Paraguay

Auf der diesjährigen LIGNA bin ich mit Jürgen Bechberger von der Miller Forest Investment AG ins Gespräch gekommen. Dabei fiel uns auf, wie emotional die Bewertung von Aufforstungen allgemein und selbst bei mir noch belegt ist, obwohl ich mich objektiver wähnte. „Kurzerhand“ habe ich nach einem halbstündigen interessanten Gespräch gefragt, ob wir ein Interview machen.

Um sicher nicht völlig aufzuklären, aber etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Plantagenwirtschaft und damit auch oft Aufforstungen sind umstritten. Und einige Anbieter lassen die gesamte Branche bisweilen schlecht dastehen. Hier deshalb ein paar Antworten auf Fragen, die meines Erachtens wichtig sind. Herrn Bechberger und mir ist klar, dass vieles im Argen liegt und es kein Patentrezept gibt. Schon gar nicht in der Aufforstung, aber uns klar ist ebenso die Notwendigkeit, dass etwas getan werden muss. Vorab ein paar Infos zu Paraguay und die Miller Forest Investment AG.

Die Miller Forest Investment AG ist auf eine Initiative von Josef Miller gegründet. Als Direktinvestment angelegt, offeriert seit 2006 die AG die Anlageklasse Wald in Paraguay. Ursprünglich als Kohlendioxidausgleich für die Reisen von Miller-Reisen, einem Spezialisten für Lateinamerika, entstanden, kann jetzt jeder bereits ab ca. 1000 Euro aktiv werden und investieren. Renditen von ca. 5 bis 9 Prozent mit Ausschüttungen ab dem 5. Jahr sind je nach Anlagekonzept möglich. Es werden Energieholz- und Wertholzkonzepte angeboten, in verschiedenen Kombinationen mit Maximallaufzeiten von 20 Jahren.

Paraguay hat einen Rückgang der natürlichen Wälder von ursprünglich über 80% auf heute unter 10% zu verzeichnen. 65% allein in den letzten 50 Jahren. Der Mata Atlantica, ein einzigartiger Regenwald an der Atlantikküste, den sich Paraguay mit Brasilien, Argentinien und Uruguay teilt, ist fast vollständig degradiert.  Im Nordosten gibt es den Chaco, einen großartigen Trockenwald, ebenfalls fast vollständig ruiniert. In Paraguay werden heute riesige Flächen mit Soja angebaut. Da hier ein jährlicher Gewinn erzielt wird, konkurriert der Sojaanbau mit allen anderen Formen der Landnutzung. 66 Prozent der Landfläche gehören 10 Prozent der Bevölkerung, allgemein ein Merkmal in Südamerika. Hinzu kommt ein Mangel an Holz, der zusätzlichen Druck auf die verbliebenen Wälder ausübt. Entlastung bieten Waldinvestments mit Aufforstungen. Alternativ gibt es den Ankauf von Primärwäldern durch NGO wie Rettet den Regenwald.

1. Was ist der erste Gedanke, ein ökologischer oder ein ökonomischer oder ein sozialer für die Miller Forest Investment AG?

Da wir uns von vornherein auf alle drei Bereiche als gleichberechtigte Themen festgelegt haben, gibt es für uns diese Zuordnung nicht. Um langfristig erfolgreich zu arbeiten, ist aus unserer Sicht die Kombination dieser drei Aspekte unabdingbar.

2. Stichwort Landgrabbing (Landraub), was antworten Sie mir? Von wem kaufen Sie?

„Land Grabbing“ (geschäftliche Transaktionen, bei denen Regierungen oder Unternehmen auf fremden Staatsgebieten, u. a. in Entwicklungs- oder Schwellenländern, große Ländereien erwerben) finden Sie in unserem Hause nicht. Wir kaufen in Größenordnungen, die sehr weit unter dem liegen, für die dieser Begriff steht, und zwar ausschließlich von privaten Eigentümern in einer eng begrenzten Region. Das Land wird uns von Personen angeboten, die dafür keine Verwendung mehr haben (Erbengemeinschaften, ehem. Rinderfarmen, usw.). Es wird durch uns niemand von seinem Land vertrieben.

