Naess Reason Feeling Deeper World deep ecology

Ich liebe dieses Buch von Arne Naess verfasst. Vom Schutzumschlag über das Hardcover aus Pappe bis hin zur Bindung und die Schriftsetzung. Sobald ich beginne zu lesen, fühle ich mich wie in einer Meditation. Im Leben. Erfüllt.

Blinde Technokratie

Das letzte Jahrzehnt war weltweit geprägt von Sinn freiem Geldwachstum, besinnungsfreien pseudosozialen Medien und weiterer massiver Umweltzerstörung, abgesehen davon, dass es viele opportunistische soziale Brandstifter in unserer globalen Gesellschaft gibt. Blinde Aktivität ausgelöst durch Panikmache und Größen- und Wachstumswahn, von überbeschleunigten und im gleichen Modus operierenden Mediennetzwerken sorgfältig potenziert, hetzt die Menschen von einem Albtraum zum nächsten Happening. Gestern haben wir so viel erlebt und morgen noch mehr vor. Für eine Begegnung jetzt keine Zeit. Dazwischen der Gang zum Psychologen und Psychiater, warum man sich einfach nicht im Leben fühlt. Die Pharmaindustrie hat eine Lösung, in der Regel Abhängigkeit. Die Möglichkeit etwas grundlegender, an sich und damit am gesellschaftlichen Nonsens zu ändern, ziehen die meisten nicht in Betracht. Eine größere Ursache sind meist passive Emotionen. Die wir in Aktive kultivieren können. Einen Ansatz hierfür bietet Arne Naess mit Life’s philosophy.

Vernunft und Fühlen

Arne Naess, Autor von Life’s philosophy – reason and feeling in a deeper world, spricht an, was jeder für sich finden muss, seine eigene Philosophie. Das mag simpel klingen. Ist es aber keineswegs. Jeder darf sich beständig wundern und benötigt keine fertige Handlungsnormative, für alles und jeden. Schon gar nicht durch eine „intelligente“ App. Sich nicht mehr zu wundern und weit gefährlicher sich nicht mehr emotional aktiv zu engagieren, äußert sich in Passivität. Und überhasteter Aktivität in destruktiven Wahlergebnissen mit Kommunikationstechnologie hysterisiert. Davor, alles effizient in Termine zerlegt.

Heute bleiben wir mal passiv

Diese emotionale Passivität, die uns Aktivität durch äußere Umstände vorgaukelt, kann transformiert werden. Vernunft und Gefühl sind keineswegs gegensätzlich oder arbeiten gegeneinander. Vielmehr ist jede Vernunft, Ergebnis eines Anpassungsprozesses auf der Basis von Gefühlen. Vernunft hilft uns, negative  in positive Emotionen zu verwandeln. Baruch de Spinoza, mit dem Arne Naess oft argumentiert, sagt unsere grundlegende menschliche Natur sei die Möglichkeit eine Handlung zu wählen. Und dabei passive Emotionen durch externe Einflüsse ausgelöst, unsere Aktivitäten diktieren zu lassen, ist die große Kunst. Wir sind technologisch mit einer Überbewertung des scheinbar logischen Denkens überbeschleunigt. Ökologische Prozesse laufen aber nicht in technologischer Geschwindigkeit zentralistisch gesteuert ab. Unsere Aktivitäten äußern sich oft schlicht, wie bei Politikern heute zu sehen, und bei diesen scheinbar, in blindem Aktionismus. Dass sie andere Ziele als das Gemeinwohl verfolgen, was uns in dem Medienmatsch übereilt erscheint, dürfte klar sein. Ökologische Prozesse konträr dazu erzeugen „ziellos“, weil für uns nicht komplett zu begreifen, eine biologische Struktur harmonischer Achtsamkeit gegenüber jeglicher Energietransformation. Und auch Hannibal Lecter und Stephen Hawking haben Gefühle ;).

