Königin Große Erdhummel Bombus terrestris Apidae

Eine Echte Biene, die Königin der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris).

Honig

Ehrlich gesagt, ich mag Honig gerne, aber bin kein ausgesprochener Fan. Derzeit steht ich ein Glas frischer Rapshonig in meinem Schrank, von einem Imker, dem ich beim Schleudern geholfen habe. Extrem lecker. Interessanter und faszinierender ist aber, dass die Deutschen gerade beginnen sich für die Bienen zu engagieren. Das ist z. B. zu erkennen an dem Ausverkauf bestimmter Beuten, den Bienenwohnungen, auf vielen Onlineseiten bzw. den langen Lieferfristen für die Deutsch Normal oder Zanderbeuten, zwei der am häufigsten genutzten Beuten. Aber auch die Einraumbeuten nach Mellifera e. V. sind häufig bei den einzelnen Anbietern vergriffen.

Gespräch mit der Bienenkönigin

„Erlauben Sie mir, einen Wunsch zu sagen.
Ich möcht ein Glas Honig haben.

Was kostet’s? Ich bin zu zahlen bereit.
Für was Gutes ist mir mein Geld nicht leid.“

„Sie wollen was Gutes für ihr Geld?
Sie kriegen das Beste von der Welt!

Sie kaufen goldnen Sonnenschein,
Sie kaufen pure Gesundheit ein!

Was Bessres als Honig hat keiner erfunden.
Der Preis? Ich verrechne die Arbeitsstunden.

Zwölftausend Stunden waren zu fliegen,
um so viel Honig zusammenzukriegen.

Ja, meine Leute waren fleißig!
Die Stunde? Ich rechne zwei Mark dreißig.

Nun rechnen Sie sich’s selber aus!
27.000 kommt heraus.
27.000 Mark und mehr.
Hier ist die Rechnung,
ich bitte sehr!“

Gefunden auf karlheinz-graf.de, einer guten Seite für Informationen über Bienen von einem Imker.

Externalisierung der Bienenleistung

In diesem Gedicht wird ausgesprochen in Rechnung gestellt, was die Bienen, gemeinhin Hymenoptera (Hautflügler) dabei für uns alle leisten. Wir reden oft von mangelnder Internalisierung negativer Effekte und Kosten durch Wirtschaftsunternehmen oder von Agenten in der Spieltheorie. Das kann jeder von uns sein oder eine beliebige Gruppe, der wir angehören. Genauso werden aber auch positive Effekte nicht eingepreist bzw. internalisiert. Wie die Bestäubung vieler Blütenpflanzen durch die Hautflügler wie der Honigbiene.
Abgesehen davon wird es kaum eine Bienenkönigin geben, die des Bienenvolkes winterliche Lebensversicherung verkauft.
Bienen sind ein typisches Beispiel für nicht inkludierte Allmendeleistungen der Natur. Diverse Ökonomen versuchen die Ökosystemdienstleistungen monetär zu bewerten. Und im Kielwasser taucht das Argument auf, jetzt aufzuwendende Kosten werden viel geringer sein als in Zukunft, die durch mangelnde Internalisierung auftreten.

Allmende

ist ursprünglich ein Nutzungsrecht von Gemeindemitgliedern für zur Gemeinde gehörenden Liegenschaften wie z.B. Hutewälder, Gewässer oder Wiesen, also schon eine Einschränkung von Rechten für Nichtgemeindemitglieder und später teils auch für bestimmte Gemeindeangehörige. Durch die immer stärkere Privatisierung von Allmenderechten kam es z.B. zu den Bauernkriegen. Viele Bauern wurden durch neue Nutzungsrechte enteignet, einer Einschränkung der Allmendemöglichkeiten, und verarmten und ermöglichten dann als billige Arbeitermassen in den Städten die industrielle Revolution und die Anhäufung unverschämten Reichtums durch Industriebarone. Nichts Neues wer das letzte Jahrhundert historisch verfolgt hat, erkennt noch heute das gleiche Konzept z.B. in CO2 Bilanzierungen. Im Moment suchen unsere Eliten einen Weg wie sie ihren pekuniären Reichtum vor der faktischen Wahrheit von individuell übermäßigen Kohlendioxid- in Form von Ressourcenverbrauch durch ihre Luxusansprüche schützen können. Genauer seit die Grenzen des Wachstums von Meadows et al 1972 offiziell vorgestellt wurden. Und es gelingt ihnen. Da sich der Großteil der Menschen nicht wehrt. Wir brauchen mehr Bürgerbeteiligung und bei wichtigen Entscheidungen Volksabstimmungen. Dazu muss das Parlament zum Teil durch Plebiszite entmachtet werden.

