Greendelicious Gonso

Herbst vor dem Hohen Göll

Mein jahrelanger Liebling, eine Sportjacke eines großen Sportartikelherstellers, hatte nach 5 Jahren Dienst, ob beim Laufen oder zum Radeln den Reißverschluss aufgegeben. Der ist leider so eingearbeitet, dass eine grundlegende Qualität, wasserdicht zu sein, bei einer Reparatur durch unseren Hausschneider nicht mehr gewährleistet ist. Zu sehr industriell hergestellt. Und sie enthält gegen den Regen jede Menge PFC. Aber jetzt habe ich Uwe, von Gonso.

Seit Jahren weist Greenpeace fast alle großen Outdoorkleidungshersteller auf das Problem hin, dass zu viel PFC, zu deutsch poly- oder perfluorierte Kohlenwasserstoffe, in der Outdoor-Branche verwendet werden. PFC sind in der Nutzung für Oberflächenbeschichtungen sehr gut für atmungsaktive und wasserdichte Kleidung. Einige Hersteller haben sich auf den Weg gemacht und entwickeln PFC-freie Kleidung für den Einsatz an der frischen Luft. Ursache ist die Klimarelevanz der PFC, mit ihrer nutzbringenden Eigenschaft inert, also chemisch wenig reaktiv zu sein. D. h., der Energieaufwand, sie zu zerlegen ist immens hoch. Die Reaktionsträgheit ist für die Oberflächeneigenschaften erwünscht. Dadurch sind PFC-Textilien hydrophob, ölresistent und hitzebeständig. Was aber auch bedeutet, dass sie kaum abbaubar sind, in natura.

Wir haben deshalb schon auf die erste PFC-Recyclingfabrik weltweit hingewiesen. Da die PFC-Eigenschaften sehr beliebt sind in der Industrie, wird daran gearbeitet, die Freisetzung von PFC in die Natur zu vermeiden und sie so weiter verwenden zu können, bis bessere Materialien einsatzfähig sind. Bei einigen Herstellern von Outdoorkleidung sind u. U. sogar Neuimprägnierungen mit PFC notwendig. Was wiederum bedeutet, dass die alte PFC-Imprägnierung sich in die Natur verabschiedet hat. Einige Hersteller setzen weiter auf chlorhaltige Textilien und haben auf polyfluorierte Alternativen umgestellt, deren Unbedenklichkeit ebenso in Frage steht.

Gonso, ein mittelständischer deutscher Hersteller mit Tradition seit 1926, hat dieses Jahr mit Uwe, einer Allwetterjacke, eine PFC-freie Jacke herausgebracht. Leider habe ich mir, als ich im Juni das erste Mal die Jacke zu einer Radtour in die Harburger Berge mitgenommen habe, gleich mal das Schlüsselbein doppelt gebrochen. Womit meine Testphase sofort beendet war. Das lag natürlich nicht an der Jacke, sondern an mir. Jetzt haben wir „endlich“ Herbst in Hamburg und ich bin bereits öfter ordentlich nass geworden, mit Uwe als Partner. Und jetzt in den Bergen gefällt Uwe mir besonders, als Abfahrtwindschutz bei bis zu 60 km/h.

Uwe gibt es in blau und rot. Als semi-fit geschnittene Allwetter-Jacke ist sie mit wasserdicht getapten Nähten gefertigt. Da ich gern von Autofahrern gesehen werden, habe ich die rote Variante gewählt. Polyamid außen und innen Polyester sind die Materialien der Wahl von Gonso. Die Imprägnierung ist auf Polyurethanbasis und ökologisch unbedenklich. Bei gleichzeitiger Wetterresistenz und Persistenz. Es gibt umweltfreundlichere Materialien, aber Polyamid und Polyester sind gut recycelbar. Die Jacke hält ausgezeichnet den Regen ab, es sei denn, ihr kommt auf die Idee die Jacke mit Weichspüler und über 30°Celsius zu waschen, wie ich. Dann hält sie den Regen zwar auch ab, aber sie trocknet nur sehr langsam, da Wasser langsam eindringt. Was bei schnell hintereinander zu absolvierenden Radfahrten die Jacke etwas klamm wirken lässt. Ist aber wie gesagt mein Fehler, da Gonso darauf hinweist. Das Weichspülerproblem existiert aber allgemein bei Outdoorjacken, die wasserdicht sein sollen.

