Geschäft B-Lage für den Upcycling Pop Up Store von Reet Aus und Bridge & Tunnel

B-Lage als Upcycling Pop-Up-Store von Reet Aus und Bridge&Tunnel in der Kampstraße 11

Reet Aus ist eine Designerin aus Estland mit einem pre-consumer- und production waste-Ansatz für industriell basiertes Upcycling. Bis zum 25.06. können sich in der Kampstraße 11 Interessierte mit Infos zum Upcycling versorgen oder gleich ein paar Upcycling-Designs für sich erwerben. Angeboten werden auch Designprodukte von Bridge&Tunnel, gegründet von zwei Frauen mit einem ausgesprochen sozialen Ansatz aus Hamburg.

Reet Aus

Seit 2006 beschäftigt sich die Estin Reet Aus intensiv mit Upcyclingoptionen der Textilindustrie in großem Maßstab. Wir hatten sie im Rahmen der Ethical Fashion Show Winter 2014 schon erwähnt.

Formen des Upcycling

Grob unterscheidet sich Upcycling in postkonsum (post-consumer waste) und präkonsum (pre-consumer waste). Präkonsum können in Produktionsmaterialien (production waste), wie Rollenenden oder Verschnitt, die in den verschiedenen Prozessstufen anfallen und Fertigwaren unterteilt werden. Fertigwaren sind verkaufsbereite Waren und werden oft geschreddert oder gehen nach gezielter Beschädigung in den Müll oder die Verbrennung (Anmerkung: Hier muss ich noch mal erwähnen, alles was wir aus welchen Gründen auch immer verbrennen, wie Warenfälschungen, Elfenbein oder Erdgas u. a. ist absolut schwachsinnig in einer endlichen Welt und nicht markteffizient. Diese Praktiken gehören upgecycelt und nur noch in die Geschichtsbücher.). Fertigwaren und Produktionsreste machen einen großen Teil aus und besitzen ein gewaltiges Potenzial. Ein Nachteil der Fertigware, wenn nicht fertig verkauft, dann erfordert das Auftrennen und erneute Arrangieren wieder Ressourcen. Nichtverkäufe sind ein weiteres Beispiel für ineffiziente Märkte in unserer Zeit. Einige Designer versuchen deshalb nur im Auftrag zu produzieren, was wieder die Regel werden kann. Postkonsum kennen die meisten, da viele von Euch oder Menschen in Eurem Umfeld, so hoffe ich, etwas nach Gebrauch wieder aufwerten. Also beispielsweise aus alter neue Kleidung fertigen.

Präkonsumer Irrsinn in der Ökonomie

Präkonsume Verschwendung überrascht jeden, der noch bei ökonomischen oder ökologischen Verstand ist. BWLer und VWLer müssten sich die Augen reiben und die Frage nach der Effizienz stellen. Die hohen Frequenzen, alle zwei Wochen werfen einige Firmen neue Kollektionen Fast Fashion auf den Markt, verstärken den Trend zum Schreddern oder sogar Verbrennen oder seltener zum Verramschen. BWLer, denn je nach Losgröße kann nicht wenig Verschnitt anfallen und an die Marktapologeten unter den VWLern, da die Märkte versagen, also für ein verfügbare Materialmengen sich keine Anschlussverwendungen bzw. Vermarktung findet. Hier wäre die Frage nach Haute Couture Verschnitt berechtigt, wo der genau bleibt und ob da nicht Premium Upcycling möglich wäre, obwohl Haute Couture selbst hohes Potenzial besitzt neuartige Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen zu regelmäßig supporten. Allerdings erleichtern petrochemische Textilien oft bestimmte Schnitte, weshalb Designer leider noch oft auf sie setzen. Und es ist die Politik gefragt, der Ressourcenverschwendung regelnde Riegel vor- oder eine Kreislaufwirtschaft mit schlauen Köpfen umzusetzen.

