RettetdenRegenwald.org ruft gerade zu einer Aktion auf. Die UNESCO soll Menschenaffen zum „Lebendigen Welterbe“ erklären. Und obwohl ich die inhaltliche Textur viel zu emotional, wie bei vielen anderen gut gmneinten NGO, empfinde, so kann ich nicht umhin, den fernen Regenwald und seine Organismen a priori auf einen der ersten Plätze zu schützender Regionen der Welt zu setzen.

Unter emotional möchte ich präzisieren, verstehe ich diesen von mir so aufgefassten naiv elegischen Unterton, den ich oft bei scheinbaren, nicht scheinbaren Gutmenschen und andenen Menschen antreffe. Ich habe allgemein nichts gegen Gutmenschen und gegen Menschen, die so tun, als ob sie Gutmenschen wären. Und mir ist klar, dass jeder, so abstrakt und rhetorisch gewandt er sich auszudrücken vermag, eine Gefühlsbasis grundlegend für seine Kommunikation ist. Aber diese weinerliche Form von Onlinewiderstand halte ich für falsch.

Menschenaffen reagieren direkter und wer einmal Drohgebärden eines männlichen Gorillas im Fernsehen oder gar live erleben durfte, wird vielleicht verstehen, was ich mit einer konkreteren Form Unmut auszudrücken meine. Wer den Begriff Menschenaffen für sich einmal genauer definieren wollte, ist sicher auf den Schimpansen, den Bonobo und den Orang-Utan gestoßen oder wer es ganz genau nimmt, sogar auf Unterarten genannter Spezies.

Beeindruckend genauso wie ein Trupp männlicher Schimpansen ein Gruppenmitglied misshandelt und verstösst. Abschreckend für empathische Menschen. Oder wie ein Pongo sich lässig durch die Baumwipfel bewegt. Bonobos sind bisher die einzige Menchenaffenart, bei die Weibchen das Sagen haben. Was beim Menschen nur noch in wenigen Ethnien der Fall ist. Denn viele Ethnien in denen die Geschlechter gleich berechtigt waren, sind schon verschwunden. Viele andere „Naturvölker“ wie die Pennan sind bedroht oder werden gnadenlos kulturell domestiziert und damit dem Aussterben preisgegeben wie beispielsweise die Eyak in Alaska am Eyak. Deren gleichnamige Sprache und damit die meisten Bräuche mit der letzten Sprecherin Marie Smith Jones 2008 ausgelöscht wurden.

Traurig genug, dass wir alle akzeptieren, was unsere Eliten veranstalten und viele unserer dumpfen Mitmenschen. Jetzt müssen wir ein lebendiges Welterbe ausrufen. Trotz der Tatsache, dass jedem psychologisch klar ist, warum wir uns unter Tieren und Pflanzen am wohlsten fühlen oder schlechten Imitationen davon. Und seien es nur unsere nächsten Verwandten. Letztes Jahr starb Oliver Sacks, den meisten bekannt vielleicht als virtuoser populärwissenschaftlicher Schriftsteller, der über Neurophysiologie und Psychologie schrieb. Sacks plädierte für eine individuelle Qualität der Kommunikation abseits von statistischer Zahlenakrobatik, die die meisten von uns nur mit sehr nahe stehenden Personen aufbauen. Und diese Qualität zum Kennenlernen und Erforschen auf Patienten anzuwenden und die eigene Normalität nicht so einfach hinzunehmen. Jeder, der einen psychisch kranken Menschen als im nahe sieht, wird erkennen, wie kreativ Kranke sich ausdrücken können, was uns im ersten Moment absurd erscheint. Ich kann Sacks nur empfehlen. Der Mann schrieb unglaublich gut. Und er hat viel zu sagen und öffnet den geistigen Horizont.

Wie kann es sein, dass wir unsere biologisch nächsten Verwandten nicht einmal wie Patienten behandeln. Vielleicht weil wir unsere Mitmenschen in unseren medizinischen Einrichtungen nur als Nummern behandeln, die Werte auf Konten generieren. Gerade habe ich mir ein paar Filme auf Youtube angesehen über Menschenaffen. Was, wenn wir so offen wären wie die an Menschen gewöhnten Gorillas im Virunga Nationalpark, der bedroht ist. Oder so gnadenlos wie die Schimpansen im Film (Link) oben. Müssen wir das Besondere an einem Menschenaffen wirklich herauskehren? Und ihn zum abstrakten Welterbe erklären?

Roger Fouts, ein Psycholinguist und Anthropologe, hat mich in der Jugend mit einem Buch „Unsere nächsten Verwandten“ mitgeprägt. Und wer es irgendwo findet, sollte es lesen. Es verändert komplett die Sicht auf unsere Welt. Obwohl mich viele Männer an den komatös masturbierenden männlichen Schimpansen in dem Buch erinnern. Fouts beschreibt und diskutiert ausführlich über in Versuchsreihen psychisch geschädigte Schimpansen und wie er Washoe, einem Schimpansen ASL (American Sign Language), lehrt. Spätestens seit der Zeit lehne ich Zoos und Zirkusse ab. Genau wie ich mir , so sehr ich es mir auch wünsche, Berggorillas in freier Wildbahn zu sehen, verbiete. Obwohl ethologisch gesehen, dass die Zukunft der meisten von uns als schützenswert erachteten Tiere sein wird. Ich hoffe, sie begreifen es nicht so wie John in Brave New World.

Und obwohl ich denke, dass die Menschen, die jetzt unsere Zerstörungswut nicht aktiv zu verhindern suchen, es nicht verdienen das Gefühl vollendeter Schönheit von der Natur zu empfangen, genauso wenig kann ich nicht anders als diese Elegie von Rettet den Regenwald zu unterschreiben in der Petition für die UNESCO.

 


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