Grauhörnchen

Amerikanisches Grauhörnchen in London

Lebensqualität und -weise werden durch die Nahrungsmittelversorgung bestimmt. Um die Versorgung zu stabilisieren, greifen Menschen in die Natur ein. Normalerweise wäre das Hörnchen oben entsprechend rot und würde Eichhörnchen heißen. Aber es ist größer.Was hat das Grauhörnchen nun mit veganer Diät zu tun? Ganz einfach, man könnte es essen, zumindest in London. Oder in die Biogasanlage werfen, vorher müsste es natürlich getötet werden. Oder statt Fuchs- Grauhörnchenjagden veranstalten. Klingt alles wenig freundlich für das Grauhörnchen. Aber vielleicht war es ja ein Veganer, der das erste Grauhörnchen in Groß Britannien aussetzte, aus Tierliebe. Oder es war ein Gourmet, der Grauhörnchen gern auf dem Teller sieht.

Und deshalb hier ein paar gewichtige Argumente für vegane Ernährung:

Umweltverträglichkeit zielt auf unsere unfeine Art zahlreiche natürliche und künstliche Stoffe in unnatürlich hoher Konzentration, und damit ebenso zu unserem Schaden in unsere Umwelt freizusetzen. Da irgendwann natürliche Filtersysteme der jeweiligen Ökosysteme versagen oder umkippen wie z. B. manchenorts durch zu viel Stickstoff die Algenblüte sämtlichen Sauerstoff aus den Gewässern nutzt, wenn auch oft vordergründig nur temporär erscheinend. Mit Sicherheit zieht aber jede Verschiebung von Artanteilen langfristig wirkende, im Falle von weiteren kleinen Katastrophen für bestimmte Arten, Aussterbeereignisse nach sich. Wenn erst mal auch nur lokale Populationen verschwinden.

Zu diesen Verschiebungen zählen Antibiotikaresistenzen. Einmal durch die zahlreichen Formen von Antibiotika, die eben gar keine Antibiotika, sondern nur spezielle natürliche und bei uns meist künstlich abgeleitete Antagonisten gegenüber bestimmten Mikroorganismengruppen sind. Natürlich passen durch die koevolutiven und kladogenen Prozesse Stoffwechselwege und damit Wirkstoffe diverser Organismen zueinander. Antibiotikaresitenzen folgen aus massenhafter Anwendung in der Tierhaltung, womit ich auch uns meine. Da überzüchtete Leistungsrassen in zu hoher Zahl auftreten und oft auf viel zu engem Raum gehalten werden, sind sie durch diese drei Faktoren gefährdet und anfällig Krankheiten, hinzu kommt oft nicht artgerechtes Futter. Weitere Faktoren lassen das Ganze zu einem Vabanquespiel werden, mit hohem Risiko. Die Lösung war lange Jahre und ist Antibiotika. Und wenn aus den künstlich erzeugten Resistenzen jetzt ein erzwungenes Umdenken einsetzt, so doch nicht überall und die Forschung an marinen Organismen, um neue Antibiotika und Antisera zu gewinnen, zeigen keine besonders großen Einsichten. Vielleicht aber auch nur mangelnde Alternativen auf. Denn evolutionär sind bestimmte Stoffwechsel- und physiologische Prozesse bzw. Funktionen seit Jahrmillionen unverändert, teilweise seit dem Kambrium. Das ist etwas über eine halbe Milliarde Jahre her. Wenn wir jetzt bei den ältesten Stämmen (phylogenetisch) ansetzen, dann öffnen wir die letzten Reserven seitens der Natur. Und was machen wir dann, wenn auch dort Resistenzen einsetzen und diese über unseren Eintrag durch Flüsse und Schiffahrt in die Ozeane Organismen verändern, die marine Ökosysteme erhalten. Dann kommen weitere Investoren und Biotechnologie, konkret Gentechnik und Implantate. Leider sehen wir ja, was die Krankenkassen zahlen und was nicht …