Reet Aus Upcycling aus Produktionsabfall

Da schon die Hersteller, die ihre Aufträge von den großen Handelsketten bzw. Modebrands bekommen, mit großen Mengen nicht benutzten Materials konfrontiert sind, bis zu 15 %, setzen diverse Modedesigner wie die Vorreiterin Reet Aus genau an dieser zukünftig skalierbaren Latenzmenge aus „Produktionsabfall“ in der Fertigung an. Reet erzählte mir gestern, zusammen mit Marko, dem Marketingchef, dass die großen Brands die Produzenten als Schuldige sehen bzw. sich nicht zu blöd vorkommen, mit dem Finger auf die Hersteller zu zeigen. Interessant oder?, da in der Öffentlichkeit noch öfter die Konsumenten, die es sich leisten können, leider oft zurecht, als Sündenböcke herhalten müssen. Die Hersteller sind sehr daran interessiert, ihre anfallenden Restmaterialien zu verwerten und was wäre besser als Upcycling direkt beim Hersteller. Der muss es nicht entsorgen, hält die Transportwege kurz und verdient mit den Resten Geld in Form von geringen oder höheren Quantitäten, vielleicht vorerst sogar exklusiver zu vermarkten als die auslösende Kollektion. Sozioökologischer Druck oder auch eigene Erkenntnis seitens der Unternehmer verhilft dann den Arbeitnehmern zu besseren Bedingungen. Die Kunden bekommen dafür Upcyclingmode. Die nötige Ressourcensteuer reizte die Hersteller und andere Beteiligte zu weiteren Anstrengungen Eingangsmaterial wirklich effizient zu verwerten. Das würde Druck auf die Rohstoffproduzenten legen, organischer ohne Umweltgifte und geringerer Schädigung der Umgebung zu produzieren. Was wiederum zu einer sozioökologischeren Preisabbildung führt. Denn natürlich reflektiert ein holistischer Anspruch ans Upcycling von konventionellen Textilien weiter in die saubere Chain of Custody. Simultan müssten natürlich alle Subventionen für fossile Materialien wegfallen.

Fast Fashion Schwarzmarkt

Ein weiteres großes Problem ist der Schwarzmarkt. Die großen Firmen können sich durch die mangelnde Regulierung von Sozial- und Umweltstandards wie in Bangladesch aussuchen, wer was fertigen darf. Dadurch stehen die Produzenten extrem unter Druck und entsprechend nebulöse Preisbildungen und Abrechnungsmodi erfolgen. Die absurden und traurigen Resultate mit toten Fabrikarbeitern kennen wir aus den Medien.

Upmade Zertifizierung

Upmade ist eine Upcycling-Zertifizierung, die sich der qualitativen Prägung von Upcyclingkleidung widmet. Das ebenfalls von Reet Aus  gegründete Unternehmen zertifiziert gerne jedes Unternehmen, das Textilien upcycelt. Die Ware von Reet Aus trägt so konsequent das Label Upmade. Die Entwicklung erfolgte mit dem Stockholm Environment Institute in Tallinn.

Wen das Thema eingehend interessiert, kann die Thesis von Reet Aus „TRASH/TO TREND – USING UPCYCLING IN FASHION DESIGN“ auf der Reet Aus Seite finden. Wer in Hamburg wohnt und Zeit hat, sollte gerne vorbeischauen im Karolinenviertel in der B-LAGE und kann mit den Menschen von Reet Aus oder mit ihr selbst eine fachgerechte Unterhaltung führen. Es macht einfach Spaß mit Leuten zu schnacken, die sich jahrelang mit einer brennenden Ressourcenproblematik auseinandersetzen und aktiv damit arbeiten.

Bridge&Tunnel

Brigde&Tunnel aus Hamburg Mitte fertigt in Hamburg Wilhelmsburg aus Recyclingtextilien unter dem Slogan WE DESIGN SOCIETY. Zuwanderinnen produzieren Reisetaschen, Rucksäcke und Interiorgoods für zwei Unternehmerinnen, Hanna Charlotte Erhorn und Constanze Klotz. Das hilft bei der Integration, wo Politik und Gesellschaft leider noch zu oft versagen. Super.

 

 

Foto: greendelicious


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