Gefühle sind fast immer gesund

Heute folgen viele Menschen nicht einer gesunden Vernunft, sondern ihren passiven und damit negativen Emotionen, sich brav an bevormundende und destruktive Regeln haltend, weil sie diese gut kennen. Und zerstören damit ihre soziale und ökologische Basis. Gesunde Vernunft bedeutet ein harmonisches Verhältnis zu finden, zwischen Lebensqualität und Wohlstand. Obwohl wir Freiheit ungemein attraktiv finden, werden wir oft zu Sklaven negativer, uns in Passivität haltender Emotionen. Und durch äußere Umstände, existenzielle Nöte z. B., bleiben wir es. Wenn uns nicht mit diesen Emotionen auseinandersetzen und sie in positive Gefühle, die uns agieren lassen, wandeln. Emotionen sind notwendig für unser Dasein. Unsere Gefühle gegenüber verlogenen Politikern und gierigen Shareholdern sind berechtigt. Sie stehlen uns die Zukunft, wenn wir nicht aktiv werden.

Homo liber

Naess folgt im Buch keiner definierten Terminologie innerhalb der Kognitionswissenschaften. Das Gebiet ist unüberschaubar, zumindest für mich. Sondern stellt seine Überlegungen auf eine philosophische Basis. Im Zentrum liegt ein lebenslanger Prozess der Freude mit geschickt gesetzten kurzfristigen Zielen verkettet, vielleicht im größeren Rahmen für umfangreichere Projekte wie Kinder. Die grundlegende Bedingung ist dabei ein tieferes ökologisches Bewusstsein. Und damit kann der Mensch zum Homo liber werden, unabhängig von social engineering dienender Technologie.

Lebensqualität versus materieller Wohlstand

Menschen fragen sich oft, ob sie ihren Emotionen oder ihrer Vernunft folgen sollen, dabei ist es eher eine Frage, ob sie einschränkenden Betrachtungen, extern diktiert, folgen möchten. Gefühle entstehen durch Begegnungen, egal mit was oder wem. In dem wir aber alles technologisch verpacken und Algorithmisieren bewerten wir das mechanistische Weltbild über. Wir können nur auf Basis unseres Jetzt Entscheidungen treffen. Subjektive Logik ist eine Konsequenz dieser, unserer Vergangenheit, physiologisch verankert in unserem kognitiven aktualen Potenzial. Und das ist unsere Möglichkeit die Zukunft zu verändern. Wir können nicht hellsehen. Auch wenn unsere Kognition genau dafür zuständig ist (Anm.:Kognition ist hier die von einem verhaltenssteuernden System ausgeführte Informations­umgestaltung im maximalen Kontext.). So interpretiert jeder seine Vergangenheit im Jetzt in die Zukunft. Da die Zukunft aber nicht festgeschrieben ist, dürfen wir jederzeit offen für neue Lösungen sein.

Diese Lösungen müssen nicht sauber intellektuell ausgearbeitet sein. Nur beginnen müssen wir. Aber bitte nicht mit blindem Aktionismus, sondern mit Achtsamkeit wirksam sein, folgert Arne Naess. Dann werden wir uns auch mehr und mehr des Unterschiedes bewusst, was Lebensqualität und was materieller Wohlstand bedeutet. Und wie sich die Welt fühlen lässt. Grundsätzlich mit einem breitem Lächeln. Denn ich fahre jetzt gleich mit meinem Mountain Bike bei Sonnenschein in Mecklenburg durch den Schnee.

Kurz:

Arne Naess

war einer der einflussreichsten Philosophen der norwegischen Nachkriegszeit und bekannt für die Tiefenökologie (deep ecology). Mit Life’s philosophy – reason and feeling in a deeper world kondensiert er seine Besorgnis und seine ermutigenden Überlegungen über die in unserer Gesellschaft nicht hinreichend berücksichtigte komplexe Einheit von Gefühlen und Vernunft bzw. die mangelnde Entwicklung einer sozial und ökologisch gesunden Vernunft und den blinden Glauben an Technologie für unsere drängenden Herausforderungen. Denn unsere technologischen Lösungen sind überrationalisiert, obwohl sie letztendlich emotionalen Ursprungs sind, wird dieser Ansatz seit Descartes allgemein stur weiter verfolgt. Die emotionale Rationalisierung, oder vielleicht Sublimation je nach eigener Herkunft, mag für viele trivial klingen, ist aber wesentlich, wenn wir die Probleme unserer Zeit größtenteils gewaltlos lösen möchten.

Hilarias Freude entwickeln Schnee Mecklenburg Sonne

Don’t worry, be happy.


Subscribe to comments Both comments and pings are currently closed. |
Post Tags: ,

Browse Timeline


Comments are closed.


© Copyright 2007 GREENDELICIOUS . Thanks for visiting!