Ist eine Annäherung an den Veganismus wirklich schon massentauglich? Ist Veganismus der Kern des Problems oder eine unterschwellige kreative Kritik am Mainstream Kapitalismus wie Naomi Klein es deutlicher in ihrem aktuellen Buch anspricht? Ist Veganismus nur Ausprägung einer elitären oder zumindest gut qualifizierten mittelschichtigen Hopster-Bewegung, die sich einen neuen Markt schafft, alternativ lukrativ? Sind wir womöglich mitten in der sympatrischen Arttrennung, ethologisch durch die Sichtweise unserer Herkünfte und Einsichten getrieben? Schließlich möchte ein echter Veganer nur einen veganen Partner. Sonst werden womöglich fleischinduzierte Hormone und Gerüche usw. auf den Veganer übertragen und unerwünschte Bewusstseinszustände. Wer kann sich Veganismus wirklich leisten? Jetzt, sofort. Immerhin sind über 50% urban in der Bevölkerung. Und da sind eben oft auch jene zu finden, deren Ahnen zu industrieller Verköstigung mit Fleischzulage gegriffen haben. Jeder, der sich derart für Tiere einsetzt, muss es auch für Menschen, da es reflexiv wirkt, also auf den Veganer selbst. Wer für diese Form der Gerechtigkeit steht oder diese Moral lebt, wird früher oder später auf verordnete Reproduktionsbeschränkungen treffen. Und auf die Verwertungslogik des Kapitals. Und dann wird es gefährlich mit der Moral. Sie trifft dann auf eine plötzlich notwendige Verteilungsgerechtigkeit und all die Besitzstandswahrer, die das verhindern möchten. Wer wirklich ökologisch und sozial mit seinem Umfeld leben möchte, kommt nicht umhin die Gesellschaft massiv zu verändern. Ich erinnere mich, als industriell technologisch indoktrinierter Mensch, an einen Spruch aus Avenger 2 von Ultron: „Ihr wollt die Welt beschützen, aber ihr wollt nicht, dass sie sich ändert.“ Damit beziehe ich mich auf unsere kulturellen Paradigmen. Um die Welt zu beschützen, ist jeder gezwungen sich zu verändern und genau deswegen scheitern alle derzeitigen Bemühungen zum Klimaschutz (IPCC) und für einen von allen anerkannten Internationalen Gerichtshof, an dessen Spielregeln sich alle halten. Aber wer will das schon. Veganer in den Industriestaaten müssten ihren aktuell definierten Wohlstand herunterschrauben und Nichtveganer in ehemaligen Kolonien müssten akzeptieren, dass sie nicht unsere Form von Wohlstand erreichen können. Leider leben die Eliten aller Länder aber genau diesen Wohlstand vor.

Die Welternährung mit gleichzeitiger Drosselung unserer klimawirksamen Ansprüche und damit unweigerlich verbundenem Artenschutz ist kaum mit so hohem Prokopffleischverzehr zu gewährleisten, ohne weitere natürliche Vegetationstypen massiv zu degradieren, da die Energieumwandlungen über die Trophiestufen für hohe lokale und regionale Entrophien sorgen. Das bedeutet vor allem weiterhin hohen Artenverlust und einseitige Mono- bzw. wirtschaftlich profitable Oligokulturen, die anfällig sind für Katastrophen. Ich vermeide hier bewusst das Wort Schädlinge, da wir diese Schädlinge erst so bedeutend werden lassen und dieser Begriff eine Form von Verantwortungslosigkeit in unserem Sprachgebrauch und Verhalten bedeutet. Katastrophen wiederum verursachen Pestizidnutzung, die zu Umweltgiften in den Nahrungsmitteln und Stoffwechselströmen unserer Umwelt werden, in uns akkumulieren und eben jene Allergien und andere gesundheitliche Probleme verursachen. Und wieder Gentechnik, personalisiert für den der es sich leisten kann, trotzdem ohne Garantie für die Zahlenden und verarmender Massenschrott mit allen Risiken fürs Volk.

Ein Kilogramm Rindfleisch frisst 50 Quadratmeter Regenwald, verbraucht 20.000 Liter Trinkwasser und verursacht mehr Abgase als eine Fahrt von 250km mit dem Auto. Zudem werden dafür 16kg Getreide und Soja verfüttert, was übrigens keine normale Hauptnahrungsquelle für Rinder darstellt (1). Zum Vergleich, der Durchschnittsverbrauch Wasser pro Kopf in Deutschland liegt bei etwa 135 l/d. Über zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, vor allem durch den rücksichtslosen globalen Handel verursacht, man denke an Fukushima, das Nigerdelta oder aktuell an Tianjin. 9 Millionen Menschen verhungern jährlich, weil wir falsch gewichten und nicht nachhaltig nutzen, aufgrund dümmlicher Gewohnheiten. Jean Ziegler sagt ganz konkret, das ist Mord, denn weltweit steht ausreichend Nahrung steht zur Verfügung. Was ganz konkret als Systemkritik ist. Und nicht auf Veganismus reduziert werden kann. Aber Veganismus hilft, wenn lokal/regional praktiziert und nicht alles petrochemisch substituiert wird.

