ökologisch ernähren food crash Pattloch Löwenstein

Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr

So lautet die Prognose von Felix zu Löwenstein. Ich sehe es ähnlich, ohne das Buch zu lesen. Was ich trotzdem getan habe. Denn das Buch ist von 2011 und nichts hat sich geändert.

Ich esse einmal die Woche Fleisch und etwa einmal die Woche marine Tierarten. Mit immer mehr Ungehagen. Wir tanken immer noch E10. Und immer mehr Menschen global, denken Fleischkonsum wie in unserer westlichen vom Marketing dominierten Welt, sei möglich und normal. Und zur Rechtfertigung exportieren wir unseren Lebensstandard gleich mit, Marketing 1. Ordnung, nicht widerspruchsfrei, aber dafür bis zu jedem Quark monetarisierbar.

Felix zu Löwenstein ist selbst Biolandwirt und war mehrfach für NGO’s im Ausland tätig. Wie viele skeptische Menschen wollte er wissen, was nun dran sei laut FAO, Archer Daniels Midland, BASF, Bayer, Monsanto und der Fleischindustrie usw. an industrieller Landwirtschaft. Wir brauchen ja immer Fakten, Fertigkeiten zur Deduktion oder das einfache Hinschauen reichen nicht mehr oder werden nicht mehr vermittelt in unserer scheinlogischen Welt. Was er zusammengefügt hat, ist nichts für Leute, die sich auf Rosen betten möchten. Er schockt auch nicht mit hässlichen Bildern, sondern mit einfachen Relationen und griffigen Kausalketten. Für jeden, der einen Browser bedienen kann, selbst zu erschließen.

Verirrte Nahrungsmittelproduktion

Sinnfreie Nahrungsmittelproduktion für unseren hirnlosen Wohlstand ist das zentrale Thema. Bodenerosion, Artensterben, abartige Fleischüberproduktion, Biofuels (E10-Benzin) zur Aufrechterhaltung von Konzernoligopolen oder sagen wir ruhig Kartellmonopolen, Nahrungsmittelkonkurrenz, Land Grabbing von Ländern, die ihre eigenen Böden massiv degradiert haben. Oder monströse Dämme bauen, in der Wüste auf Pump leben, wie die ganze Welt übrigens, mittels Finanz- und ökologischen Krediten und nicht zu vergessen, jene die auf die Nahrungsmittel spekulieren. Die Zukunft wird rosig, Wohlstandskannibalismus schon jetzt inklusive. Zudem erfreuen Krankheiten durch Fehlernährung und Fresssucht die pharmakologische und medizinische Kohortenindustrie. Interessant beispielsweise: Es gibt etwa so viel Übergewichtige wie Hungernde auf der Welt, ohne krankhaft adipöse Menschen, von denen wir auch nicht wissen, was erst durch falsche Lebensweise erworben wird. Ist das sarkastisch und zynisch? Oder sind wir so fehlgeleitet im Denken und Fühlen, dass wir so etwas Dummes und Ungerechtes als persönlichen Angriff auf unsere Vorlieben sehen, obwohl sich hier mindestens zwei signifikant global wirksame Lösungen für zwei große Gruppen anzeigen?

Mit feinem Gespür für viele betroffene und verursachende Bevölkerungsgruppen zerlegt Löwenstein die schöne heile Welt der Bauernverbände, Großschlachtereien und Grünen Wochen. Handelskonzerne, Chemieriesen und Verarbeitungsindustrie sind wirklich die Bösen, so sehr sie uns auch betäuben wollen, mit schwachsinniger Werbung, dümmlicher Vereinfachung und verkaufen dem Mitteleuropäer seine Gier, die ihn krank macht, als Freiheit. Damit verbunden die Angst durch sinnvolle, ökologische Ressourcennutzung dem so arg von Hunger und Durst bedrohten Industrielandmenschen nicht nur in den DACH Staaten Verzicht anzudrohen.

Ich versteh es nicht

Das Schlimmste, es bräuchte nicht sein. Weil es Alternativen gibt, seit Jahrtausenden. Unsere gesamte Nahrungsmittelproduktion ist dermaßen ineffizient, dass niemand scheinbar außer wenigen Biobauern und Millionen Kleinbauern, die derzeit weiter enteignet werden, noch qualitativ außerhalb seines Verbandes denken kann. So sehr ist der Geschmack und die Fertigkeit eigenständig zu handeln allgemein schon ruiniert. Wenn wir über die Hälfte der verfügbaren globalen Getreideproduktion verfüttern für Fleisch oder in ineffiziente Biokraftstoffe stecken, einen nicht geringen Teil verbrennen oder vergammeln lassen. Gleichzeitig unsere Böden zerstören, uns vergiften (Ich habe mich „wahnsinnig“ gefreut wie mir ein promovierter Genossenschaftsvorsitzender mit einem wissenden Grinsen erklärte, dass er keine zweihundert Meter von seinem Haus demnächst wieder Glyphosat auf den Raps spritzen lässt, um die Kornblumen abzutöten.) und Landraub in Afrika und Südamerika, ja in Deutschland auch, betreiben und die Menschen vor Ort, die davon betroffen sind, nichts zu essen haben, dann darf man getrost sagen, das ist Massenmord. Nicht adequat die Wortwahl? Aber gerecht.

Und als ökologisch agierender Landwirt, als Leitungsmitglied diverser Verbände weiß Löwenstein, wovon er redet, wenn er einfach umsetzbare, aber politisch nicht gewollte, Tipps gibt. Z. B. zur Entlastung der Böden durch den Futter- bzw. Biogasmais, indem man eine Vierfruchtfolge vorschreibt. Maisanbau ist biodivers katastrophal und erodiert den Boden, aufgrund des kahlen Bodens und dem Abstand der Reihen zwischen den Pflanzen. Und wurde zumindest 2011 massiv subventioniert.

Also weg mit Gentechnik, weg mit Pestiziden, weg mit künstlichen Düngemitteln.

Lösungen ? existieren.

Löwenstein plädiert natürlich für Lösungen als Vater hat er die Zukunft von sechs Kindern im Blick. Die generelle Frage, die jetzt kommt, wie ernähren wir uns dann? Wie immer gibt es Alternativen. Ich plädiere generell zuerst auf Verzicht weniger Fleisch, Fisch und Ei- und Milchprodukte. Das nimmt sehr viel Spannung weg, von sozialen und ökologischen Problemfeldern, bei uns und global. Der Sonntagsbraten darf sein, aber warum nicht von auf Grünflächen gehaltenen Huftieren mit einem richtigen Biosiegel? Und viele werden verwundert sein, wie gut es ihnen nach einer Ernährungsumstellung geht. Nur muss man eben erstmal ein bis vier Wochen durchhalten, damit der Körper entgiftet und den Stoffwechsel angepasst hat. Wie wir dann noch etwas mehr Subsistenzwirtschaft betreiben oder schädliche Subventionen für die Agraindustrie einfach streichen, lest Ihr bitte selbst. Das Buch öffnet Laien und Fortgeschrittenen die Augen und Ohren, dann vielleicht wieder den Geschmack ;).

Food Crash ist 2011 im Pattloch Verlag erschienen. Erhältlich zum Beispiel bei booklooker.de. Bitte kauft das Buch ruhig gebraucht oder als eBook.

Übrigens: Bio bedeutet nicht ökologisch und ist oft nur Präfixgag der Marketingabteilungen.


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