Bienenbeuten und Betriebsweisen

Seit Anfang April beschäftige ich mich viel mit Bienen und Bienenbüchern. Und da Bienen nicht unabhängig von anderen Lebewesen existieren, erweckt die Bienenneugier entsprechend die Beobachtung der Pflanzenwelt. Derzeit haben wir Vollfrühling nach dem Bienenjahr. Sehen und erfreuen kann sich entsprechend jeder an den Kirschblüten oder den für meinen Geschmack etwas zu häufigen blühenden Rapsfeldern.

Bienenbeuten und Betriebsweisen ist ein solides Buch, denn es handelt nicht nur von Bienenbeuten und den einzelnen Vor- und Nachteilen der jeweiligen Form der Bienenhaltung. Sondern gibt einen sehr guten kompakten Überblick über die Imkerei allgemein. Geht dabei nicht zu sehr in die Tiefe, sondern führt gerade Anfänger, wie mich, in verdaulichen Schritten in die Imkerei ein. Das Bienenvolk selbst und die wichtigsten Bienenrassen Europas werden auf den ersten Seiten vorgestellt.

Das Buch ist nicht an ökologischen Richtlinien orientiert, sondern handelt nüchtern wichtige Beutenformen ab. Ich habe mich bewusst für dieses Buch entschieden, da sich nach Recherchen bei Youtube und im Netz wie bei natürlichen Phänomenen üblich, dass vieles vom Betrachter und Anwender abhängt. Kurz vier Imker sechs Meinungen … Für mich stellte sich bei der Suche nach ökologischer Bienenhaltung heraus, dass ich die meisten Beuten nicht nutzen werde. Trotzdem sollt jeder zukünftige Imker oder Bienenhalter (Einige Menschen halten Bienen nicht zum Gewinn von Honig, sondern einfach aus Interesse und Besorgnis.) sich ruhig diverse Varianten ansehen, da sicher nicht jeder gleiche Ansprüche und Vorlieben hat.

Franz Lampeitl stellt praktische Betrachtungen in den Vordergrund und zielt konkret auf die Honigernte ab. Der Bienenhalter soll Freude mit den Bienen haben und natürlich Honig ernten.

Somit gibt es eine kurze geschichtliche Einführung von alten Beuten zu modernen Bienenbeuten. Was ich persönlich gut nachvollziehen kann, da die einzelnen Beuten einen erstmal überfordern. Die gelungene Einteilung in Hinterbehandlungsbeuten am Anfang, wenn auch extrem knapp und nachgestellt die Oberbehandlungsbeuten, beide grundlegenden Varianten sind heute noch in Gebrauch, auch wenn in den Medien und bei Imkern eine Tendenz zu Oberbehandlungsbeuten zu erkennen ist, erhellt den Blick auf die wesentlichen Unterschiede.

Ausziehbeuten, Blätterbeuten und der Schweizer Kasten werden vorgestellt. Für die Oberbehandlungsbeuten geht Lampeitl auf die Hohenheimer Wanderbeute, die Zanderbeute nach Herold, die Hohenheimer Einfachbeute, die Europabeute, die Segeberger Kunststoffbeute, die Langstrothbeute, die Dadanbeute nach Adam, Frankenbeute, Combibeute, Weissacher Dadant-Beute und das Mini-Plus, einem Königinnen-Begattungskästchen ein. Das erscheint auf den ersten Blick viel, aber jede Beute wird in ein bis zwei Seiten abgehandelt und natürlich lassen Ähnlichkeiten Überflüssiges weg. Was ich angemessen finde, zumal der Autor Querverbindungen zieht. Die übersichtliche Gestaltung des Buches tut ein Übriges. Die Zeichnungen sind nicht überladen und die Hinweise in separaten Kästchen am Rand kurz und andersfarbig dezent.

Die Betriebsweisen sind nicht auf die einzelnen Beuten bezogen, sondern allgemein auf methodisches Vorgehen, um dem Bienenschwarm im Alltag praxisgerecht zu werden. Diesen Abschnitt fand ich gelungen, da sehr viel Erfahrung auf das Wesentliche heruntergebrochen wird. Standortwahl, Gerätschaften, Jahresablauf, Honigentnahme, Königinnenvermehrung, Einwinterung werden besprochen.

Den Abschluss bilden Betriebsweisen mit Dadantbeuten, die wichtigsten Krankheiten und ein kurzer Blick in die Zukunft der Imkerei.

Der Titel und der Klappentext halten, was sie versprechen. 101 Seiten hat das Buch und ich kann nur einen Kritikpunkt daran finden. Die Werbung von Bayer Healthcare, der Abteilung von Bayer für Tiergesundheit, für Perizin (Coumafos) und Bayvarol (Flumethrin), was ich angesichts gesunder Alternativen, auf der Frontrückseite, für den Anspruch „natürlichen Abläufen … soweit wie möglich entgegen zu kommen“ (Klappentext) für unverantwortlich und unangemessen halte, zumal das Buch nicht günstig ist für den Umfang. Bayer ist mit verantwortlich für die Produktion von Neonikotinoiden, die Bienen schädigen und will das Verbot derselben teilweise wieder aufheben(siehe Artikel vom 11.04.). Für den konventionellen Einsteiger super, für den ambitionierten Ökologen unter den Imkern weniger empfehlenswert.

Ich habe das Buch bei Booklooker auf eigene Kosten für 19,90 Euro erworben und keine finanziellen Vorteile von dieser Kritik.

Bild: greendelicious im Mai mit Löwenzahn und Gänseblümchen


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