Lokalität

Keiner will für den Honig hinreichend bezahlen. Obwohl in das Pollen- und Honigsammeln eine wichtige Leistung, weit mehr wert ist als der zu geringe Honigpreis für 500 g, nämlich die Bestäubung inbegriffen ist.
Lokal sogar, weil Bienen hierzulande nur hierzulande sammeln können. Präziser ca. 3 km ist der Radius eines Bienenvolkes. Wenn eine Biene mehr als 3 km zum Pollen oder Honigernten fliegt, wird ihre Energiebilanz für das Volk negativ. Sie verbraucht mehr als sie heranträgt. Das gilt prinzipiell auch für Menschen. Warum sollte eine Ökologie überbeschleunigte Ökonomien bevorzugen, die über nicht von Lebewesen selbständig zurück legbare Strecken handeln.
Und folglich sammelt die Honigbiene nicht in Amerika, Afrika oder Asien oder sonst wo außerhalb ihrer ökologisch sinnvollen Reichweite. Diese Konstellation ökologisch SEHR wichtig und sozial extrem brisant wird nie richtig zusammengebracht. Der technologische Glaube ist zu groß. Damit wird es in der Regel der Rechten überlassen, diese Thema reduziert auf dümmliche Vereinfachungen in die Öffentlichkeit zu bringen. Ökologie funktioniert lokal. Sobald lokal etwas nicht mehr harmonisch in der Artengemeinschaft geschieht, kommt es zu Katastrophen. Diese Katastrophen werden in der Regel durch Okkupation weiterer Naturräume umgangen, egal ob in Besitz anderer Menschen oder nicht. Das gilt besonders für historische Kulturen, die oder deren Leistungen oft sinnfrei bewundert werden.

Honig als Luxusnahrung?

Honig ist zudem ein Luxusgut, bekomme ich häufig zu lesen oder zu hören. Was ist dann Zucker? Können wir uns den Luxus leisten Zucker, ob als Rübe, Zuckerrohr o. ä. großflächig anzubauen, um uns unangemessen krank zu machen?
Der Mensch braucht den Honig für die Ernährung nicht ist die implizite Behauptung dahinter. Was brauchen wir alles nicht? Jeder kann gerne in den Supermarkt gehen und sich überlegen was er wirklich braucht, für eine ausreichende Nährstoffversorgung, die uns nicht die Gesundheit kostet bzw. mit medizinischen und pharmakologischen Antagonismen finanziell aufgewogen werden muss. Die sich zudem immer weniger leisten können.

Bestäubung

In der derzeitigen katastrophalen Landwirtschaft und der damit verbundenen Politik ist die Bestäubungsleistung der Bienen geringer geworden.
Aber immer noch sehr wichtig für viele Pflanzenarten und natürlich auch viele Kulturpflanzen, besonders für jene Menschen die selbst einen Garten betreiben oder bald betreiben möchten. Die Kosten für die Leistung von Bienen durch die Imkerei werden nicht abgerechnet. Es ist sogar so, dass wilde Bienenvölker von Apis mellifera sp in manchen Ländern der EU gegen Hygienevorschriften verstoßen, da sie nicht gegen Varroamilben und andere Krankheiten behandelt werden können und von Beamten terminiert werden. Obwohl Bienenvölker, die es schaffen ohne menschlichen Einfluss zu überleben, in der Regel sehr robust sind. Da kann man nicht mal mehr mit dem Kopf schütteln. Die derzeitige ernsthafte, aber absurde Diskussion um die Glyphosat- und Neonikotinoidzulassung zeugt wie vergiftet unser Denken mittlerweile ist, von durch ökonomisch linearisierten Memen in der Massenkommunikation.
Viele von uns denken scheinbar, dass mit dem Honigpreis, diese Bestäubungsleistung abgegolten ist. Mitnichten, durch diese Nichtachtung entwerten in einer Zeit der Kostenoptimierung, die kaum etwas Reales abbildet durch absurde Fiatgeldsummen und einer Population von über 7,3 Milliarden Menschen sich selbst.
D. h. diese Kosten werden nicht berechnet, obwohl sich herausgestellt hat, dass Bienen das drittwichtigste genutzte Tier in Deutschland sind. Bedenkt das bitte, wenn Ihr es Euch leisten und mit der okzidentalen Gier im eigenen Kopf umgehen könnt. Ein fairer Honig aus Nicht-EU-Ländern ist nicht fair, weder für die Bevölkerung hier noch aus dem Ursprungsland. Weil ganz einfach keine Biene den Weg interkontinental zurücklegen würde, um sich mit Pollen oder Nektar zu versorgen. Das ist trotz Handelsargumenten und angeblicher Entwicklungshilfe ökologischer Wahnsinn.

Foto: Stephan Kühn-Logan für greendelicious und eine Besinnung auf Suffizienz

Zu Karlheinz Graf’s Imkerseite findet Ihr hier. 


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Comments ( 1 Comment )

Rueben Callegari

Kein Mensch bezahlt Bienen oder Imker hinreichend für die gesellschaftliche Leistung, die sie für uns bereitstellen. Warum nicht? Honig kaufen wir ja auch.

Rueben Callegari added these pithy words on Jun 28 16 at 10:48

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