Galatea Ziss für Veganer Outfits Freizeit

Galatea Ziss Atelier für Bekleidung ist eine Einfrauunternehmung für Maßschneiderei aus und in Wiesbaden. Da uns Handwerksunternehmen mit Neigung zur zukunftshaltigen Schöpfung aus unseren kulturellen und regionalen Ressourcen besonders sympathisch sind, stellen wir Galatea Ziss näher vor. Zumal das Atelier für Bekleidung als Muster für eine originelle Identität hervorsticht, beeinflusst durch einen quasi paneuropäisch gewählten Werdegang der Modedesignerin und Schneiderin.

Ausgraben, Zerschneiden, Verbrennen

Unsere globale textilaffine Gemeinschaft ist von der Materialseite genauso geprägt wie alle anderen Branchen vom Ausgraben, Zerschneiden, Verbrennen. Wir graben die Energie und andere Rohstoffe für die Textilfabriken aus. Zerschneiden dabei natürliche ökologisch einwandfreie Stoffströme und dringen in sensible Bereiche ein. Reichern mit den ausgegrabenen Stoffen, ihren künstlichen Derivaten oder Syntheseprodukten unsere textilen Produktionsprozesse beziehungsweise Kleidung an. Und wenn wir es nicht mehr gebrauchen können, verbrennen wir oder entsorgen das Material, für Anschlussverwendungen oft unbrauchbar.

Galatea Ziss findet das ausgesprochen unvernünftig. Auch wenn sie nicht die gleichen Begriffe wie ich nutzt. Ressourcenverbrauch reduzieren, Wertvolles weiter verwenden und nützliche Bestandteile recyceln können wir nicht nur technisch, sondern vor allem durch unser Bewusstsein. Dann kommt es nicht so sehr auf die richtigen Begriffe, sondern vielmehr auf ein umfassenderes Verständnis an, als kompetente umfassend denkende Unternehmerin beispielsweise. Obwohl ich ihre Webseite nicht für typisch grün gestaltet halte, lohnt sich besonders ein Blick darauf. Denn kleine Handwerksbetriebe wie Galatea Ziss können sich nicht hinter Verwaltungsstrukturen, Verordnungen oder Rechtsvorschriften verstecken, sondern möchten aus eigenem Anspruch langfristig mit Kunden und Geschäftspartnern kooperieren. Und müssen das genau kommunizieren. Mit einem Geschäftsmodell, dass Kosten für Qualität nicht an die Gesellschaft auslagert durch einen hohen Ressourcen- oder Humankapitalverbrauch. Jede Quantität also als Qualität begreifen. Manche Menschen nennen so etwas Kunst.

Was für Galatea Anlass ist in ihrer Werkstatt auch Kultur außerhalb ihres Metiers zu veranstalten, wie z. B. Lesungen. Um den Horizont zu weiten und die Welt ästhetisch umfassender anzuschauen. Was wir wiederum für so spannend halten, dass wir Galatea Ziss auch noch interviewt haben.

Interview mit Galatea Ziss

Galatea Ziss Atelier für Bekleidung Theke

1. Kultur ist für Dich?

Kultur ist für mich alles vom Menschen Gestaltete. Kultur kann intellektuell, ästhetisch oder politisch sein, sie kann aber auch traditionelle kulturelle Praktiken bezeichnen. Da zähle ich beispielsweise auch das Handwerk dazu.Ich finde es wichtig, die Verschiedenartigkeit und Gleichwertigkeit von unterschiedlichen Kulturen wie Hochkultur, Popkultur, Subkultur, Kulturkreise et cetera anzuerkennen.

2. Maßschneiderei bedeutet für den Kunden?

Ein hochwertiges und langlebiges Kleidungsstück wird auf den individuellen Körper perfekt zugeschnitten und nach dem eigenen Anspruch und Lebensentwurf höchst funktional gestaltet, z. B. in Bezug auf Verschlussmöglichkeiten, Taschenlösungen etc. Ein maßgeschneidertes Kleidungsstück anfertigen zu lassen, bedeutet für die Kundin oder den Kunden ein sehr persönliches und entschleunigtes Einkaufserlebnis: Es gibt einen Besprechungstermin, bei dem auch die Maße aufgenommen werden und danach mindestens einen Anprobetermin. Die individuellen Wünsche an das Kleidungsstück der Kundin oder des Kunden fließen im Laufe des Fertigungsprozesses in Materialauswahl, Gestaltung und genaue Art der Verarbeitung mit ein.

3. Und für Dich …?

Die Arbeit als Maßschneiderin bedeutet für mich die Pflege eines traditionellen Handwerks als Gegenentwurf zu Überproduktion, Massen- und Überkonsum. Maßschneiderei bedeutet außerdem Authentizität, Transparenz, Produkte mit Charakter.Meine Kollektionen sehe ich dabei eher als Vorschlag für meine Kundinnen und Kunden. Die Modelle, die ich letztlich auf Bestellung und nach Maß anfertige, sind dann immer Unikate. Ich überzeuge niemanden aus einem vorhandenen Sortiment einen durchschnittlichen Kompromiss zu wählen, sondern gehe ganz gezielt auf die jeweiligen Wünsche und Anforderungen ein. Ich nenne das die „no bullshit-policy“.

