jas

Vor zwei Jahren habe ich mit einem wunderbaren Menschen über die Rückabwicklung des weltweiten Trends zur Urbanisierung unterhalten, originär über Mode daherredend.

Dabei ging es mir um die Nutzung lokaler Ressourcen mit aktuellen handwerklichen Methoden ohne die großen Abhängigkeiten von weit entfernten Politikern und Großindustriellen oder Bankstern wie wir sie derzeit in Griechenland sehen. Bewusst vorwiegend alles lokal und regional produzieren und verbrauchen. Dann müssten die Menschen in Griechenland jetzt nicht um humanitäre Hilfe betteln, weil sich sicher nicht nur die Eliten dort hemmungslos bedient haben. Ernährung und Versorgung mit Kleidung wären unter anderem regional möglich. Maker/Handwerker könnten Umweltschutz und Wirtschaft lokal auflösen und sich kreativ austoben. Ideen sich vor Ort sozial mit den Bedürfnissen der Bevölkerung paaren und nicht im scheinoptimierten Ressourcenkampf untergehen aufgrund von Lobbyismus an nur wenigen zentralen Schaltstellen der Macht, die immer stärker einem Zentralismus unterliegen.

jas ist ein Start-up, dass sich mit seinem Konzept genau in diese Richtung bewegen möchte. Lokal, regional oder europäisch produzieren und trotzdem Kleidung personalisieren. Die Idee finden wir ausgezeichnet und so haben wir uns ein paar Fragen gestellt und sie den beiden Gründerinnen von jas geschickt.

Saskia Rudolph ist 33 Jahre alt, gelernte Architektin, Veganerin und Mama von zwei Kindern. Saskia ist der kreative Part von jas. und hat stets ein Auge auf die rundum nachhaltige Ausrichtung.

Judith Drewke ist 28, Marketingmanagerin und Vegetarierin. Judith ist für die Kommunikation und den Unternehmensaufbau verantwortlich.

1. Was treibt Euch an mit personalisierter Mode auf den Markt zu gehen?
Die Idee, die hinter jas. steckt, nennt sich Slow Fashion und beinhaltet nicht nur die Verarbeitung nachhaltiger, ökologischer Materialien, sondern ebenso den Ansatz seine Kleidung wieder wertzuschätzen. Anders als herkömmliche Marken, die auf Masse und Schnelllebigkeit setzen, geht es bei uns um Qualität, individuelles Gefallen und die Beschäftigung mit seiner Kleidung. Wir bieten unseren Kunden die Möglichkeit, ihr Teil zu gestalten. Somit durchlaufen sie einen Prozess an dessen Ende – hoffentlich – ihr Lieblingsteil steht, was lange hält und perfekt zu ihnen passt.

Wir bieten unseren Kunden einen Service, den es so noch nicht für Casual-Kleidung gibt – und hoffen darauf, dass Kleidung dadurch wieder an Wert gewinnt.

2. Bei all den flexiblen Prozessschritten ist maximale Flexibilität gefragt und das kostet.
Sind wir bereit dafür? Ist der Kunde bereit dafür?

Aus Sicht des Kunden:

Es ist auf jeden Fall eine Entwicklung zu sehen, die wir auch in unserer Umfrage festgestellt haben. Und zwar, dass die Menschen für Qualität und „ihr“ einzigartiges Kleidungsstück schon bereit sind, mehr zu bezahlen. Trotzdem ist da noch eine Menge Aufklärung nötig um auch der breiten Masse zu vermitteln, dass z.B. ein T-Shirt bei der Produktion mehrere, zum Teil aufwendige Arbeitsschritte durchlaufen muss. Wenn das angekommen ist, wird auch klar, warum ein Shirt nicht nur 5.99 Euro kosten kann.