Diverse Ernährungswissenschaftler sind der Meinung, dass wir erheblich weniger Wohlstandskrankheiten bei veganen oder vegetarischen Essgewohnheiten hätten. Und warum testen so viele Menschen mit verschiedenen Diäten an sich herum? Vorwiegend sicher aus sozialen Zwängen heraus, ob sie nun ex- oder intern auf die betroffene Person wirken. Man kann niemandem seine ursprüngliche Sozialisation vorwerfen, wohl aber die Ignoranz globaler und physiologischer Sachzwänge, die im Gegensatz zu Angela Merkel alternativlos sind, wenn wir den Großteil der Menschheit in die Zukunft mitnehmen möchten. Alles andere wird brutal.

Energiepflanzen in anderen Ländern weitab anzubauen führt nicht nur zu virtuellem Wasser (Ebenfalls ein schwachsinniger Begriff, da das Wasser real nicht mehr zur Verfügung steht.), es führt zu realen Materialflüssen wie wir sie als regen globalen Schiffsverkehr kennen, sondern auch zur Verschiebung der Stoffverteilungen in der Umwelt. Ein ganz einfaches lokales Beispiel hierzulande ist das beliebte Wegpusten und Zerhäckseln von Laub, Gras und Erde usw. mit Gebläsen und schnell rotierenden destruktiven Geräten und der Abtransport, am Besten jede Woche. Ein radikaler Veganer kann hier von Massaker an Kleinorganismen sprechen, wie Schnecken, Käfern. Spinnen und anderen. Beim natürlichen Laubfall sind die Blätter schon von den Bäumen größtenteils entleert von wertvollen Nährstoffen, aber trotzdem leben viele Organismen und Tiere und Pflanzen von dem Laub, woanders mit diversen anderen Bestandteilen Humus genannt. Wir degradieren so die Böden, da die Pflanzen sich natürlich die notwendigen Nährstoffe aus dem Boden holen. Andererseits haben wir die meisten Magerstandorte in den Städten mittlerweile und damit u.U. höhere Biodiversitäten als in den überdüngten Landwirtschaftsflächen auf dem Lande.

Keiner kann von sich behaupten, dass er als Veganer geboren wurde. Es sei denn, die Eltern haben auf die Muttermilch verzichtet und das Kind gleich richtig ernährt, voll vegan (oder eine seltene Krankheit liegt vor). Weil die Mutter wusste, dass ihre Muttermilch zu sehr durch die Industriegifte belastet ist? Schließlich fühlen sich heute viele Mütter von ihren Kindern an der Brust gequält und entwöhnen früh. Das möchte ich nicht als Kritik an den Müttern verstanden wissen, sondern als Kritik am Termindruck und vielleicht einem falschen Lifestyle allgemein. Alles muss schnell gehen, auch das Essen darf keine Zeit kosten, Convenience food sei willkommen. Und schon sind wir wieder mitten in der Nährstoffproblematik angelangt. Qualität wird von der Industrie vorwiegend am Geschmack festgemacht und an anderen sensorischen Vorlieben, selten an den Nährstoffen, auch wenn kräftig damit geworben wird. Optimierung heißt dann billigere Inhaltsstoffe, billigere Arbeitskräfte oder weniger. Billigere Inhaltsstoffe bedeutet dann wiederum Druck auf die Landwirtschaft oder die Chemieindustrie günstigere Rohstoffe zur Verfügung zu stellen. Billigere Arbeitskräfte bedeutet Abbau sozialen Verhaltens und sozialer Verbindlichkeiten für diejenigen, die sich die Taschen vollmachen und zudem oft gar nichts mehr mit den Ressourcen aufgrund abstrakter Arbeit zur Herdenmanipulation zu tun haben.

