Eiger, Fiescherhörner und KüheBerge, Wald und Kühe, oder Ochsen auf der Alb? Viel mehr braucht es nicht …

um Happy zu sein. Grindelwald, Eiger, Große Scheidegg, Finsteraarhorn, Kleine Scheidegg, Wetterhorn klingt wie aus einem Märchen und ich spar mir den Hobbit. Aber manchmal auch absurd albern, besonders die Kleine Scheidegg wirkt wie ein Zirkus für faule Touristen. Der Urlaub in Grindelwald für einen Touristen für mich war trotzdem Lebensqualität pur.

Okay, ich bin nicht die Eiger Nordwand hoch, bin nicht über den Mittellegigrat gerannt oder hab den Westgrat erledigt und habe nicht mal eine Klettertour gemacht, aber ich war genauso schnell wie Ueli Steck beim Höhenmeterwandern. Vielleicht nicht ganz so steil, aber genauso schnell, mit mehr Kilometern. Und mein Ziel war das Faulhorn mit grandiosem Blick auf die Berner Alpen und auf die Voralpen. Das heißt, ca. 1800 Höhenmeter vom Campingplatz in zwei Stunden und 45 Minuten. Ehrlich gesagt, ich musste so langsam oder schnell dort rauf, denn ich neige dazu, zu wenig Kleidung mitzunehmen. Die Sonne macht mich immer optimistisch. Und ich hatte nur wenig Regen in Grindelwald. Auch wenn der Wetterdienst für jeden Nachmittag Regen prophezeite, bin ich auf fast jedem Trip trocken geblieben, von außen.

Auf dem Campingplatz Gletscherdorf habe ich mein Zelt aufgeschlagen und bin die gesamte Zeit dort geblieben. Kennengelernt habe ich zwei amerikanische Ausdauerjunkies aus Colorado, drei junge kletternde Briten aus Edinburgh und Umgebung, ein Mountainbiker-Pärchen aus England und einen Oldtimerfahrer aus Glasgow, einen Franken, zwei Italiener und einen Luxemburger mit seiner Partnerin aus Kanada. Genau deswegen finde ich Camping so erfrischend, abgesehen von den Temperaturen, die drei Nächte doch um die 5 °Celsius waren. Da ich jeden Tag früh los bin, wegen des angesagten Regens und meine Beine mitspielten, war ich gegen 2 oder 3 wieder auf dem Campingplatz. Und das habe ich genutzt, um nix zu machen. Auf einem Baumstamm gab es das Mittagessen und mit einem breiten zufriedenen Grinsen habe ich zwei oder drei Stunden auf den Eiger, den unteren Gletscher, die Fiescherhörner, den Mittelberg oder das Wetterhorn geschaut, mit dem Campingplatzinhaber oder seiner Frau geschwatzt. Das war ein sehr relaxter Urlaub.

Falls ich doch mal Langeweile verspürte, bin ich zum Bouldern oder Schwimmen ins Sportzentrum gegangen. Das Schwimmbad ist kostenlos für Gäste von Hotels und Campingplätzen und man bekommt Vergünstigungen beim Eintritt in den Boulderraum. Zugegebenermaßen ist die Schweiz ein recht teures Pflaster, da freut einen jede Vergünstigung. Aus Stolz bin ich alles selber nach oben gewandert, gelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren. Dann macht man zwar nur eine Abfahrt am Tag, aber die sehr zufrieden und mit Genuss. Und es spart eine Menge Geld und schont den  eigenen ökologischen Fußabdruck.

Ehrlicherweise weiß ich nicht, ob es immer so angebracht ist, einige Singletrails, die oft auch Wanderwege sind, zu befahren. Gerade während der Rush Hour wird es dann wahrscheinlich stressiger als erwünscht. Ich persönlich mag es gar nicht meine hart erarbeitete potenzielle Energie in die Bremsen zu leiten, wenn plötzlich ein älteres Ehepaar auf dem Weg aufpoppt. Die dazu natürlich jedes Recht haben. Insofern war mein frühes Aufbrechen am Tag immer sehr gut für die Freiheitsgrade auf den Wegen, denn wenn die meisten erst mit den Kabelbahnen bergauf schwebten, ging es für mich schon zügig bergab. Allerdings war ich auch erst an der zweiten Septemberwoche angereist. Im Juli und August stelle ich es mir weniger entspannt vor.

Gerade auf der Kleinen Scheidegg veralbert einen der Touristenzirkus offensiv. Ein Tipi mit Coca-Cola Werbung, jede Menge Bahnen kreuzen über die Scheidegg und die Lauberhornabfahrt ist auch nicht weit, was natürlich zu beiden Saisons exzessiv vermarktet wird. Jetzt ist sogar eine weitere Kabelbahn geplant. Die zum Teil die Aussicht von der Kleine Scheidegg auf die Nordwand versperrt. Und auch hier die ein paar Vernünftige, die nicht noch mehr wollen, sondern einfach genug haben. Hoffentlich hat ihr Versuch den Wachstums- und Überlastungsunsinn der Wirtschaftstollwütigen zu stoppen Erfolg.

Ich frage mich: Wo ist der Reiz einfach nur den Berg mit der Bahn zu befahren? Für die Aussicht? Da kann ich ebenso die ausgezeichneten Dokus sehen auf „meinem“ 50 Zoll Bildschirm. Natürlich kann ich etwas ältere Generationen verstehen, die nicht mehr ganz so rüstig sind, aber alles unter 60 und mit gesunden Gliedmaßen schafft an einem schönen Tag die meisten Touren zu den Berghütten, Aussichtspunkten und zurück. Aber okay, ich habe selbstverständlich nur eine beschränkte Sicht auf die Dinge. In diesem Sinne, falls ihr mal Lust verspürt auf Grindelwald, kann ich es bei allen Bedenken der ökologischen Fehlvermarktung der Region, trotzdem leider nur empfehlen. Und der nächste Sommer steht vor der Tür.

 


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