Aus unserer Sicht:

Wir haben uns für Schnitte entschieden, die erst mal nicht sehr kompliziert zu fertigen sind. Zudem sind sie in Teilen gut vorzubereiten, sodass zum Beispiel beim Shirt die verschiedenen Korpusse auf Lager liegen können. Den Feinschliff, und das macht unsere Kleidung aus, passen wir dann individuell an. Somit können viele Arbeitsschritte bereits im Vorfeld erfolgen. Allerdings möchten wir natürlich unsere Möglichkeiten erweitern und auch verschiedene Passformen anbieten. Doch auch wenn dann weitere Individualisierungen möglich sind, halten wir an unserem Ansatz der gut vorzubereitenden Schnitte fest – denn das sichert uns die nötige Flexibilität.

2b. Allein die Beratung wird sehr aufwendig oder baut ihr auf das Kundenwissen, den grünen Kunden?

Wir haben bereits sehr früh, nämlich während unserer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne auf Startnext, gemerkt, dass unsere Kunden Beratung benötigen. Dies liegt jedoch nicht nur an unseren Individualisierungsmöglichkeiten. Viel eher schrecken viele noch davor zurück, Kleidung online zu bestellen. Wir haben im Vorfeld unserer Gründung eine Zielgruppenumfrage durchgeführt, die belegt, dass vor allem das fehlende Anprobieren, die Umständlichkeit von Retouren und die nicht vorhandene Haptik als störend empfunden werden. Diese Vorurteile müssen wir aufräumen. Daher haben wir bereits am Anfang eine Hotline eingerichtet, an die sich unsere Kunden werktags wenden können, um mit uns im persönlichen Gespräch Fragen zu klären.

Momentan läuft die Konfiguration noch händisch. Mit unserem Wachstum möchten wir jedoch auf einen Konfigurator zurückgreifen, der Schritt für Schritt durch eine Bestellung führt. Auch weiteren Service, wie zum Beispiel die Filterung nach verschiedenen Passformen oder die Bestellung von Stoffproben, soll künftig die Bestellung bei uns erleichtern. Trotzdem möchten wir bei all den technischen Verbesserungen den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden beibehalten, da es für uns ein wichtiger Servicepunkt ist.

3. Ist Nachhaltigkeit eine Frage der Positionierung am Markt oder der Überzeugung?

Für uns ist das Thema Nachhaltigkeit ein Herzensthema. Was abgedroschen klingt, ist durchaus Ernst zunehmen. Saskia hat zum Beispiel durch ihre Kinder mehr und mehr angefangen, unseren gängigen Konsum zu hinterfragen. Sie ist überzeugte Veganerin und achtet auch und vor allem im Alltag ihrer Kinder darauf, dass diese möglichst gesund und schadstoffarm aufwachsen. Auch Judith ist der Ansicht, dass der Konsum, von bspw. Kleidung, so nicht weitergehen kann. Dass alle paar Wochen Neues gestoppt werden muss und dies sowohl auf Kosten der Umwelt, als auch der Arbeiter geht, ist für sie ein No-Go.

Unser Ziel ist es, ein für alle transparentes, nachhaltiges Unternehmen aufzubauen – und dies vor allem deshalb, um zu zeigen, dass eine ökologische, faire Textilindustrie (auch bei uns in Deutschland) möglich ist.

4. Woher bezieht Ihr Eure Textilien? Geringe Mengen sind teurer als Massenware.

Wir erhalten unsere Stoffe von einem deutschen Anbieter, der in Europa produziert. Momentan nutzen wir Jersey aus Bio-Baumwolle; später möchten wir auch auf innovativere Materialien, wie Tencel oder Modal zurückgreifen.

Wir haben das Glück, dass unsere Lieferanten, für einen Newcomer wie uns, handelbare Stoffmengen anbietet, die zudem nach unseren Vorstellungen eingefärbt werden können. Etwas Besseres konnte uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht passieren.

