Pottwal Der Geist des Ozeans Buch Review

Ich darf mich als umfangreich filmisch geschädigt von „Jaws“ von Stephen Spielberg und „Moby Dick“ von John Huston bezeichnen. Mein Interesse für Haie und Wale kommt aber eben aus diesen so voll von Vorurteilen gestopften Kinofilmen. Cachalot, der Pottwal, spielt auch die Hauptrolle in „Der Geist des Ozeans“ wie im Klassiker „Moby Dick“ von Hermann Melville. Einem ebenfalls sehr lesenswerten Buch!

Im französischen le grand cachalot oder für Cetologen Physeter macrocephalus,  ist der Pottwal das größte bezahnte Lebewesen auf unserem Planeten. Wenn auch nur der Unterkiefer sichtbar Zähne besitzt. Und der Pottwal ist wirklich überaus faszinierend. Er hat das größte Gehirn auf unserer Erde. Als Nährstoffpumpe, wie natürlich andere Wale auch, komplementiert er natürliche Stoffkreisläufe. Schätzungen des jährlichen Nahrungsverbrauches durch die weltweite Pottwalpopulation belaufen sich auf Größenordnungen in der Fangquote von uns Menschen, ca. 70 Millionen bei den Pottwalen und 100 Millionen Tonnen beim Menschen. Nur eben der Pottwal nachhaltig. Weswegen er sogar von Fangleinen Fische geschickt abzieht.
Physeter macrocephalus macht die lautesten Geräusche, so weit bekannt, in der Tierwelt, mit über 230 Dezibel. Ab 120 Dezibel haben wir bekanntlich selbst bei kurzzeitiger Einwirkung mit Hörschäden zu rechnen.
Und selbst dieses unglaublich naturbegabte Tier teilertaubt oftmals durch unsere Schifffahrt. Abgesehen von der ehemals starken Bejagung und der Verschmutzung der Meere. Was dann in den unerfreulichen Bildern von gestrandeten Walen mündet.
Das Sozialverhalten ist ebenfalls sehr komplex und die Kommunikation wie bei vielen Cetaceen von Population zu Population verschieden. Ja, teils kulturell engstirning, was ja durchaus am Treffendsten ist für uns Menschen.

Kurt de Swaaf hat ein schönes Buch zusammen mit Benevento Publishing am Donnerstag (23.03.2017) veröffentlicht. Drei Perspektiven wechseln sich dabei ab, die biographische Sicht eines jungen Pottwalbullen, einer Forschungsgruppe für Pottwale im Mittelmeer und die eines Populärwissenschaftlers. Im Zentrum der Aufmerksamkeit, natürlich Physty, der junge Pottwal.

Zuerst war ich doch sehr skeptisch, da ich anthropozentrische Darstellungen in unserer westlichen Gesellschaft von nicht zu verstehenden Lebewesen selten für richtig halte. Zu viele dumme Aussagen finden dabei. Obwohl Säugetiere sehr kompatibel miteinander sein können, extraspezifisch. Aber der perspektivische Wechsel macht Spaß. Denn das Buch ist vollgestopft mit dem Stand der Wissenschaft bis dato, ohne zu viel Fachjargon. Und die lockere Erzählstruktur der beiden anderen Sichtweisen wechselt sich gelungen damit ab. Ich habe das Buch relativ schnell gelesen, in drei Tagen. Aus Vergnügen und war enttäuscht als ich zu schnell zum Ende kam. Wieder einmal wird mir bewusst, wie wenig wir wirklich wissen, trotz der vielen Informationen.
Als Mensch, der versucht, keine Maßstäbe an Tiere anzulegen, die in subjektiven Überzeichnungen enden, ist „Der Geist des Ozeans“, abgesehen vom anthropomanisch etwas überzeichneten Titel, ein sehr inspirierendes Buch. Super finde ich auch das Titelbild, dass farblich an jenen wehrhaften Mocha Dick erinnert, jenem hellen Pottwal, der zusammen mit der Geschichte von der Essex, einem von einem Pottwalbullen versenkten Schiff, Vorlage für „Moby Dick“ war.

Pottwalkalb Pottwalmutter unter Wasser

Der Preis ist mit 24,90 für das Hardback üblich, aber auch recht happig. Trotzdem sehr empfehlenswert, gerade für Kinder ab 10 Jahren sicher ein sehr exploratives Buch, dass zum Googeln nebenbei einlädt.

Bilder: unten Gabriel Barathieu und oben beneventobooks


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