Giftmüll macht Schlank

Giftmüll macht schlank ist ein Buch über die Medienprofis, Spindoctors und PR-Wizards, die uns als Public-Relations-Industrie mit Informationen versorgen, mal mehr, mal weniger korrekt. Der Umfang wie wir manipuliert ist eine Kampfansage an Verschwörungstheoretiker. Denn Verschwörungstheorien braucht es nicht … ,

um zu erkennen, dass Verschwörungen seit dem 19. Jahrhundert einfach oft bei den großen Public Affair Spezialisten und in der Politik zu suchen sind. Und die gibt es reichlich. Das Buch handelt nicht von kleinen PR-Agenturen, die hauptsächlich Produkte vermarkten, sondern von großen amerikanischen Agenturen, die für politische Kampagnen der Großkonzerne und Leuten mit Größenwahn ausgewählt werden und gezielt Desinformation freisetzen gegen NIMBYs beispielsweise, und zwar weltweit, wenn es gewünscht wird.

NIMBYs – Not in my backyards sind Personen, die häufig persönlich betroffen sind, von Giften in bestimmten Produkten wie Klärschlamm aus den Großstädten der auf Feldern verteilt wird und oft hoch belastet mit Schwermetallen oder schädlichen Chemikalien ist oder Gesetzesregelungen wie das Monsanto-Gesetz. Die NIMBYs sind Menschen, vor denen die großen Konzerne und Industrieverbände Angst haben, denn die sind anders als große Umweltverbände viel härter in der Sache und können ganze Lawinen lostreten, wenn sie ihre Umgebung wachrütteln. Denn eine überzeugte Person kann nicht korrumpiert werden, eine Graswurzelbewegung schon schließlich sind wir ja alle tolerante Demokraten, hüstel. Und Graswurzelbewegungen werden infiltriert, und so oft unbewusst von PR-Strategen neutralisiert. Das ist in den USA eine lange bewährte Methode in der Praxis. Wer so naiv ist zu glauben, dass es bei uns nicht geschieht, der glaubt auch, dass die NSA uns nur für unsere Sicherheit ausspioniert oder Kameras am Arbeitsplatz ebenso.

Das Buch ist von 2006 und beschreibt PR-Ikonen wie Lee Ivy und Edward Bernays in ihren Glanzzeiten in den USA die Bevölkerung manipuliert haben mit den Geldern von Großkonzernen. Beginnend im 19. Jahrhundert wird von den Großtaten berichtet. Ob Kriege gerechtfertigt, vorbereitet oder Völker sich einfach mit Hurra für die Interessen weniger gegenseitig massakrieren sollten, kein Problem für die PR-Illusionisten Hill & Knowlton oder Burson-Marsteller oder Foreman & Heidepreim.

Oder eine Diktatur schön färben, damit der Diktator ein freundlicher älterer Herr ist, der Kindern, Frauen und Schwachen der Gesellschaft wohlgesonnen ist, statt eben doch ein krankes machtgeiles Arschloch, dass Tausende mordet, damit seine Familie es gut hat. Soziopathen sollen sich schließlich wohlfühlen, sind ja auch nur Menschen. Die großen PR-Firmen machen alles, was Geld bringt. Vorgefertigte Artikel, Videos oder andere Medienprodukte werden den Journalisten aufs Auge gedrückt bzw. die Redaktionen sind so dünn, durch die Konzentration geworden, dass den Journalisten keine Zeit mehr bleibt, um sauber zu recherchieren. Dann nehmenn sie eben den vorgefertigten Schrott, der eigentlich Werbung für bestimmte Produkte oder Vorhaben der Industrie, Hochfinanz oder von Regierungen für Gesetzesänderungen z.B. ist. Bekannte Journalisten prominenter oder angesehener Blätter werden zu hoch dotierten Vorträgen eingekauft und auf persönlicher Ebene von Pseudofreunden bearbeitet, die gezielt zur Meinungsmache auf sie angesetzt sind. Wenn zusammen isst, trinkt und fickt, dann fällt einem Objektivität schon schwer.

Spannende und ein leichtes bis extremes Unwohlsein erzeugende Berichte über die Nuklearindustrie, die Chemieindustrie und die Tabakkonzerne ergänzen das Buch. Viele Storys sind aus den 80ern und 90ern und weisen den PR-Weg ins WWW-Zeitalter auf. Wer kennt sie nicht, die personalisierte Werbung, aber kennen Sie Ihre beruflichen Freunde privat. Leben Sie gern in homogenen Gruppen? Engagieren Sie sich ehrenamtlich für eine gute Sache? Ach, Sie sind nicht wichtig genug, um persönlich durch eine andere Person von Ihrer Meinung zu GMO, Umweltverschmutzung und sozioidem Verhalten abgebracht zu werden? Sind Sie Radikaler, Opportunist, Idealist oder Realist? Keine Angst, die Einteilung übernimmt ein NSA-Profil für Sie, ein bisschen abgespeckt und ab geht die Post durch das Glasfaserkabel an die zuständige PR-Agentur. Muss aber nicht sein, Geld fließt schließlich reichlich, da kann man schon ein paar Leute für extra abstellen, damit sie Profile, von was und wem auch immer, in der Agentur erstellen.

Kurz, das Buch zeigt extrem viele unangemessene Verhaltensweisen auf, die die meisten von uns als moralisch sehr verwerflich empfinden. Es berichtet von vielen Beispielen, in denen viele Menschen geschädigt oder getötet wurden, durch Industriemüll oder angezettelte Kriege u.a. Einem wird deutlich vor Augen gehalten, was eigentlich alles in unseren Medien alles nicht so ganz der Wahrheit entspricht. Ein bisschen Wahres ist immer dran, damit es glaubwürdiger erscheint, aber der größte Teil ist erstunken und erlogen. Das Buch ist eine Reise durch die PR-Branche wert.

Das Gute daran ist, dass die Firmen bzw. Interessengruppen vor irgendetwas Angst haben, sonst würden sie nicht Milliarden ausgeben, um uns zu manipulieren.

 

Giftmüll macht schlank

von John Stauber und Sheldon Rampton
aus dem Englischen von Pasch Ficelle und Rainer Höltschl

15 x 20 cm | 224 Seiten | Klappenbroschur
€ 20,- (D) | € 20,60 (A) | SFr 27,50 (CH)
ISBN 978-3-936086-28-7


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