5. Mit oder ohne Zertifizierung, wenn ja welche, wenn nicht warum?

Unsere Stoffe sind GOTS-zertifiziert, allerdings ist ein Zertifikat für uns nicht primär ausschlaggebend. Unsere Priorität liegt eher darauf, dass die einzelnen Produktionsschritte bei den Materialien entweder durch uns oder den Händler komplett nachvollziehbar sind. So können wir uns sicher sein, dass vom Spross des Materials bis zum fertigen Produkt unsere Richtlinien erfüllt werden. Diese Transparenz können auch manche Zertifikate nicht garantieren. Zudem sind für uns Faktoren, wie beispielsweise die Herstellung in Europa, für unsere Lieferantenauswahl entscheidend. Dies ist nämlich bei den gängigen Zertifikaten nicht immer ein Muss, was dazu führt, dass so manch ein zertifizierter Stoff viele Kilometer Flugweg hinter sich hat.

6. Eure Materialien sind frei wählbar?

Momentan haben wir ausschließlich Bio-Baumwolle im Angebot, diese aber in unterschiedlichen Farben. Unsere Kunden können sich ihre Kombination hier frei wählen. Wenn wir in Richtung Herbst/Winter blicken, werden wir natürlich auch dickere Stoffe im Angebot haben. Allerdings zählt hier für uns nicht die Masse. Wir wählen die Stoffe nach Kriterien aus, die wir uns selbst und unseren Lieferanten auferlegt haben. Wenn ein Stoff diese nicht erfüllen kann, kommt er nicht in unser Sortiment. Natürlich ärgert man sich dann auch das eine oder andere Mal – weil ein besonders schöner Stoff nicht infrage kommt oder der Weg zur neuen Kollektion beschwerlich ist. Jedoch sind uns unsere Prinzipien und die Transparenz nach außen das Wichtigste.

7. Wo lasst Ihr produzieren?

Wir lassen in Deutschland produzieren, weil wir das heimische Schneiderhandwerk, eine Industrie die in den letzten Jahrzehnten völlig eingebrochen ist, wiederbeleben möchten.

8. Wer produziert?

Wir haben bereits eine Schneiderin auf Projektbasis eingestellt. Unser Ziel ist es, ihre Arbeitszeit in den kommenden Monaten nach und nach aufzustocken und somit bald die erste fest angestellte Mitarbeiterin begrüßen zu dürfen.

9. Welche Größen bietet Ihr an?

Wir produzieren momentan in den Größen S, M und L. Ob und welche Größen wir noch hinzunehmen, werden die kommenden Wochen zeigen. Wenn die Bestellungen in unserem brandneuen Onlineshop aufzeigen, dass eine weitere Größe gefragt ist, werden wir unser Spektrum hier erweitern. Um die Transparenz unserer Größen zu gewährleisten, können unsere Kunden übrigens Taillen- Hüft- und Schulterumfang zu jedem Kleidungsstück nachlesen.

10. Verkauft Ihr nur online?

Momentan verkaufen wir ausschließlich online. Wir haben diesen Weg gewählt, um unser Geschäftsmodell live zu testen und erste Kundenstimmen zu sammeln. Bevor wir größere Wege beschreiten, möchten wir zunächst die Nachfrage verifizieren. Hierzu bietet sich der Online-Kanal perfekt an. Langfristig planen wir jedoch, auch im Einzelhandel aufzutauchen. Wir haben hierzu schon strategische Überlegungen aufgestellt, wie eine Etablierung gelingen könnte. Eins können wir bereits verraten: Es wäre eine ganz neue Form des klassischen Ladens. 🙂

11. Wann seid Ihr startbereit, also fähig die Kundenwünsche umzusetzen?

Wir haben gerade unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext erfolgreich abgeschlossen und sowohl Produkte als auch andere Dankeschöns verkauft. Somit gibt es bereits einige da draußen, die im Laufe des Julis und Augusts unsere Kleidung in Händen halten werden. Daneben haben wir unseren Shop vor einigen Tagen gelauncht – wir sind also komplett startklar für eure Individualisierungswünsche.

Vielen Dank an Judith und Saskia für die Antworten. Wer also neugierig ist, kann zwar nicht mehr am Crowdfunding teilnehmen, aber hier mal bei jas reinschauen. Die beiden Gründerinnen haben logischerweise viele Infos bei Startnext bereitgestellt.


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