Die Passform fällt fahrradgerecht an den Handgelenken der Ärmel sehr schmal aus, ist aber verstellbar. Und wer große Uhren mag, wird etwas Probleme haben, auch wenn Klettverschlüsse etwas Spiel zulassen. Und das finde ich sinnvoll, da so kaum Wind mit Handschuhen an den Handgelenken spürbar ist. Meine Outdooruhr lasse ich deshalb weg. Sonst sitzt die Jacke sehr gut am Torso und ist körperbetont gearbeitet, lässt aber gut radfahrtypische Bewegungen zu. Und warme Unterkleidung ist auch möglich. Auf dem Foto oben trage ich einen relativ dicken Pullover von armedangels drunter. Wovon ich allerdings allerdings beim Biken abrate.

Die Allwetterjacke hat eine Brustinnentasche links und zwei Frontaußentaschen mit Reißverschluss. Außerdem eine Handytasche mit Klettverschluss rechts, die für mein Smartphone Xperia Z1 mit Schutzhülle zu klein ist. Die anderen Taschen sind hinreichend für mein Smartphone. Ich persönlich packe meines nur in die Innentasche an der Brust, da größere Gegenstände in den Außentaschen nur das Treten mit einem Fahrradrucksack behindern, da Hüft- und Brustgurt Jacken im Hüftbereich dann versteifen. Die Außentaschen sind mit innen liegenden Kordeln ausgestattet für eventuelle Bundweitenanpassungen an die Regen- und Windverhältnisse.

Die Kapuze sitzt gut, hat eine steife Regenlippe über der Stirn und lässt sich mittels zwei Kordelzügen und einem Klettverschluss am Hinterkopf gut einstellen. Zwei verstärkte Tropfkanten auf Brusthöhe sind praktisch, da so das Wasser nicht die ganze Jacke herunterläuft, wenn aufrechte Fahrpositionen bevorzugt werden. Für wärmere Tage über 18 °Celsius ist mir die Jacke fast zu warm bei normaler bzw. sportlicher Fahrweise, so dass ich die Jacke wohl das ganze Jahr nutzen werde. Gestern habe ich sie genutzt als Decklayer über einer alpinen Isojacke bei einer MTB-Abfahrt ab 2200 Meter Höhe mit Geschwindigkeiten bis 60 km/h vom Würzjoch nach Lüsen.

Alles in allem freue ich mich auf die Jacke, wenn ich sie anziehe. Was für mich ein Kaufgrund ist. Weil das emotionale Wertschätzung ist, über das Wissen verschiedene Qualitäten geeint zu nutzen. Obwohl ich die Jacke als Testmuster von Gonso zur Verfügung gestellt bekommen habe. Vielen Dank dafür an Gonso.

139,- Euro kostet die Jacke und ist der Preis ist angemessen. Denn wert ist es mir die Umwelt und mein Radfahrerglück allemal. Die meisten Wettbewerber sind teurer bzw. haben keine PFC-freien Outdoortextilien im Angebot. Gonso hat nicht die gesamte Kollektion auf PFC-frei umgestellt, sondern bietet vorerst nur ausgewählte Kleidungsstücke an. Ich hoffe, dass mein Artikel andere Radfahrer dazu bewegt PFC-freie Jacken und Hosen zu wählen. Und so weitere Anreize nicht nur für Gonso bietet, nach und nach komplett PFC-freie Kollektionen zu entwickeln. Gonso arbeitet nicht nur mit der Umwelt, sondern ist zusätzlich Mitglied in der Fair Wear Foundation. Einer Organisation, die auf soziale Standards in der Produktion achtet. Ein weiterer Grund die nächste Jacke vielleicht lieber von Gonso zu kaufen.

Jacke Uwe: Gonso; Hose: Hess Natur; Brille: Vuarnet

Bild: greendelicious

Hier gibt es die aktuellste PFC-Studie von Greenpeace.


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