Wie schnell sich unser Planet weiter ändert, hängt von einem entscheidenden Faktor ab, der Cowspiracy. Und die Cowspiracy davon, ob wir weiter Fleisch und Milch im Überfluss konsumieren oder nicht. Die Augen kann keiner davor verschließen, dass unsere Essgewohnheiten die Erde rasant verändern, ob mit dem Blick auf die Klimaänderungen, den Artenverlust oder die anthropogen veränderten Stoffströme.

Natürlich ist Cowspiracy ein Kunstbegriff und ob es eine Verschwörung ist, sei dahin gemuht. Aber das infrastrukturell massive Abhängigkeiten durch und mit unserem sozialen Selbstverständnis bestehen und damit zu unserer Ernährungsweise kann wohl kaum jemand bestreiten.

Cowspiracy ist für uns „umfassend gebildete“ Europäer ein etwas verwunderlicher Film. Der Initiator von Cowspiracy kommt mit einer typisch amerikanischen Naivität daher und fragt eine Menge CEOs von NGOs in den USA, warum sie die Nahrungsmittelindustrie, konkreter die Fleisch- und Milchindustrie so aus dem Focus nehmen. Das Erschreckende ist das teils hilflose Gestammel von den Führungskräften oder einfach Nichtwissen bis hin zum Dummstellen.

Kurz angerissen hier die beispielhafte Ausgangssituation: Wir haben viele Kulturen mit vielen regional oder gar lokal angepassten Rinderrassen. D. h. die Rinder geben in der jeweiligen Umgebung seit Jahrhunderten die beste Fleisch/Milch Bilanz aus den vorhandenen Ressourcen und dienen auch als Arbeitstiere. Sie haben bestimmte Hufanpassungen für Fels oder Sumpf beispielsweise ausgebildet. Das Fell und die Nüstern sind bestimmten widrigen Bedingungen angepasst. Zugefüttert wird teils oder gar nicht im Winter. Die Ressourcen werden durch Schlachtungen nicht überlastet, da Fleisch eine Ausnahme in der wochenweisen Ernährung bei einem Großteil der Bevölkerung ist, denn die Tiere werden nicht so früh, weil so ausgelutscht durch unseren Leistungsanspruch, getötet. Der Sonntagsbraten spricht hier etymologisch Bände.

Weitere Treiber nicht nur unserer Esskultur: Wir züchten Hochleistungskühe, die unsere Ressourcen unnötig belasten. Weil sie ohne uns gar nicht lebensfähig wären. Vermehren sie in Massen, zerstören dafür Urwald, alte Kulturlandschaften und andere sensible ökologische Sicherheiten – sprich Artengemeinschaften aus Pflanzen und Tieren in Ökosystemen. Füttern sie dann mit nicht ihrem Verdauungstrakt gerechten Grünzeugs, dass auf genau jenen zerstörten Flächen mit massivem Pestizid und Düngemitteleinsatz produziert wird. Dämpfen auftretende Krankheiten durch bequemen Antibiotikaeinsatz ab und behaupten dann auch noch, dass KMU (Kleine und mittelständische Unternehmen) bestimmten Hygienebestimmungen nicht gerecht werden können, e.g. das Käsereiensterben in Italien und Frankreich mit durchgebrachten EU-weiten Hygienevorschriften von Großunternehmen. Obwohl die Traditionen jener Milchproduktkleinproduzenten jahrhundertelang für einen Qualitätsstandard vor Ort gesorgt haben. Da jeder Käsebauer sehr viel Ärger mit seinen Kunden, oft den Nachbarn, bekommen hätte, wenn er ihnen schädliche Produkte verkauft. Diese von Konzernen wohl durchdachte Praxis administrative Hürden für KMU aufzubauen, da diese andere, oft und in der Regel lokale Kosten internalisieren, als die Konzerne. Die vorwiegend an Großmengenoptimierung und damit industrieller Prozessierung und in Folge der Vermarktung auf großen Märkten interessiert sind.

Das Sterben der landwirtschaftlich traditionellen KMU wiederum führt zusätzlich zum Aussterben von lokalen oder regionalen angepassten Haustierrassen, die nach etwas schmecken. Denn natürlich können viele kleine Käsereien, mangels Lobby, sich oft nicht gegen die dümmlichen und gierigen Anschuldigungen bzw. Behauptungen wehren.

Die Milchmassen wiederum sind den Verbrauchern aus Gewissens- und physiologisch gesundheitlichen Gründen zu fett. Davon abgesehen werden Millionen Tonnen allein in Deutschland in die Abfallverwertung gegeben. Das Fett, der Rahm, wird dann zusätzlich als Käse vermarktet oder in anderen Milchderivaten. Oft mit vielen künstlichen Zusatzstoffen.

Vielleicht gibt es aber auch andere Gründe, warum wir nur noch so unnatürliche Milch konsumieren. Denn Milch ist für Kälber gedacht, damit diese schnell wachsen und nicht für erwachsene Menschen. Ein weiterer Verdacht, es soll von den ganzen Keimen und anderen künstlichen Zusatzstoffen in der Massenproduktion abgelenkt werden. Die Milch also entrahmt, vordergründig als vom Konsumenten so gewollt beworben und die Fettanteile, früher teilweise in Lagerstätten in den Bergen zu in Millionen Tonnen in den USA gelagert, werden wieder vermarktet. Alle natürlich zerlegt in für die Industrie produktionsgerechte Bestandteile. Mit idyllischen Bildern in der Werbung. Die Folge, der Käsekonsum steigt, mit dem Käsekonsum der Anteil konsumierter gesättigter Fettsäuren und damit steigt das Durchschnittsgewicht der Amerikaner. Und auch der Europäer. Der Chinesen usw. Im roten Fleisch ist ebenfalls ein hoher gesättigter Fettsäuren zu finden, sprich im Rindfleisch. Mehr dazu in „Das Salz Zucker Fett Komplott“ von Michael Moss. Aber hier steht die Gesundheitsindustrie schon Schlange, obwohl ja die Krankenkassen in Deutschland aus Kostengründen angeblich fusionieren müssen.?

Der Film Cowspiracy sagt, wie wir sehr schnell unseren ökologischen Fußabdruck verringern können. Durch den Konsum von weniger Fleisch- und Käseprodukten. Der Flächenertrag für einen Vegetarier ist um den 10 bis 100 größer als für einen sehr fleischlastig lebenden Menschen. Bei weltweit fortschreitender Bodendegradation bzw. Bodenerosion und wachsender Weltbevölkerung eines unter vielen gewichtigen Argumenten, die Ressourcen zu entlasten.

Zeit etwas zu ändern. Ich esse ein- oder zweimal die Woche Fleisch und Milch- bzw. Käseprodukte versuche ich  ebenso zu reduzieren, was mir zugegeben nicht immer leicht fällt. Aber ein Umstieg auf fast vegane Ernährung ermöglicht einen raschen massiven Rückgang der Ressourcenbelastung. Denn Gemüse, Obst und Nüsse wachsen saisonal. Tiere müssen dagegen aufwendiger unter Ressourcenaufwand gehalten werden. Technologische Effizienz kann sich im Gegensatz dazu nicht so schnell räumlich ausbreiten und ist oft mit negativen Rückkopplungen verbunden. Und vegetarische Suffizienz ist gesund.

 


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