District 9 von Neill Bloomkamp ist für mich einer der besten Science Fiction Filme und Virunga zeigt das Bloomkamps Allegorie über Rassismus, Ignoranz und Gier Wirklichkeit ist, hier und jetzt. Beide spielen auf dem afrikanischen Kontinent, können aber nicht darauf begrenzt werden. Und beide zeigen eine tiefe Verwurzelung der Gier in uns, die letztendlich zu Zerstörung unserer Welt führt.

Gorillas werden in einen Park eingesperrt früher wie heute wie Indianer oder Ethnien in Reservate oder Zonen oder Flüchtlinge in Auffanglagern oder in Länder mit Diktatoren, die wir mit Infratstruktur ausstatten. Und sobald ein Rohstoff in den für Tiere oder Menschen deklarierten Gebieten auftaucht, sind die schmierigen Händler, egal für was, da. Mit einfachen Weltbildern, der von Rassismus und Gestrigkeit zeugt, wird die Zukunft ganzer Volksgruppen verlogen zerstört. Was ist der Unterschied? Ob wir Gorillas, Aliens oder Menschen in Ghettos einsperren, die in Städten oder Nationalparks oder ganzen geographischen Regionen liegen? Entweder Umweltschutz überall oder gar nicht? Entweder sozial überall oder gar nicht? Was natürlich nicht vor den Mühen schützt, einige sehr spezielle Areale zu schützen, jetzt.

Virunga handelt von dem gleichnamigen Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo und zeigt die Dummheit der Erdölförderung auf. Wenn Erdöl gefunden wird, steigt der Wert der Firma mit der Konzession und das Gebiet der Reserve wird wertvoll. Falls das Erdöl nicht gefördert wird, ist die Firma weniger wert. Damit steigt der Druck zu Fördern für die Firmen, auch wenn die Ressourcen in ökologisch sensiblen Gebieten liegen. Insofern bedeutet das Finden von „Reserven“ eine Verantwortung der Unternehmensführung gegenüber den Shareholdern, das Potenzial der Reserven zu realisieren. Das hängt auch von der rechtlichen Form der Unternehmung ab. Spielt aber meist keine Rolle bei Erdölförderern. Der Wert der Umwelt wird zerstört für ein paar gierige Idioten, um mittelfristige Ressourcen, die wir nicht mehr brauchen, zu gewinnen. Fragt sich, wo da ein Gewinn ist und wo er bleibt.

Im Virunga Nationalpark leben die letzten Berggorillas weltweit, ca. 800 an der Zahl. Diane Fossey wurde ermordet, weil sie für die Gorillas eintrat. Emmanuel de Meride, ein Prinz aus Belgien, wurde schwer verwundet, nachdem er der Regierung von den aggressiven SOCO-Aktivitäten im und um den Nationalpark berichtet hat. SOCO International ist eine britische Erdölfördergesellschaft, die im Virunga Nationalpark Erdöl fördern will. Mehr als 150 Kongolesen wurden im Dienst des Parks bereits getötet. Diesen Menschen gehört mein allergrößter Respekt und meine Bewunderung.

Baume, einer der Heger und Ranger im Virunga Park sagt etwas sehr Elementares als die M23, eine Rebellengruppe, die Armee aus dem Parkgebiet vertreibt und ein Gefecht und somit sein Tod droht. „You must justify, why you are here on this earth. Gorillas justify why i am here … so if its about dying, i will die for the gorillas.“ Ich denke, besser kann niemand sein Dasein sublimieren. Der Mann reinigt dabei seine Kalaschnikow und hat Frau und Kinder. Nur wenige können bei genauer Betrachtung abseits ihrer Familie etwas Sinnvolleres sagen. Klar ist das pathetisch, aber es ist real, nicht wie in einer amerikanischen Comicverfilmung. Katembo, ein anderer Ranger sagt etwas mit Blick auf den Park am Ende des Films „Beyond all spirit of greediness about money. Beyond all things. … All that could happen to me. I will accept it. I’m not special.“ Die Bedrohung, den möglichen eigenen Tod zu akzeptieren und trotzdem den Nationalpark zu verteidigen und in sich zu ruhen entspricht den wenigsten Menschen unserer westlichen Gesellschaft. Das ist kollektive ökologische Identität. Die künstliche Trennung unserer ökologischen Identität vom Individuum schadet dabei der Gesellschaft insgesamt. Und das Schlimmste daran ist, das wir uns gegenseitig dabei bekämpfen, statt kollektiv zu agieren.

Der WWF hat mit SOCO verhandelt und obwohl SOCO aufgrund des Öffentlichen Drucks gesagt hat, dass sie vorerst davon absehen, dort Erdöl zu fördern, betreiben sie weiter massiv Lobbyismus und die Regierung der Demokratischen Republik Kongo überlegt ernsthaft die Grenzen des Parks zu ändern, um Erdölförderung zu ermöglichen.

Der Film ist mehr als sehenswert, er zeigt den Zustand der globalen Gesellschaft. Und wie nah wir allem sind. Wer will kann sich für 30 Tage eine kostenlose Probemitgliedschaft bei Netflix holen.


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