Nacktschecke frisst Regenwurm

Nacktschnecke knabbert Regenwurm an. Eindeutig carnivor.

Ein oft angebrachtes, aber selten begründetes Argument veganer Diätspezialisten ist die Aussage, wir seien Pflanzenfresser. Dem bin ich mal nachgegangen. Und …

es gibt sie, Belege für unsere nicht vegane Prädisposition durch die Zeiten:

Keine echte Überraschung. Wie oft, kommen sie aus gemeinsam verschiedenen Richtungen. Voranstellen möchte ich meine Überzeugung, verstärkt aufgrund der erdrückenden Belege, dass wir Omnivoren sind. Die Gelehrten haben sich bisher keine abschließende Meinung gebildet. Trotzdem hier ein paar Argumente für eine Diskussion mit Veganern und anderen Diätspezialisten.

Anthropologisch:

Jäger und Sammler ist ein Begriff, den die meisten aus der Schule kennen und er deutet schon auf den grundlegenden Vorteil. Der Jäger muss in den überwiegenden Fällen weniger Zeit aufwenden, früher wie heute. Der Vorteil ist energetischer Natur. Und wir alle wissen die Bequemlichkeiten der heutigen Zeit zu schätzen.

Welches heutige indigene Volk, ohne oder mit Kontakt zur Außenwelt, verzichtet komplett auf Fleisch? Kaum eine größere Ethnie konnte es sich historisch oder prähistorisch erlauben, auf Material tierischen Ursprungs zu verzichten? Gerade in Gebieten mit hochspezifischen und/oder extremen Bedingungen. Kann einem Volk, das auf Inseln (1) lebt, die zu klein sind, um Landwirtschaft in strikter Veganqualität zu betreiben, das Recht zu leben abgesprochen werden, weil ein Großteil aus dem Meer stammt? Was macht ein Volk, dessen nährstoffarme Böden nicht genug hergeben, um Agrarwirtschaft hinreichend für die Ernährung aller zu betreiben, sondern nomadische, saisonale Weidewirtschaft aufgrund der gut angepassten Huftiere betreiben kann und muss? Wie auf semiariden Hochebenen, Savannen, saisonalen Trockenwäldern. Verzichtet es auf seine Weidetiere? Was war die Ursache für Nomadentum? Saisonale Kreislaufwirtschaft der Natur wie es bekannt von den riesigen Bison-, Gnu- und Saigaherden in Savannen und Steppen oder den Karibus in der Tundra ist. Gräser sind genügsam und erholen sich schnell, auch wenn sie oberflächlich komplett abgefressen werden. Baumtriebe nicht. Gerade wenn die Pflanzenfresser permanent vor Ort sind. Und schränkt so ein Volk drastisch seinen Milch- und Fleischkonsum ein und lässt seine Nachkommen lieber verhungern? Oder verzichtet auf den vermeintlichen Wohlstand kolportiert durch die aktuell weltweit mögliche Medientragweite, die dem Veganismus ja so nutzt, um populär zu werden? In Asien gab und gibt es wirklich Völker, die sich vorwiegend vegetarisch ernähren, vegan eher nicht. In Gebieten mit kurzer Vegetationsphase ist der Fleischanteil bei den Ethnien höher. In den Städten übrigens auch. Was machen also die Inuit oder die Massai oder ostsibirischen Völker, ohne tierische Produkte? Gäbe es sie überhaupt? Wäre der Status unserer „modernen“ Gesellschaften überhaupt möglich, ohne tierische Produkte? Oder sind wir Europäer, die wir den Wohlstand aus der Welt erobert haben, bessere Menschen? Ernährung war, ohne unseren heutigen extremen Zustand, immer lokal bzw. regional und war es bis vor ca. 150 Jahren auch noch größtenteils. Einen weiteren größeren Sprung in der nicht lokalen Versorgung gab es mit Beginn der „grünen“ Revolution in den 1960er Jahren, die in die katastrophalen Zustände geführt haben, die jetzt weltweit für Probleme sorgen (Durch Hochleistungssorten verbunden mit verstärktem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden und dem allenorten Übergang auf maschinelle Landwirtschaft, ermöglichte großflächiger Anbau die Konzentration und damit die Anbindung an die Infrastruktur zur Versorgung der wachsenden Städte, schon ein Problem von Bevölkerungskonzentration nicht nur der Römer, und mit ein, wenn nicht der Grund für die Expansionskriege. Haben wir gerade nicht so ein Problem? Ich denke da konkret ans Mittelmeer.). Damit bestimmt das Nahrungsangebot vor Ort die Überlebenschancen ortsansässiger Bevölkerungsgruppen. Veränderungen des Nahrungsangebotes führen zu einer Änderung der Nahrungsversorgung, in der Regel verbunden mit einer Aufweitung des verfügbaren Spektrums. Oder aber zu Verdrängungseffekten von Nachkommen und Konkurrenten in weniger geeignete Umgebungen.

