Schwarzblauer Ölkäfer V

Zwei Stunden war ich heute wieder im Wald und bin zufällig auf Meloe proscarabaeus, wie der Schwarzblaue Ölkäfer von Entomologen auch genannt wird, gestoßen. Am Donnerstag habe ich nach einem Laufkäfer recherchiert, den ich auf einem Löwenzahn fotografierte. Als Käferlaie ist es schwer einen Käfer zu erkennen, aber …

Laufkäfer? auf Löwenzahn

ich habe sämtliche Gattungen grob überflogen und nichts bei Wikipedia gesehen. Allerdings auf einer Webseite für Käferliebhaber war eine selektive Fotosammlung zu sehen und dabei war auch der Schwarzblaue Ölkäfer. Ich wäre sonst wohl noch überraschter gewesen. Der auch als Schwarzer Maiwurm bekannte Käfer hatte eine Begegnung mit einem anderen Lebewesen, vielleicht einem anderen räuberischen Insekt, denn dem Weibchen fehlen zwei Beine und ein kompletter Fühler links und der rechte Fühler ist nur noch zu einem Drittel vorhanden. Was seine Überlebenschancen drastisch verringert und eine weitere Eiablage wohl ausschließt, da ich sehr viele Vögel höre.

Schwarzblauer Ölkäfer

Die Verstümmelungen wundern mich, da der Käfer hier mit Drüsen an den Kniegelenken ausgestattet ist. Und die Drüsen enthalten ein Gift, Cantharidin. Das schützt aber größtenteils nur vor bestimmten Insekten, Igel und Vögel sind dagegen immun. Das Cantharidin wird manchmal von anderen Insekten aufgenommen und gespeichert. Beispielsweise Gnitzen (Ceratopogonidae), Blumenfliegen (Anthomyiidae), Weichwanzen (Miridae), Netzwanzen (Tingidae), Brackwespen (Braconidae) nutzen das Gift als Schutz. Einhornkäferweibchen (Notoxus) etwa beissen in die Elytrendrüse und prüfen den Cantharidingehalt während der Paarung. Das Cantharidin wird in die Spermatheca übergeben und schützt die Eier, Larven und Puppen vor Freßfeinden. Das ist so unglaublich komplex wie selbst Insekten miteinander interagieren. Andererseits wird von Coleopterologen geschätzt, dass etwa 25 % aller Arten auf unserem Planeten Käfer sind und die müssen sich dann zwangsläufig miteinander und auch mit anderen Insekten auseinandersetzen.

Das Kuriose, ich bin durch einen leider in einem Waldtümpel geworfenen Staubsauger auf den Käfer aufmerksam geworden. Als ich gehen wollte, sah ich das Bild hier unten.

Meloe proscarabaeus Ölkäfer Rom Mecklenburg

Die tagaktiven Ölkäfer halten sich meist am Boden auf und ernähren sich von Pflanzenteilen. Blattsalat, wohl kaum eine Wiesenpflanze, soll zu ihren Lieblingspeisen gehören.  Zumindest in einem Test mit vier Pflanzen. An Gestalt doch eher außergewöhnlich mit dem riesigen Hinterleib, ist dieser Käfer nicht in der Lage zu fliegen. Die fantastisch anmutenden Meloë-Arten besitzen allgemein verkürzte Flügeldecken und haben keine Hinterflügel. Was die Flugunfähigkeit erklärt. Der riesige Leib enthält bis zu 50 % Eier und deshalb fressen die Tiere reichlich. In Ägypten gilt er als Schädling, was aber wiederum an uns liegt. Dort ist er ein Migrant.

Schwarzblauer Ölkäfer Schwarzer Maiwurm Mecklenburg Rom Mai

Meloe proscarabaeus gibt es in Europa, östlich bis Zentralasien. Sie leben an sandigen und offenen Stellen. Ich habe ihn zufällig im Eichenlaub gefunden, der Boden ist aber darunter sandig.  Der Käfer tritt regional in Mitteleuropa häufig auf. Ich sehe ihn zum ersten Mal. 🙂 Insgesamt nimmt der Bestand ab, da der Lebensraum der Käfer, vor allem Wiesen, sich zunehmend verändern. Deshalb sind Schwarzblaue Ölkäfer in Deutschland in der Roten Liste gefährdeter Arten als gefährdet eingestuft. Wer viel Glück hat und aufmerksam ist, hat noch bis Juni Gelegenheit ihn zu finden.

Der Ölkäfer als Parasit?

Der Schwarzblaue Ölkäfer ist ein Bienenparasit, allerdings für solitäre Bienenarten, wie Pelzbienen, und für bestimmte andere Parasiten Parasit. Falls die Larven, die auf Blüten sitzend auf Bienen warten, die falsche Biene erwischen, zum Beispiel eine Honigbiene, sterben die Larven. Also keine Panik für Imker bitte. Die Larve frisst sich im Bau der Biene angekommen dann durch die Larven des Wirtes. Dann geht sie durch Häutung in das nächste Larvenstadium über. Die frisst, praktisch für sie, dann die Vorräte an Honigpollen im Nest auf, wächst dabei und häutet sich noch drei Mal. Danach verlässt sie das Nest des Wirtes und wird zur Scheinpuppe. Im Vorfrühling schlüpft die Tertiärlarve L7. L7 bedeutet, dass sie bis hier schon 7 Stadien durchlaufen hat, unglaublich. Die Tertiärlarve verpuppt sich wieder und schlüpft dann im März bis Mai. Die Weibchen versechsfachen ihr Gewicht und paaren sich mehrfach und legen dann bis zu sechs Mal bis zu 10.000 Eier alle ein bis zwei Wochen.

Identifiziert habe ich den Schwarzblauen Ölkäfer mit Hilfe von kerbtier.de. Zumindest in meinem Fall war es sehr leicht. Weitere Infos auf Wikipedia. Für den Fall, dass ein Experte den Käfer doch als andere Meloe-Art erkennt, freue ich mich auf eine Nachricht. Das gilt auch für den Laufkäfer auf dem Löwenzahn.

Und ich bin schon auf ein zweites Weinbergschneckenvorkommen in Mecklenburg gestoßen, in direkter Nachbarschaft zum Schwarzblauen Ölkäfer.

Helix pomatia Wald Mecklenburg Mai 2017

Bilder: Stephan Kühn-Logan


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