Buch Ökologisch Imkern mit Kirschblüte im Mai

Ökologisch Imkern von Claudia Bentzien ist mein zweites Bienenbuch, das ich durcharbeite, um mich den Bienen weiter zu nähern. Und wer geht derzeit nicht gerne raus und genießt den Frühling? Allergiker seien hiermit bedauert und auch wenn es nicht immer hilft: Ich habe weniger Probleme seit einer Ernährungsumstellung, weg von industriell gefertigter Pseudonahrung.

Frühlingsblüte

Von Imkern wird der mit allen Sinnen zu erfahrende Zustand der Natur Vollfrühling genannt. Kirschenblüten sind nicht nur den Japanern ein Fest der Sinne. Auch Äpfel, Birnen, der Flieder beginnt, Magnolien, Quitten und Heckenrosen blühen nach den letzten drei Tagen in voller Sonne hier bei uns im Norden.

Inhalt

Claudia Bentzien ist promovierte Ökoimkerin mit Anspruch. Wie bei Bienenbeuten und Betriebsweisen ist das Buch sportlich kurz mit 122 Seiten gehalten, aber wie bei Lampeitl gehaltvoll. Die Optik ist sehr übersichtlich und wirkt durch viele erklärende Fotos organisch. Bentzien beginnt mit den Betriebsweisen und arbeitet sukzessiv alle wichtigen Aspekte der Imkerei ab. Das sind im Einzelnen unter der Prämisse ökologisch: Betriebsweise, Bienenwohnung, Standort, Varroabehandlung, Naturwabenbau, Zucht, Vermehrung, Wachskreislauf, Honig und wunderbar das Bienenjahr sowie einem kleinen Servicekapitel für Wissenshungrige. Die Autorin gibt dem Buch einen lebendigen weiblichen Ton und schreibt ab und zu in der Ich-Form. Was ich als sehr angenehm empfinde. Da die Subjektivität, mit der jeder Imker lernt und seinen Umgang mit Bienen entwickelt, durch den aktuellen Standort der Bienenvölker, also Naturhistorie mit biotischen und abiotischen Faktoren lokal bzw. regional und seiner Vorbildung vorgegeben ist, so zum Ausdruck kommt. Frau Bentzien verwendet trotz ihrer wissenschaftlichen Qualifikation normales Imkerdeutsch.

Jahresverlauf der Bienenhaltung

Ausgesprochen gut hat mir die ausführliche Übersicht über mehrere Seiten der vorgegebenen Betriebsweisen zum Verkauf von Honig für die verschiedenen Bioverbände gefallen. Als Bienenökologin bringt Claudia Bentzien immer den Zusammenhang zur lebenden und potenziell unbelasteten Natur mit in ihre Ausführungen ein. Umfangreiche Erläuterungen zum Bienenjahr, ein Drittel des Buches behandelt den saisonalen Verlauf, sind beständig in Kontakt zur ökologischen und praktischen Betriebsweise geschrieben. Und besonders anregend. Ich selbst gehe diesen Mai bewusst viel ruhiger durch Wald und Wiesen, um natürliche Vorgänge zu beobachten und zu verstehen. Gestern habe ich z.B. Reiher, Kraniche, eine Bisamratte, eine kranke Hummel, einen Buntspecht und einen Schwarzmilan gesehen und sehr viele Vögel gehört. Und auch vielen andere Bestäuber wie Schwebfliegen, Wespen, Hummeln oder Mücken sind derzeit gut auf den Blüten zu beobachten. Schmetterlinge habe ich bisher keine beobachtet.

Ökologisch Imkern ganzheitlich

Ökologisch Imkern finde ich besser als Bienenbeuten und Betriebsweisen von Lampeitl, da sicher nicht unvoreingenommen von mir, eine ganzheitlichere und weniger technisch normative Bienenhaltung von Claudia Bentzien empfohlen wird. Das Gewicht liegt nicht, wie bei Lampeitl auf betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt. Sondern geht beständig einen öffnenden Schritt weiter in Richtung Harmonisierung der Imkerexistenz mit der vorhandenen Natur. Konsequent tauchen folglich ab und an auch außerimkerliche Tipps für ein ökologischeres Leben auf. Wer sich schon für eine naturnahe oder gar strikt ökologische Imkerei entschieden hat, sollte zum Buch von Frau Bentzien greifen. Gerade Frauen dürften sich sehr angesprochen fühlen.

Selbstverständlich wird nicht jeder mit der Verwendung von Milch-, Ameisen-, oder Oxalsäure, wie im Buch beschrieben einverstanden sein oder vielleicht mit der Nutzung konventioneller Beuten. Aber solange keine ganzheitlichen Wissenschätze gehoben sind und in der Imkerszene und in der Agrarindustrie um sich greifen, wird diese Varroabehandlungsform und die Nutzung von Magazinbeuten noch eine Weile Standard sein. Da das Buch schon 2006 vom Kosmos-Verlag herausgegeben wurde, sind einige „neue“ und wissenschaftlich ungesicherte Erkenntnisse zur Varroabehandlung wie Bücherskorpione als Predatoren der Varroamilbe nicht enthalten. Diese Aussage möchte ich nach meinem derzeitigen Erkenntnisstand aber als Kritik an konventionellen Bienenhaltung sehen. Und dem immer stärker ökonomischen Druck unterliegenden Wissenschaftlern verstanden wissen. Demnächst dazu mehr.

Fazit Bienenbücher

Insgesamt bin ich für den Einstieg in das Imkereiwesen mit den beiden Büchern sehr zufrieden. Sie sind beide fachlich und thematisch zutreffend geschrieben und haben sich für mich ausgezeichnet ergänzt.

Ökologisch Imkern – Einfach Imkern nach den Regeln der Natur habe ich als Mängelexemplar bei booklooker.de auf eigene Kosten erworben und keine finanziellen Vorteile von dieser Rezension.

Bild: greendelicious in Mecklenburg-Vorpommern im Mai


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