Raubtiere sind allgemein selten, im Vergleich zu Herbivoren und Omnivoren, zumindest terrestrisch. Je größer das Raubtier, desto geringer seine Gesamtpopulation und damit die Dichte je Flächeneinheit. Menschen als Allesfresser haben diese Populationsbegrenzungen offensichtlich nicht, wie an diversen Bevölkerungsgruppen historisch belegt ist. Nutztiere und Ackerbau sind ursprünglich eher als Vorratshaltung zu sehen, um saisonale oder andere Mangelzeiten zu überstehen. Die Optimierung führte dann zu Bevölkerungsdruck, der zu Migrationen in andere Regionen mündete. Was wiederum omnivore Kapazitäten beim Menschen voraussetzt, auch auf dem Weg dorthin, denn nur bei verfügbarer Nahrung bzw. ausreichender Flexibilität auf vorhandene Nahrungsressourcen zuzugreifen,  sind Besiedelung und Wanderung möglich. Das gilt vor allem prähistorisch bzw., historisch für Ethnien, die nicht über einen technologischen und administrativen Standard bzw. Anspruch wie europäische Eliten verfügten wie z. B. die Besiedelung von Polynesien. Änderungen des Nahrungsangebotes durch größere als annuale Zyklen dürften weiter zum breiten Nahrungsspektrum beigetragen haben bzw. zum möglichen Ausweichen auf andere Nahrungsmittel. Aber eben nur für Omnivoren, da nicht eben mal eine neue Art für Raubtiere oder Pflanzenfresser prähistorisch verfügbar wurde und wird. Die geographische Verbreitung des Menschen in fast alle Regionen der Welt spricht für uns als Omnivoren.

Allgemein wird nach Ernährung in drei Gruppen eingeteilt, die wiederum verfeinert werden.

Allesfresser, Fleischfresser und Pflanzenfresser. Abhängig vom Grad der Spezialisierung werden Tiere zusätzlich nach ökologischer Valenz als pantophag (Alles fressend) oder polyphag (Vieles fressend) bezeichnet, wenn sie Generalisten sind bzw. von der bevorzugten organischen Materie viele verschiedene Arten fressen. Spezialisten werden nach oligophag und monophag unterschieden. Das können Pandas sein, die sich nur von wenigen Bambusarten ernähren oder Kolibris, die nur eine einzige Pflanzenart als Nahrungsquelle nutzen können. Interessant ist der Panda zudem, da zu den Carnivora gehört, aber nur hin und wieder Kleintiere oder Eier frisst. Ebenso wie bestimmte Grizzlypopulationen (ebenfalls zu den Carnivora gehörend), die sich bis zu 90 % vegetarisch ernähren. Wobei es sich bei den Carnivora um eine Säugetiergruppe handelt, die einen gemeinsamen Vorfahren haben, aber in Größe und Form hoch divers sind. Vom kleinen Mauswiesel bis zum Südlichen Seeelefanten. Selten wird sich ein Säugetierstammhirn mit einer Nahrungsquelle zufrieden geben und erst recht nicht der Mensch. 20 %, bei Babys bis zu 50 % der Nahrung werden als Energie für das Gehirn verbraucht. Und diese kognitiven Fähigkeiten erlauben eben eine Aufweitung des Nahrungsspektrums bei gleichzeitigem hohen Energieverbrauch, der natürlich mit Fleischkonsum schneller befriedigt wird und einen Vorteil bietet. Alice Schwarzer möge mir verzeihen, aber es gibt die starke These, dass der Jäger oder die Jäger mit einem hohen nicht für sich beanspruchten Fleischüberschuss natürlich auch das Vergnügen hatten, sich eine oder die Damen auszusuchen, die durch das Sammeln ebenso ganzen Tag zu tun hatten, aber bei Weitem nicht die Ausbeute. Etwas komplexer wird das Ganze sicher abgelaufen sein, aufgrund sozialer Interaktionen, aber auch die heutigen Verhaltensmuster deuten deutlich darauf hin, unabhängig davon wie wir das moralisch sehen möchten.

Ernährungsstrategisch sind Jäger Sammlern überlegen in der Effizienz. Allein aus diesen Überlegungen heraus, ergeben sich zwingend vorhandene physiologische und anatomische Anpassungen beim Menschen bzw. unserer Vorfahren.

Omnivorie ist weit verbreitet. Meist wird ab gewissen Prozentzahlen von Carnivorie, Omnivorie usw. gesprochen. Da aber sehr viele Spezies polyphag sind, also verschiedene Nahrung zu sich nehmen, sowohl verschiedene Fleischarten wie diverse Pflanzenarten bzw. -teile und auch die Anteile sich wie auch beim Menschen wieder von Population zu Population unterscheiden können, sind allgemeine Aussagen unsinnig. Genau genommen sind viele Herbivoren, die wir als solche sehen, keine. Denn minierende Insekten sind in vielen Pflanzen enthalten und werden mit den Pflanzenteilen aufgenommen. Und sie tragen, ob Veganer wollen oder nicht, zur Ernährung der von Menschen so gern gefressenen Ungulaten bei. Wichtiger sind physiologische und anatomische Anpassungen, die den jeweiligen Diätspezialisten oder -generalisten eben an die bevorzugte Nahrung binden.