3. Was für Flächen bevorzugen Sie zur Aufforstung?

Wir verwenden nur Brachland oder ehemaliges Weideland und pflanzen somit Bäume, wo vorher keine waren bzw. die ursprünglichen Naturwälder vor vielen Jahren gerodet wurden. Die noch verbliebenen Naturwälder können somit geschützt werden. Wichtig ist, dass wenn wir unsere Bäume nach einiger Zeit wieder ernten, die Flächen weiterhin forstwirtschaftlich nachhaltig bewirtschaftet werden.

4. Eukalyptus ist als Neophyt kaum eine ökologische Nische für südamerikanische Biota. Warum Eukalyptus, gibt es nicht wesentlich angepasstere native Baumarten in Paraguay?

Die nativen Baumarten vor Ort benötigen einen wesentlich längeren Zeitraum um Wald zu bilden oder Nutzholz zu liefern. Der Holzbedarf vor Ort kann dadurch nicht gedeckt werden, wie man an der Reduzierung der Waldflächen unschwer erkennen kann. Zudem sind die Flächen oftmals sehr stark verdichtet und die einheimischen Baumarten wachsen überhaupt nicht an, wie wir in unseren Anfangsjahren auch erfahren mussten. Der Eukalyptus hingegen ist sehr widerstandsfähig und lockert zusätzlich den Boden auf, inzwischen können wir dadurch auch wieder einheimische Baumarten pflanzen, wo es vorher nicht möglich war.

5. Das Argument CO2-Ausgleich ist in Bezug auf hohe Biodiversität und damit einer hohen Bindung von lebensnotwendigem abiotischem Material in Lebewesen ein Reduzierendes. Ist das nicht wie der Mafiosi, der nach dem Verbrechen in die Kirche geht? Und hier bekommt der Investor sogar noch eine direkte Rendite.

Wir sehen es als bewiesenen Fakt an, dass u.a. wir Menschen zur künstlichen Erhöhung der CO2 -Menge in erheblichem Umfang beitragen und sind deshalb um eine Bindung von CO2 bemüht. Natürlich wäre es schön, wenn die Menschen auch grundsätzlich versuchen weniger CO2 zu verursachen. Dieses Umdenken ist aber ein längerer Prozess, an den sich der eine oder andere wohl noch gewöhnen muss. Daher ist es u.E. sinnvoll, eine möglichst schnelle Problemlösung anzubieten, die zwar nicht unmittelbar das bestmögliche Ergebnis (nämlich Urwald) hervorbringt, aber sehr schnell einen Teil dieser Grundlage schafft. Dauerhaft und nachhaltig. Dass Investoren dabei auch noch Geld verdienen, ist der positive Nebeneffekt.

6. Mir geht bei Holzverwendung immer das Mantra „materielle vor energetischer Verwertung“ durch den Kopf. Sie bieten auch Investmentmodelle für Energieholz an. Ist das notwendig? Klingt nach Monokulturen für mich.

Ja, es ist notwendig. Da uns lieber ist es wird einer unserer 5-jährigen Bäume zu Hackschnitzeln verarbeitet, anstatt einer der 500-jährigen Bäume aus dem Naturwald.

6b. Warum haben Sie sich für die Aufsplittung in verschiedene Investmentmodelle entschieden?

Weil die verschiedenen Baumarten und Sorten auch unterschiedliche Wachstumszyklen haben. Ein Investor der 70 Jahre alt ist und keine Erben hat, wird sein Kapital kaum für 20 Jahre anlegen, sondern eher zum 5-Jahresmodell tendieren. Ein Familienvater mit 40 Jahren, der etwas für die Rente oder die Kinder zurücklegt, hat natürlich ganz andere Voraussetzungen und Ansprüche bei einer Investition.

7. 6500 ha sind viel, aber im Vergleich mit anderen Plantagen ist das nicht groß. Stärkt Ihr Engagement eher lokale oder regionale oder nationale Entwicklungen?

Inzwischen sind wir bei rund 8.000 Hektar Aufforstungsfläche. Damit sind wir in Paraguay unter den drei größten Aufforstungen. Wir sind sowohl auf dem lokalen als auch regionalen Markt tätig.

7b. Gibt es einen Austausch mit anderen aufforstenden Unternehmen in Paraguay?

Ja, wir arbeiten mit einigen Aufforstungen u.a. aus Brasilien und Argentinien eng zusammen und tauschen natürlich auch Erfahrungen aus. Die Vermarktung des Holzes erfolgt teilweise gemeinsam mit kleineren Aufforstungen aus der Region.