4. Nachhaltigkeit ist eine Frage der Positionierung am Markt oder der Überzeugung?

Nachhaltigkeit ist für mich eine Überzeugung, der ich nicht nur privat, sondern auch beruflich folge.Eine nachhaltige Lebensweise bedeutet für mich, durch kritisches Hinterfragen und den Willen, Verantwortung zu übernehmen die soziale, politische und ökologische Situation auf unserer Erde für alle Menschen und nachfolgenden Generationen gerecht und menschenwürdig zu gestalten. Authentizität und ein durchdachtes Konzept, aber auch realistischen Pragmatismus finde ich dabei sehr wichtig.

5. Was heißt möglichst nachhaltig?

Eine „möglichst nachhaltige“ Fertigung bedeutet den moralisch, ökologisch und ökonomisch besten Kompromiss zu wählen. Ich denke, dass nicht dogmatisches Handeln, sondern das besonnene Abwägen der bessere Weg zu einem allgemeinen bewussteren Konsum und mehr Nachhaltigkeit ist. Traditionell Bewährtes kann oft erhalten werden und neue Technologien, Materialien und Systeme sollten kritisch auf deren Vor- und Nachteile geprüft werden. Im privaten und beruflichen Alltag sind das viele Kompromisse, die ich eingehe. Beispielsweise fertige ich meine Modelle auf Bestellung direkt in meiner Werkstatt und vermeide so Überproduktion, Transport und Lagerung. Gleichzeitig habe ich so nur geringe Materialabnahmemengen und werde von vielen Lieferanten gar nicht bedient. Die Auswahl an biozertifizierten Materialien ist dadurch für mich noch eingeschränkter. Deshalb arbeite ich auch mit kleinen, nicht-zertifizierten, europäischen Traditionswebereien zusammen und verwende teilweise Stoffe aus Überproduktionen.

6. Wo siehst Du noch Chancen, Deine Produktion nachhaltiger zu gestalten?

Ich würde gerne ausschließlich biozertifizierte Materialien verwenden. Vor allem im High-Fashion-Bereich ist die Auswahl da sehr eingeschränkt.

7. Beratung macht Dir … ?

Die ausführliche, individuelle Beratung ist die Grundlage meiner Produkte und natürlich machen mir die beratenden Gespräche Spaß. Ich muss meine Kundin oder meinen Kunden kennenlernen, um die Anforderungen an das Kleidungsstück einschätzen zu können. Aus dem beratenden Gespräch und auf der Grundlage meiner Kollektionen entwickelt sich dann das individuelle Kleidungsstück.

8. Ist der Kunde im Atelier für Bekleidung immer König?

Die Kundin oder der Kunde bekommen bei mir das ganz bestimmte Kleidungsstück, etwas, dass es so nirgendwo gibt. Es sollte allerdings immer auch zur Trägerin oder zum Träger passen und die Persönlichkeit unterstreichen. Falls etwas gar nicht passt, gehört es für mich zur guten und ehrlichen Beratung, von einer Idee oder einem Material abzuraten. Diesen Mut zur Ehrlichkeit vermisse ich im Einzelhandel.

9. Was sind Deine Lieblingsmaterialien?

Grundsätzlich liebe ich alle Naturmaterialien: Leinen, Baumwolle, Hanf, Schurwolle und Seide. Sehr gerne arbeite ich mit schweren englischen oder trachtigen Wollstoffen, wie Tweed oder Loden.

10. Machst Du alles selbst? 

Hauptsächlich ist das Atelier für Bekleidung momentan noch eine One-Woman-Show. Unterstützung habe ich natürlich bei meinen Shootings, bei meinem Webauftritt und auch bei den kulturellen Veranstaltungen, die ich in meinem Showroom organisiere.

11. Gibt es Arbeiten, die Du gerne delegieren möchtest?

Ich finde es gut, alles selbst zu machen. Mein Konzept ist von vornherein nicht darauf ausgelegt, die Produktion auszulagern. Allerdings würde ich gerne irgendwann ausbilden und an meine*n Azubi dann ein paar Näharbeiten delegieren.

12. Wo siehst Du besondere unnötige Hürden für (KMU?) Start-ups und Kreative?

In Wiesbaden gibt es viele leerstehende Gewerbeflächen in der Innenstadt und der Fußgängerzone. Da könnten Möglichkeiten für kleine Start-Ups und Kreative geschaffen werden, günstig oder als Zwischenraumnutzung Räumlichkeiten zu beziehen und sich präsentieren zu können, was auch für ansässige Geschäfte positiv wäre. Das beobachte ich vereinzelt in den Großstädten, aber in der hessischen Landeshauptstadt bleiben die Läden leider oft und lange leer.

13. Was macht Dich beim Schneidern besonders glücklich?

Das Schneidern ist eine sehr konkrete Tätigkeit. Ich finde es superbefriedigend, am Ende des Tages ein Ergebnis in den Händen zu halten. Außerdem mag ich das haptische Arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und Strukturen. Der direkte Kundenkontakt und das Feedback sind toll und entschädigen für zerstochene Finger und krummen Buckel. 🙂

Bilder: PR Galatea Ziss – Atelier für Bekleidung


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