 Anatomisch/physiologisch:

wird oft behauptet, dass unsere Darmlänge ein Argument für unsere Prädisposition als Herbivore ist, aber es fehlen uns die Fermentgefäße.
Absorption ist oberflächenabhängig, nicht linear. Mikroorganismen können, wenn die Nahrungsoberfläche größer ist, mehr verstoffwechseln. Was uns wieder zu den Fermentgefäßen führt. Nahezu alle Pflanzenfresser haben sie, um Pflanzen verdauen zu können. Sie ermöglichen eine hohe Kompartimentierung bzw. hohe Oberfläche für Mikroben, um zu verdauen. Wiederkäuer haben Verdauungsräume in umgeformten Bereichen von Speiseröhre und Magen, während Pferde, Nashörner und Stummelaffen entsprechende Dickdarmsäcke zur Verdauung besitzen. Menschen haben nichts Derartiges.

Stammesgeschichtlich

und aktuell gibt nur sehr wenige Primaten, die sich rein pflanzlich ernähren. Primaten sind allgemein Generalisten und je nach Habitat variiert auch hier der Anteil an tierischer bzw. pflanzlicher Nahrung. Siamangs und Gibbons sind solche vorwiegenden Pflanzenfresser und auch der Orang Utan wird fast zu den Vegetariern gezählt, er frisst jedoch Eier, Insekten und kleine Schädeltiere (veraltet Wirbeltiere). Obligate polyphage Spezialisten sind selten und sie treten unter sehr kleinen Spezies auf. Die sich nur von Insekten ernähren oder wie die größte Primatenart, denn Gorillas sind Vegetarier. Unsere ähnlichsten Verwandten, die beiden Schimpansenarten (Pan troglodytes, Pan parvus) sind omnivor. Viele Wissenschaftler betrachten Fleischfressen als Überflusssituation. Genau wie ein wachsender Mittelstand in den meisten Gesellschaften assoziiert ist mit einer Aufwertung des sozialen Status durch erhöhten Fleischkonsum, während in Mangelsituationen, vegetarische Kost vorwiegt. Was die aktuelle Fleischlast in unserer Ernährung zeigt. Leider ist Fleisch so billig bei uns, dass wir nicht auf Gemüse und Obst ausweichen in Deutschland. Was paradox ist, denn der Anbau von Obst und Gemüse ist umweltgerechter und kostengünstiger als die Fleischproduktion. Insofern sind Subventionen für die Fleischproduktion kontraproduktiv, genauso wie Subventionen für die Pflanzenproduktion als Tiernahrung.

Wenn es genau genommen wird, so ist gerade diese omnivore Flexibilität eben ein Argument für Veganismus oder einen höheren Anteil an vegetarischer Kost. Obwohl ich einschränkend hinzufügen möchte, dass nicht jeder diese Art von Diät verträgt bzw. eine Umstellung nicht immer trivial ist, auch medizinisch gesehen. Wir sind Individuen, auch wenn wir uns gern sozial verhalten. Na ja, sagen wir sagen, dass wir uns gerne sozial verhalten, weil es uns nützt. Oder sagen wir, einige sagen, das was andere hören möchten, weil wir so sozial veranlagt sind. Und keiner weiß, ob Veganismus oder vegetarische Kost wirklich flächendeckend für ganze Völker möglich und gesund ist, zumal die Nahrungsmittelindustrie im Veganen ebenfalls ständig optimiert, um Kosten zu sparen und viel Geld damit zu verdienen ist. Jemand sagte neulich zu mir, er will gesund essen, aber viel. Was grundlegend auf unsere sinnfreie und oft nährstoffreie Gier deutet.

Kurz: Wir sind Omnivoren, aber können uns entscheiden was, wie und mit wem wir essen. Das Problem der Maßlosigkeit bleibt vorerst bestehen.

 

(1) Jared Diamond „Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ (Das Buch kann ich nur empfehlen, wer ein paar Augenöffner für einseitige bzw. aufgrund von Überbevölkerung destruktive Gesellschaften haben möchte. Aber es gibt auch positive Beispiele langfristig lebensfähiger Gesellschaften in dem Buch. Es geht um eine Vielzahl an Faktoren, die bewertet und erläutert werden, wenn die Vergleiche auch schwer sind.) S.154. Dort werden drei Inseln in Südostpolynesien verglichen und verschiedene Faktoren war ursächlich für das Verschwinden der Bevölkerung auf zwei Inseln. Auf der größten, Mangareva, wurde Ackerbau betrieben, der aber so massiv zur Bodenerosion führte, dass sich die Einwohner temporär kannibalisierten.

Tobias Lechler; Dissertation „Die Ernährung als Einflussfaktor auf die Evolution des Menschen“ S.216. Dort wird argumentiert auf Basis rezenter und fossiler Hominiden und erklärt plausibel, warum wir Omnivoren sind. Ich habe viele interessante Aspekte dort gefunden und sie einfließen lassen.

Foto: greendelicious.de


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