich, wie alle Labels mit konventionellen Midprice Brands vergleichbar

NAE steht für No Animal Exploitation, Portugal, sehr gut überschaubare Lieferantenkette für die Einhaltung ökosozialer Normen nicht ganz so breites Sortiment wie das nächste Label

novacas – built by kindness: Wieder Portugal und Spanien, klassische Schuhe

Vegetarian Shoes: Der Ökoschuhpionier für Veganer, breites vielfältiges Protfolio, fast jeder Geschmack ist dabei.

Wims: frisches Label, aus Portugal, geringe Auswahl, aber nicht minder ökosozial

Das sind nicht alle Brands und natürlich weiß jeder selbst, was ihm gefällt und wie er seine Materialauswahl gestaltet. Mir persönlich gefallen kompostierbare Marken am besten und ich halte sie für am Sinnvollsten. Und natürlich ist weniger mehr.

Aber die Ausrede, dass es nicht genügend vegane oder sagen wir ökologische Schuhe gibt, zählt nicht mehr und ob ich nun bei den großen Online-Anbietern meine Zeit mit der Suche nach schönen Füßlingen verbringe oder ob ich nach veganen bzw. kompostierbaren Schuhen suche … z.B. bei Avesu.


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