Wir sind Omnivoren. Keine Herbivoren, keine Carnivoren, keine Frugivoren oder Folivoren. Natürlich ist die individuelle Verträglichkeit und kulturelle Vorgeschichte der eigenen Familie mitprägend. So weit wir auch in der Geschichte zurückgehen, archäologische Funde zeigen klar, dass unsere Vorfahren Essgewohnheiten hatten, die Tierisches fast immer inkludierten.Aber gerade diese omnivore Prädisposition ist unsere große Chance, unsere Umwelt gesünder und tragfähiger für eine wachsende Menschheit zu gestalten.

Es gibt vegane Bodybuilder und Leistungssportler. Und wenn Gorillas genügend Proteine und Nährstoffe aus Grünzeug gewinnen können, warum nicht wir Menschen. Natürlich haben Gorillas das bessere und gesündere Habitat, wie wahrscheinlich auch die Sportler einen höheren Aufwand betreiben, um gesund und falls die Gesellschaft sich den Luxus gönnt, wettkampfstark zu bleiben und sehr gut damit zu verdienen.

Die Ausprägung in diverse Lebensweisen mit unterschiedlichen Diäten, räumlich, zeitlich über das Jahr, genau wie über größere Zeiträume variierend, ist die Normalität. Die Absurdität ist die Normalisierung der Verfügbarkeit von allem jederzeit überall, mit dem nötigen Geld. Dass wir Opportunisten sind, lehnt wohl kaum jemand ab. Ohne unsere Fähigkeit omnivor zu essen, wären unsere ethnologische und ethologische Vielfalt schon jetzt in endloser kultureller Armut gemündet oder diverse Populationen von uns ausgestorben, vielleicht sogar der Mensch an sich. Schließlich hätten wir als Veganer dann nicht so viele Großsäuger und deren Beutegreifer ausgerottet. Sondern uns pflanzlich ernährt. Und wären zugrunde gegangen, sobald uns die Pflanzen ausgehen oder gefressen worden. Aber das ist genau genommen Vergangenheit. Kein Mensch muss heute mehr verhungern. Gerade mit vegetarischer Ernährung ist die Versorgung leichter. Die Flächenproduktivität von pflanzlichem Anbau von Nahrungsmitteln für den direkten Verzehr durch uns ist ungefähr um den Faktor 10 bis 100 größer als für die Fleisch- oder Milchviehwirtschaft.

Überprüfen Veganer eigentlich ihre komplette Existenz auf animalisches Leid? Das ist ja zumindest der Anspruch nicht weniger. Wie sozial sind sie dabei und wie wirkt sich nicht bedachtes Asoziales auf die Tiere aus. Wie viel Leid importieren sie, wenn sie Quinoa essen? Dann können sich die Bauern im Anbaugebiet nicht mehr Quinoa leisten und weichen auf Fleisch von wilden Tieren vielleicht aus, Tiere, die nicht nur lokale Allmende sind, sondern durch ihre Funktionen als multifunktionale Vektoren für die „natürliche Dynamik“ und den Erhalt von Vegetationstypen dient. Tiere, deren Populationen sich sonst erholen könnten, wenn die Menschen dort sich abwechslungsreich ernähren. Also bringt unser luxuriöser veganer Konsum hier die natürlichen Ressourcen anderswo ins Ungleichgewicht. Zu wenige Antagonisten für erfolgreiche omnivore Opportunisten wie uns gibt es. Vegan heißt noch lange nicht hochwertig ökologisch und ebensowenig sozial, obwohl ich den meisten Veganern diese Fähigkeiten und Ansprüche zuspreche. Wobei diese Argumentation mindestens genauso für die omnivoren Esser unter uns gilt. Soja & Co für die Tierfütterung lassen grüßen …

Wir brauchen Lösungen und zwar schnell. Und eine Umstellung auf einen stärkeren pflanzlichen Anteil im Kochtopf ist schneller zu bewerkstelligen als technologische Effizienz. Denn wachsen können Pflanzen immer, während technologische Effizenzbemühungen zwangsläufig wesentlich mehr Zeit erfordern, zum Teil scheitern und negative Rückkopplungen nach sich ziehen können. Insofern bin ich bereit mich gesünder zu ernähren.

(1) Fleischatlas 2014


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