8. Was wird langfristig aus den Böden? Es regnet zwar viel, aber das führt gerade in nährstoffarmen Böden zur Feucht- oder Trockenversalzung. In Ihrem Prospekt wird von Auswaschungen ätherischer Öle geprochen …

Unsere Böden sind sehr nährstoffhaltig, aber eben auch sehr feucht. Vor der Bepflanzung steht dort oftmals das Wasser zentimeterhoch. Eukalyptus hat einen schlechten Ruf, da er in zu trockenen Regionen (z.B. Portugal) angepflanzt wurde, dadurch setzen sich die Öle im Boden an. Dies passiert bei uns nicht. Wichtig ist auch, dass nach der Ernte das Schnittgut verbleibt, wo geerntet wurde. Nur so können entzogene Nähstoffe dem Boden wieder zugeführt werden und der Boden kann langfristig forstwirtschaftlich genutzt werden. (Anmerkung d. Autors: Das Aufforstungsgebiet ist ursprünglich großflächig durch Sumpflandschaft geprägt.)

9. Schlagabraum verbleibt auf den Flächen, letztlich entziehen sie mit der Holzmasse aber Nährstoffe. Was tun Sie dagegen?

Wir düngen nach der Anpflanzung einmalig. Bislang konnten auf den von uns bewirtschafteten Flächen keinerlei negative Auswirkungen feststellen, das liegt auch daran, dass wir verschiedene Sorten anpflanzen. Ganz im Gegenteil, die Qualität der Böden wird durch die Durchwurzelung merklich verbessert. Sollte sich in der Zukunft eine negative Änderung zeigen, werden unsere Förster natürlich entsprechende geeignete Maßnahmen ergreifen.

10. Native Baumarten sollen durch Konkurrenzdruck mit Eukalyptus zum Wachstum angeregt werden. Zur Schaffung eines Naturwaldes. Wie ist das genau gedacht? Ich denke sofort an Allelopathogene, die ja von den Eukalypten produziert werden, um Konkurrenzpflanzen zu unterdrücken.

Bei den von uns gemachten Erfahrungen spielen Allelopathogene keine Rolle. Ich denke, das hängt auch immer damit zusammen wieviel Platz die Pflanzen zum Wachsen haben. Der Nutzen, der durch die Eukalypten entsteht, ist hingegen deutlich spürbar. Die Nativos (heimische Baumarten) werden zu besserem Wachstum angeregt, der Boden wird durch den tiefwurzelnden Eukalyptus aufgelockert und er bietet Schutz vor Wind und Wetter.

11. PEFC ist nicht beliebt bei den Umwelt-NGO und gut bewertet auch nicht im Vergleich mit anderen Zertifizierungen. Warum also die oft als Protektionismus verschriene seichte PEFC-Zertifizierung (Programme for the Endorsement of Forest Certifitcation Schemes), wo doch FSC (Forest Stewardship Council) für die Tropen und Subtropen gemacht ist?

Wir haben zwar das Voraudit für die FSC-Zertifizierung abgeschlossen und hätten auch das Siegel in dieser Zeit verwenden dürfen, haben uns aber gegen eine entsprechende Zertifizierung entschieden. Unser Holz vermarkten wir nur in Paraguay, da es dort benötigt wird und wir somit nicht wieder CO2 durch den Export produzieren. Für Paraguay ist das Siegel nicht notwendig und die Kosten (vor allem für Dokumentation und Verwaltung) überwiegen in unserem Fall deutlich den Nutzen. Es versteckt sich auch der eine oder andere Forstbetrieb hinter einer FSC-Zertifizierung, die aus unserer Sicht auch nicht unumstritten und auf jeden Betrieb zugeschnitten ist. Auch ohne Zertifizierung haben wir für unsere Arbeiter z.B. eine Kantine eingerichtet, stellen Schutzkleidung bereit und bieten Schulungen an. Da ist das Geld aus unserer Sicht besser angelegt.

12. Was ist der Miller Forest Investment AG am Wichtigsten für die Zukunft?

Wir möchten wie bisher in einem vernünftigen Maße weiter wachsen und mit einer soliden Arbeit und hoher Transparenz das Vertrauen der Investoren sowie die sozialen und ökologischen Ansprüche an uns erfüllen.

Herr Bechberger, wir bedanken uns für die offenen Antworten.

Wer mehr über die Miller Forest Investment AG erfahren möchte, kann das hier.

Bild: Miller Forest Investment AG


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