Frau traditionell mit Kantha Dupatta Salwar Kamiz

Kantha ist eine alte traditionelle Handwerkskunst, heute sagen wir Upcycling dazu, aus dem östlichen Südasien. Speziell in Bangladesch und den beiden indischen Bundesstaaten Westbengalen und Odisha wird diese Stickerei schon lange praktiziert. Kalakosh (zu deutsch Kunstsammlung), ein in Frankfurt ansässiges Unternehmen handelt mit Accessoires und Schmuck aus Indien und jetzt auch mit Kantha-Erzeugnissen.

Kantha als Tradition

Alte Saris werden aufeinandergelegt und dann per Hand zusammen gestickt. So entstehen dünne Kissen, Decken oder Bettdecken, oft auch Tagesdecken für Kinder. In Bengalen, einem historischen Gebiet, das sich über die heutigen Gebiete von Bangladesch, den indischen Bundesstaat Westbengalen sowie Teile der Bundesstaaten Bihar, Jharkhand, Tripura und Odisha erstreckt, tragen Frauen auch Kantha Saris.

Kantha als Vielfalt

Kantha wird häufig von Frauen im ländlichen Raum genutzt, um Dhotis und Saris herzustellen. Dhotis sind traditionelle Beinkleider der Männer und somit das Pendant zum Sari, dem klassischen indischen Kleid der Frauen. Manchmal verlaufen die Stiche nur an den Kanten. In anderen Fällen werden die Kantha sehr kunstvoll ausgeführt und werden über die ganze Fläche bestickt. Was oft zu einer strukturierten Oberläche führt. Je nachdem wie die Stickerei ausgeführt, ob nur in einer Richtung längs, dann ergeben sich gleichmäßige Wellen, durch die leichten Verschiebungen der verschiedenen Schichten gegeneinander. Oder es werden aufwendige schöne Muster von Blumen, Vögeln, mythologischen Motiven oder geometrische Formen ausgeführt. Dann ist oft das ganze Kantha bedeckt mit Verzierungen und leicht knittrig, was wiederum zu visuell das Kantha je nach Lichteinfall und -intensität unterschiedlich und abwechslungsreich aussehen lässt. Die Absichten reflektieren natürlich die Vorstellungskraft der Schöpfer, also der Stickerinnen, ob beispielsweise aus dem Alltag, von der Kunst oder religiös inspiriert. Einige Motive sollen  den Kanthaträger vor Unglück schützen.

Kalakosh Kantha Dupatta Schal Ensemble

Kantha heute

Heute wird Kantha auf sehr viele Kleidungsstücke angewandt. T-Shirts, Dupattas, Schals als Teil der Salwar Kamiz (Schal, Hose und Hemd) ist, oder viele andere Formen von Decken, Kissen oder anderen flächigen textilen Accessoires werden so gestaltet. Kantha als Handwerkskunst ist nur schwer, durch die vielen Arbeitsschritte in industrielle Prozesse übertragbar. Was gut ist, denn so wird einem handwerklicher Aufwand bewusst und wir bekommen wieder ein Gefühl für Qualität.

Das Problem der Urbanisierung

Wie hilft nun der Kauf eines Kantha hier in Deutschland einer Stickerin in Indien? Fair Trade Initiativen wie Kalakosh spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie setzen sich für faire Arbeitsbedingungen, umweltschonende Produktionsverfahren und den Erhalt der Handwerkskunst ein. Denn ein weltweites Problem ist die Wanderung von Menschen (englisch urban migration) in die Städte, was zu immensen, nicht berücksichtigten sozialen und Umweltkosten führt.  Überall, nicht nur in Indien. Sandeep Morthala, der Gründer von Kalakosh kommt selbst aus einem Dorf in Indien und ist selbst Zeuge dieses Phänomens geworden, das viele „arme“ Landbewohner in die Slums treibt. Kinder können durch die Armut aus Kostengründen nicht die Schule besuchen und müssen arbeiten. Zwar ist Kinderarbeit verboten, gehört in Indien aber zum Alltag. Sandeep Morthala möchte nun mit der Geschäftsidee Kalakosh Kindern aus solchen Familien eine Ausbildung ermöglichen.

Kantha als über 500 Jahre altes Handwerk, verbindet wie ursprünglich auch, individuelles Design mit Nachhaltigkeit.  Da bereits benutzte Textilien einzigartig neu gestaltet sind und so wie beim Upcycling üblich, eine Werterhaltung bzw. -steigerung erfahren.

Innovationsdruck aus der Not?

Manche sprechen von einer Kreation aus purer Not, wenn sie die Entstehung des Kanthahandwerks oder der -kunst ansprechen. Da natürlich jeder Mensch Textilien für diverse Alltagsbedürfnisse benötigt. Zu einem großen Teil ist das auch dem Kastensystem in Indien und Bangladesch geschuldet. Zu viele Menschen waren und sind durch die Prunksucht der damaligen Herrscher und die ausbeutende Kolonialzeit arm, wie heute noch immer das Kastensystem ein großes Problem darstellt. Aber diese Not ist es auch, was Ökologie ausmacht, lokale einfache Lösungen, die Material bzw. Rohstoffe, wie immer die beschaffen sind oder woher sie kommen, so lange wie möglich mit geringem ökologischen Transformationsaufwand weiter nutzen. Was nicht bedeutet, dass diese Not heute noch ernsthaft aus humanistischer Sicht gerechtfertigt werden kann. Schließlich ist das Problem der Verteilungsgerechtigkeit hinlänglich bekannt.

Natürlich hat sich Kantha heute in ein breiteres Spektrum verschiedener Ausprägungen gewandelt. Aber an der Grundlage ändert sich nichts. Altes Werthaltiges wieder verwenden, so lange das Auge des Betrachters einen Nutzen erkennen kann.

Frau mit Dupatta Kantha Schal von Kalakosh

Über Kalakosh

„In Zusammenarbeit mit kleinen Unternehmen und NGOs aus Indien vertreibt Kalakosh Kantha-Schals aus alten Seidensaris über seinen Online-Shop auf www.kalakosh.de und diverse Läden, Museumshops und Weltläden in Deutschland und der Schweiz. Dazu arbeitet mit Handwerkskünstlern und Organisationen in ganz Indien zusammen. Zum Sortiment gehören auch Schmuck, Modeaccessoires, Wohnaccessoires und Papierwaren. Die Herstellung erfolgt zum großen Teil noch per Hand. Dabei wird auf faire Arbeitsbedingungen wert gelegt und eine möglichst umweltschonende Herstellung. Viele Produkte werden aus recycelten Materialien und mit natürlichen Farbstoffen hergestellt. Ein Teil der Einnahmen von Kalakosh dienen der Finanzierung von Bildungsprojekten des Vereins Asha Frankfurt e. V. Geschäftsführer der mera Tierra GmbH mit dem Standort Frankfurt ist Sandeep Morthala.“


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