Die Bishnoi sind eine Religionsgemeinschaft in Rajasthan. Sie leben laktovegetarisch und stehen mit ihrem Leben für Tiere und Fällen von Bäumen ein. Und verfolgen Wilderer, denn in Indien ist seit 1972 die Jagd verboten.

Der Bishnoismus wurde vom 1451 Guru Jambheshwar begründet. 1730 wehrten sich die Bishnoi im Dorf Khejarli gegen die Abholzung von Khejri-Bäumen durch Soldaten des Maharaja vonMarwar. 363 Dorfbewohner sind der Legende nach umgekommen. Sie hatten sich schützend vor die Bäume gestellt. Der Protest war erfolgreich und der Maharaja erließ ein Verbot gegen die Abholzung. Die Protestaktion gilt als frühester Vorläufer der Chipko-Bewegung in Uttarakand. Indische Frauen hatten in 1970er Jahren Widerstand gegen die Waldzerstörung geleistet. Bekannt ist die Chipko-Bewegung durch ihre Baumumarmungen, um Fällungen zu verhindern.

Bishnoi sind sehr aggressiv, was die Verteidigung der Bäume und Tiere in ihrem angestammten Gebiet betrifft. Sie verfolgen Wilderer vehement und versorgen verletzte Tiere aufopferungsvoll. Andere Kasten im Lebensraum der Bishnoi, das Kastensystem ist leider mit eine Ursache für die Probleme in Indien, wissen um diese offensiven Schutz der Bishnoi für die Umwelt und passen sich entsprechend an. Die Biodiversität in der Umgebung von Bishnoidörfern ist signifikant höher als in anderen Dorfgemeinschaften. Außerdem verfolgen die Bishnoi eine vernünftige Fortpflanzungsstrategie, maximal drei, besser drei Kinder, werden propagiert und natürlich ebenso von der indischen Regierung befürwortet.

Interessant für semivegane Seidenliebhaber, ebenso wie die Ahimsa-Seide ohne Gewalt gegenüber den verpuppten Raupen gewonnen wird, die Falter schlüpfen vorher, so trägt der Führer einer Dorfgemeinschaft den Titel Ahimsa, gewaltlos. Was rechtlich und moralisch nicht ganz stimmt, jedoch wesentlich besser ist als unsere gesellschaftliche Heuchelei und Ignoranz in den oberen kastendenkenden Zehntausend.

Spannend sind die 29 Gebote der Bishnoi. Teils einfache, aber sinnvolle Ratschläge für die lokale Ökologie, wenn auch etwas willkürlich auf uns wirkend, die von den Bishnoi ernst genommen werden. Bis auf einige Ältere, die Opium rauchen und damit gegen ein Gebot des Gründers verstoßen. Die Gebote lesen sich wie eine Handlungsanleitung nicht nur für NGO-Mitarbeiter.

  • Großmütige und achtungsvolle Beziehung zwischen Frau und Mann => eine zeitgemäße Sichtweise, auch wenn es noch unterschwellige patriarchaische Grundsätze gibt
  • Töte niemals ein Tier, egal wie klein es ist => da bin ich anderer Meinung, es gibt zu viele Neobiota weltweit
  • Iss niemals Fleisch => sehr kluge Manifestation thermodynamischer Grundlagen in den Alltag
  • Denke, bevor du sprichst => viel besser als der berüchtigte „gesunde Menschenverstand“
  • Habe Verständnis zu vergeben => macht vieles einfacher
  • Kritisiere nicht ohne Grund => also denke, bevor du sprichst
  • Habe Mitgefühl mit allem, was lebt => eine angebrachte Alternative zum Mitleid
  • Fälle niemals einen Baum, beschneide keinen grünenden Baum => das Mantra jeden intelligenten Forstmannes und mit Sicht auf Paris, ein bestechend einfacher wie brillanter Gedanke, leider wurde die Nachhaltigkeit ja in Deutschland erfunden 😉

Auch wenn ich Religionen nicht grundsätzlich wohlwollend gegenüberstehe, da viele Menschen sie traditionell wie eine unumstößliche Marketingstrategie vor sich hertragen. Aber dafür kann die Religion ja nichts. Umso mehr gefällt mir der weise religionsähnliche Ansatz der Bishnoi.

Die vollständige Liste der Gebote, hier auf Englisch.

Wer Lust hat, kann sich einen Film zu den Bishnoi auf arte ansehen.


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